6. Tag

Montag, 28. März 2022 - Ageate

Autotour: Jardin Botánico Canario Viera y Clavija, Agüimes-Spaziergang, Wandern: Barranco de las Vacas, Cueva de Cuatro Puertas

Es gibt im Urlaub ja immer mal Tage, an denen man so viel erlebt, das man meinen könnte, sie hätten mehr als 24 Stunden. Dies war so ein Tag.

Nach dem Frühstück machten wir uns als erstes auf den Weg zum

Jardin Botánico Canario Viera y Clavijo

Googelinchen ließen wir nach einem Parkplatz schauen, der auch recht schnell gefunden war. Doch ein erster Blick in die Landschaft zeigte, hier waren wir zwar am Botanischen Garten, aber am oberen Parkplatz. Angesteuert hatten wir eigentlich den unteren Parkplatz. Nach einer kurzen Orientierung wechselten wir dann erst einmal den Parkplatz. Vorher aber noch ein schöner Blick über den Park.

Von hier oben hätten wir zwar ebenfalls in den Park gelangen können, aber dann hätten wir den ganzen Weg später wieder hinaufgehen müssen. Dazu hatten wir keine Lust.

Der Blick war auf jeden Fall Extraklasse – allein dafür hatte sich dieses kleine Dreherle schon gelohnt. Auch die Vegetation hier oben wirkte fast ein wenig wie im Regenwald. Das war schon verblüffend.

Dank des guten Überblicks vom Aussichtspunkt hatten wir anschließend kein Problem, den unteren Parkplatz zu finden. Dort war genauso wenig los wie zuvor am Kartenhäuschen. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Eintritt in diesen Garten sogar kostenlos.

Gerne hätten wir für einen kleinen Obolus einen Plan für diesen recht großen Garten gekauft. Leider gab es keinen, was dazu führte, dass wir etwas ziellos durch die Anlage streiften.

Gleich zu Beginn blickten wir auf ein paar schöne Drachenbäume, sowie Orgelpfeifenkakteen und schöne Doldenblüher.

Dieser prächtige Baum ist ein Gummibaum (Ficus elastica), der ursprünglich aus den tropischen Regionen Süd- und Südostasiens stammt. Besonders auffällig sind seine vielen Luftwurzeln, die von den Ästen nach unten wachsen und sich im Boden verankern. So erhält der Baum zusätzlichen Halt und kann sich mit der Zeit immer weiter ausbreiten.

Im milden Klima der Kanaren gedeihen solche tropischen Bäume besonders gut. Die mächtigen Wurzeln, der breite Stamm und das dichte Blätterdach machen diesen Baum zu einem echten Blickfang im Botanischen Garten.

 

Der Kaktusgarten verblüffte mal wieder mit schönen Herzen.♥️

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Für den Moment kreuzten wir den Kakteengarten aber nur kurz.

Benannt ist der Garten nach dem kanarischen Naturforscher José de Viera y Clavijo. Er widmet sich der Erhaltung, Erforschung und Präsentation der endemischen Pflanzen der Kanarischen Inseln sowie weiterer exotischer Arten.

Auf einer beeindruckenden Fläche von 27 Hektar beherbergt der Garten eine Sammlung von mehr als 500 endemischen Pflanzenarten der Kanarischen Inseln. Besucher können hier eine große Vielfalt an Pflanzen in unterschiedlichen Lebensräumen entdecken – von subtropischen Wäldern bis hin zu trockenen, wüstenähnlichen Landschaften.

Auch architektonisch hat der Garten einiges zu bieten.

Immer wieder stößt man auf kleine, verwunschene Klinkerbrücken, die fast im dichten Grün verschwinden.

Wenige Minuten später erblickten wir in der Ferne ein schönes altes Viadukt.

Was für Ausblicke! Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Der Botaniker hinter dem Jardín Canario

Die Entstehung und Entwicklung des Jardín Canario, des Botanischen Gartens von Gran Canaria, ist dem schwedischen Botaniker Erik Ragnar Svensson zu verdanken. Er war fasziniert vom außergewöhnlichen Artenreichtum der Kanarischen Inseln und begann, die Flora dieser einzigartigen Region intensiv zu erforschen. Dabei verband er überliefertes Wissen mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und trug wesentlich dazu bei, die kanarische Pflanzenwelt besser zu verstehen und zu dokumentieren.

Erik Ragnar Svensson wurde 1910 in Schweden geboren und nahm später die spanische Staatsbürgerschaft an. Tragischerweise kam er 1973 bei einem Verkehrsunfall auf der Straße GC-310, direkt vor den Mauern des Jardín Canario, ums Leben. Trotz seines frühen Todes hinterließ er ein bedeutendes Vermächtnis: Sein Engagement und seine Leidenschaft für die Pflanzenwelt der Kanarischen Inseln leben im Jardín Canario weiter und inspirieren bis heute Besucher und Botaniker.

Wir genossen den entspannten Blick in die Landschaft so lange, bis eine andere Reisegruppe unsere himmlische Ruhe störte. Grinsend zogen wir schließlich weiter.

Zeit für eine kleine Pause

Auf dieser Bank kann man wunderbar die Seele baumeln lassen. Ob Erik Ragnar Svensson hier wohl auch manchmal gesessen hat? Wer weiß.

Dem Weg durch den Park folgend gelangten wir in ein kleines Wäldchen.

Durch die Wassersprenger wurde dieser kleine Hain fast in ein regelrechtes Zauberwäldchen verwandelt. Schaut selbst!

Als wir aus dem Wäldchen heraustraten, sorgten dunkle Wolken, durch die die Sonne immer wieder hindurchschien, für ein ganz besonderes Licht… 🌤️

…während die andere Seite der Landschaft im strahlend blauen Himmel badete.

Unglaublich! Solch prächtige Organ Pipes hatten wir noch nicht gesehen.

Hinter dem Kakteenhain gelangten wir in den

Garten der Welt

Dieser Teil des Gartens, der „Jardín del Mundo“, wurde im Jahr 2002 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Jardín Botánico Viera y Clavijo eingeweiht. Der neue Bereich umfasst fünf Zonen, in denen die repräsentativsten Pflanzen der fünf Kontinente der Erde vorgestellt werden.

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Mit Blick auf diese herrliche Sukkulente verließen wir schließlich diesen wunderschönen Garten. Noch einmal ließen wir den Blick über die vielen Pflanzen und die abwechslungsreiche Landschaft schweifen, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machten.

Allen Skeptikern sei gesagt: Dieser Botanische Garten ist ein wahres Juwel. Die liebevoll angelegten Wege, die beeindruckende Vielfalt an Pflanzen und die vielen schönen Ausblicke machen einen Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis. Immer wieder entdeckt man neue Ecken, kleine Brücken, verwunschene Pfade oder überraschende Perspektiven auf die umliegende Landschaft.

Wir jedenfalls haben die Stunden in diesem Garten sehr genossen und hätten hier problemlos noch länger verweilen können. Ein Ort, der nicht nur Pflanzenliebhaber begeistert, sondern jeden Besucher mit seiner besonderen Atmosphäre in den Bann zieht.

Jetzt aber freuten wir uns auf unser nächstes Ziel.

Agüimes

Der Ort liegt auf einer Höhe von 275 Metern und zählt knapp 30.000 Einwohner. Obwohl die Gemeinde eine beachtliche Einwohnerzahl hat, leben die meisten Menschen in den umliegenden Gebieten wie Arinaga. Tatsächlich macht die Bevölkerung im eigentlichen Ortskern nur etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung aus. Trotzdem hat Aguimes mit seinem charmanten historischen Zentrum und seiner entspannten Atmosphäre viel zu bieten und zieht sowohl Einheimische als auch Touristen an.

Neben seinen hübschen schmalen Gassen kann man hier viele interessante Skulpturen entdecken. Diese locken wohl die meisten Touris, wie auch uns, hierher. Für mich war das Kamel eindeutig das Highlight der hier ausgestellten Skulpturen.

Netter Weise stolperten wir gleich zu beginn unseres Rundgangs über diese Skulptur. Die Pflicht war für mich somit erfüllt, alles weitere war nur noch Kür und die genossen wir sehr, zumal wir fast alleine in den hübschen schmalen Gassen unterwegs waren und nach herzenslust fotografieren konnten.,

Unseren Spaziergang durch diesen hübschen Ort findet ihr in einer kleinen Slideshow.

Am frühen Nachmittag hatten wir schließlich alles erkundet und fotografiert, was es hier zu entdecken gab.

Agüimes ist ein wirklich sehr schönes und beschauliches Dörfchen, in dem ich mir gut vorstellen könnte, einmal ein paar Tage zu verbringen.

Die Zeit scheint hier etwas langsamer zu vergehen. Niemand hetzt durch die Gassen, und der Tourismus ist hier offenbar noch nicht so richtig angekommen.

In einer kleinen Pizzeria gönnten wir uns ein sehr leckeres Mittagessen. Anschließend spazierten wir fast völlig alleine durch die hübschen Gassen des Ortes.

Kurz vor 15:00 Uhr machten wir uns schließlich wieder auf den Weg, denn wir hatten für diesen Tag noch einige Ziele vor uns.

Barranco de las Vacas

Der Barranco de las Vacas ist eine kleine, aber beeindruckende Schlucht im Osten von Gran Canaria, nicht weit von Agüimes entfernt. Die weichen Tuffsteinfelsen wurden über viele Jahre durch Wasser und Wind geformt und haben dabei geschwungene Formen und warme orangefarbene Strukturen entstehen lassen.

Die Schlucht ist nur wenige Meter breit und wirkt fast wie ein kleiner Slot-Canyon, ähnlich wie man ihn aus dem amerikanischen Südwesten kennt. Gerade deshalb ist dieser Ort bei Fotografen sehr beliebt.

Auch wenn der Barranco recht klein ist und man ihn in wenigen Minuten durchqueren kann, ist er ein faszinierendes Naturdenkmal. Besonders das Licht, das je nach Tageszeit unterschiedlich auf die geschwungenen Felswände fällt, macht den Ort zu einem echten Hingucker.

Besonders das wechselnde Licht, das je nach Tageszeit auf die geschwungenen Felswände fällt, verleiht diesem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.

Anfangs war es etwas knifflig, einen Parkplatz zu finden, doch nach einem kleinen Dreherle entdeckten wir schließlich eine der wenigen freien Parkbuchten. Von dort aus mussten wir nur noch einen der Trampelpfade wählen, die hinunter in den Canyon führten.

Nachdem wir den richtigen Weg gefunden hatten, war es recht einfach, hinunter in den Canyon zu gelangen. Schon auf dem Weg nach unten boten sich uns einige interessante Einblicke. Mit etwas mehr Zeit hätten wir sicher noch den einen oder anderen Abstecher gemacht. Da es jedoch schon recht spät war, entschieden wir uns, vieles nur aus der Ferne zu betrachten und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren – zumal plötzlich dunkle Wolken über uns hinwegzogen. Tatsächlich begann es kurz darauf sogar leicht zu regnen. Letztendlich trafen uns aber nur ein paar Tropfen, dann zog der Regen auch schon weiter, und wir konnten in Ruhe die schöne Vegetation genießen.

Insgesamt brauchten wir etwa 10 bis 15 Minuten, um den Boden des Canyons zu erreichen. Dort angekommen führt der Weg unter kleinen Brücken hindurch.

Über die erste Brücke waren wir zuvor noch hinübergelaufen. Spätestens wenn man hier durch den kleinen Durchgang geht, stellt sich zum ersten Mal ein richtiges Canyon-Gefühl ein. Es folgt noch eine weitere Brücke, deren Weg offenbar schon seit einiger Zeit weggebrochen ist – zumindest wirkt es von unten so. 

Inzwischen kamen wir uns fast ein wenig vor wie im Südwesten der USA.

Kaum zu glauben, dass es hier eine solche Landschaftsform gibt. Auf keiner anderen der Kanarischen Inseln hatte ich bisher etwas Ähnliches gesehen.

Der Barranco de las Vacas, dessen Name „Tal der Kühe“ bedeutet, ist vor allem für seine farbigen Tuffsteinschichten bekannt, die im Laufe von Jahrtausenden durch Wasser freigelegt wurden. Dass die Landschaft an den berühmten Antelope Canyon in Arizona erinnern soll, hielten wir allerdings eher für einen gelungenen Marketing-Gag. Zwar erinnert der Canyon ein wenig an die Landschaften im Südwesten der USA, wo solche Formationen häufiger vorkommen, doch der Vergleich mit dem Antelope Canyon ist unserer Meinung nach etwas weit hergeholt. Der Bereich mit den farbigen Vulkanschichten ist relativ klein, daher sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Ein Besuch lohnt sich dennoch – allein wegen der beeindruckenden natürlichen Schönheit des Tals.

Auf dem letzten Foto sieht man im Grunde schon das Ende des Canyons. Und genau dort befindet sich auch der schönste Abschnitt. Es lohnt sich also, bis ganz nach hinten zu laufen.

Allerdings mussten wir uns hier zunächst etwas gedulden, bis die beiden jungen Paare das Feld geräumt hatten. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, überließen wir ihnen den Platz wieder – die Mädels brauchten offenbar unbedingt noch ein paar Insta-Aufnahmen.

Auf den nächsten Fotos seht ihr schon Aufnahmen unseres Rückwegs. Das Wetter hatte sich in der Zwischenzeit merklich gebessert.

Es ist immer wieder faszinierend, wie das Licht eine Szenerie verändern kann. Noch ein letzter Blick zurück.

Unser nächstes Ziel war eher ein Zufallsfund, den ich beim Planen der Tagestour beim Gockel entdeckt hatte.

Cuatro Puertas – auf den Spuren der Guanchen

Schon der Name machte uns neugierig. Diese vier Pforten wollten wir uns unbedingt mit eigenen Augen anschauen. Wohin sie wohl führten? Während unserer etwa einstündigen Fahrt hatten wir jedenfalls genug Zeit, darüber zu philosophieren. Umso schöner war es, dass sich in dieser Zeit auch die dicken Wolken verzogen. Bei blauem Himmel und angenehmen Temperaturen erreichten wir schließlich den kleinen Parkplatz.

Der Weg zu den Puertas war gut ausgeschildert und bot eine wirklich tolle Aussicht.

Ehrlich gesagt war dieser Ausblick sogar deutlich beeindruckender als der Blick auf die vier Tore selbst, die eher unspektakulär wirkten. Und während ich das gerade schreibe, frage ich mich auch, wo eigentlich die vierte Tür ist. Vermutlich habe ich sie wegen des ungünstigen Sonnenstands gar nicht fotografiert.

Wie der Name schon verrät, besteht die Stätte aus vier künstlich geschaffenen Höhlen, die in den Fels gehauen wurden. Diese Höhlen, auch als La Cueva de los Papeles bekannt, weisen interessante archäologische Merkmale auf, darunter Petroglyphen und andere Felsgravuren der Ureinwohner der Kanarischen Inseln, der Guanchen. Ob andere Besucher mehr Glück oder Geduld beim Suchen hatten, weiß ich nicht – wir konnten jedenfalls keine Petroglyphen entdecken und folgten daher recht bald dem weiteren Weg.

Dabei genossen wir einmal mehr die schöne Aussicht. Hinter der nächsten Ecke öffnete sich nicht nur der Blick auf eine beeindruckende Landschaft, sondern auch auf eine weitere prähistorische Stätte, die sich aufgrund der inzwischen schwierigen Lichtverhältnisse allerdings nur schwer fotografieren ließ.

Der hufeisenförmige kleine Platz, den man dort sieht, ist ein sogenannter Almogaren. Solche Orte erkennt man an in den Felsboden gemeißelten Rillen, Symbolen und runden, schalenförmigen Vertiefungen im Gestein. Die Guanchen nutzten diese Plätze für religiöse Rituale, bei denen sie Milch, Wasser oder andere Flüssigkeiten in die Felsmulden gossen. Diese Handlungen hatten eine große spirituelle Bedeutung und waren ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur.

Doch nicht nur die Geschichte beeindruckte uns – auch die Aussicht war hier wieder einmal fantastisch. Wir waren jedenfalls begeistert. Naja, ich zumindest. Für Gabi war es wegen ihrer Höhenangst stellenweise schon etwas grenzwertig.

Ich ging noch ein kleines Stück weiter, um wenigstens aus der Ferne einen Blick in weitere Höhlen zu werfen. Ob sich dieser Weg wirklich lohnt, kann ich allerdings nicht sagen. Vermutlich gibt es im Inneren nicht mehr viel zu sehen, sonst wäre die Anlage wohl deutlich besser gesichert.

Also kletterte ich wieder zurück und konnte noch einmal diesen herrlichen Ausblick genießen. Die Fernsicht hier oben war wirklich beeindruckend.

Damit war unser Programm für heute beendet. Inzwischen war es bereits nach 18:00 Uhr. Auf dem Rückweg legten wir noch einen kurzen Stopp in Gáldar ein, um etwas einzukaufen. Als wir schließlich im Hotel ankamen, war es bereits dunkel – und leider auch wieder zu kühl für die Terrassenbar unseres Hotels.