13. Tag - Montag, 25. August 2025 Dungarvan - Hook Lighthouse - Wexford

Der vorletzte Umzugstag stand heute zunächst auf dem Plan.

Da ich im Vorfeld davon ausging, dass wir morgens flott unterwegs sein würden, hatte ich bereits Tickets für das Hook Lighthouse um 10:00 Uhr reserviert. Also hieß es jetzt: Tempo machen – immerhin standen gut 1,5 Stunden Fahrtzeit auf dem Programm.

Aber natürlich waren wir etwas zu trödelig unterwegs – oder die Landstraße dauerte einfach länger als die Gockeline gedacht hatte. Erst gegen 10:15 Uhr erreichten wir den Parkplatz am Hook Lighthouse. Der erste Gedanke: „Mann, ist der dick!“ 😄

Nach einem schnellen Foto gingen wir direkt ins Besucherzentrum, um uns anzumelden. Auch hier zeigte sich wieder die irische Gelassenheit: Während man in Deutschland wohl deutlich gemacht hätte, dass wir zu spät seien und nicht mehr mitkönnten, wurden wir hier kurzerhand in die nächste startende Tour gesteckt. Perfekt, so blieb noch etwas Zeit für weitere Fotos.

Ich habe in meinem Leben ja schon so einige Leuchttürme gesehen, aber so einen dicken Leuchtturm wie diesen noch nie. 

Hook Lighthouse

Während unserer etwa 45-minütigen Tour erfuhren wir viele spannende Details über das Hook Lighthouse – die wichtigsten Infos habe ich für euch im Infokasten zusammengefasst.

Hook Lighthouse

Das Hook Lighthouse in der Grafschaft Wexford ist einer der ältesten funktionierenden Leuchttürme Europas – etwa 800 Jahre alt – und das älteste in Irland. Errichtet wurde es unter der Aufsicht von William Marshal, dem Schwiegersohn von Strongbow und Aoife, und ersetzte ein einfaches Leuchtfeuer, das zuvor von Mönchen betrieben wurde. Es liegt gegenüber der Mündung von Dunmore East und Passage East, und der Name der Gegend soll teilweise für den Ausdruck „by Hook or by Crook“ verantwortlich sein.

Das Leuchtfeuer wurde im 13. Jahrhundert an einer ursprünglich von Mönchen gegründeten Niederlassung errichtet. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhielt der mehrfach erweiterte Turm eine feste Laterne, und 1810 wurde die Turmspitze auf das bis zu drei Meter dicke Grundmauerwerk gesetzt. Die heutige Laterne samt Fresnel-Linse dritter Ordnung stammt von 1864. Das Licht hat eine Reichweite von 23 Seemeilen (42,6 km) und zeigt einen weißen Blitz alle drei Sekunden.

Früher lebten zwei bis drei Leuchtturmwärter mit ihren Familien im Turm, später entstanden Häuser in der Nähe, und der Leuchtturm selbst wurde unbewohnt. 1974 kam ein Radar Beacon hinzu, 1996 wurde der Turm automatisiert. Seit 2001 kann er besichtigt werden, die ehemaligen Wärterhäuser dienen heute als Besucherzentrum.

Der Turm und die beiden Leuchtturmwärterhäuser sind denkmalgeschützt und im National Inventory of Architectural Heritage gelistet. Verantwortlich für Betrieb, Überwachung und Instandhaltung ist die Irische Schifffahrtsbehörde (CIL), während die touristische Vermarktung seit 2000 vom National Heritage organisiert wird.

Folgt uns ins Innere des Leuchtturms. Dort gab es sogar einen kleinen Film, in dem die letzte Leuchtturmwärter-Familie von ihrem Leben und Alltag erzählte – sehr eindrucksvoll und lebendig vermittelt.

Von der unteren Plattform bot sich ein fantastischer Blick über die Bucht.

Die dicke Wolkenschicht vom Morgen löste sich allmählich auf, und durch die Haufenschichtwolken schimmerte ein breiter Streifen blauen Himmels hindurch.

Nach der Führung nutzten wir die Gelegenheit, die Schokoladenseite des Leuchtturms zu fotografieren. Die dicke Wolkenschicht hatte sich inzwischen verflüchtigt, und die Sonne strahlte vom Himmel – perfekte Lichtbedingungen.

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Gut, nur wegen dieser einen Ruine hätten wir vermutlich nicht extra angehalten. Ein schnelles Knipsie aus dem Autofenster hätte zur Not auch gereicht. Doch direkt gegenüber entdeckten wir die Überreste einer alten Kirche – samt Friedhof.

Und spätestens da war jede Weiterfahrt zwecklos. Gegen alte Mauern und verwitterte Grabsteine bin ich schlicht machtlos.

St. Dubhan’s Church

Nur wenige Schritte vom Hook Lighthouse entfernt liegen die schlichten Ruinen von St. Dubhan’s Church.

Die kleine Kirche geht vermutlich auf eine frühchristliche Gründung zurück. Der Überlieferung nach wirkte hier im 5. Jahrhundert der heilige Dubhán, ein Gefährte des heiligen Kevin von Glendalough. Später wurde an dieser Stelle eine mittelalterliche Kirche errichtet, deren Reste heute noch zu sehen sind.

Die schlichte, romanische Kirche mit ihren dicken Mauern und kleinen Rundbogenfenstern steht inmitten eines alten Friedhofs, dessen verwitterte Grabsteine dem Ort eine ganz besondere, fast zeitlose Atmosphäre verleihen. Wind, Meer und Geschichte treffen hier unmittelbar aufeinander – ein typischer irischer Ort voller stiller Würde.

Gegen 13:30 Uhr verließen wir die Hook-Halbinsel – und fuhren, ja, wohin eigentlich? Ab da wurde es etwas unübersichtlich. Irgendwann hatten wir offenbar entweder unseren Orientierungssinn verloren – oder die Gockeline hatte beschlossen, heute ebenfalls kreativ zu sein.

Obwohl Ballyhack ursprünglich gar nicht auf unserem Plan stand, landeten wir schließlich genau dort. Manchmal übernimmt eben das Navi die Reiseleitung. 😉

Ballyhack

Keine Ahnung, ob uns die Burg gelockt hatte. Letztlich stellte sich jedoch heraus, dass von ihr nur noch ein recht kümmerlicher Burgfried übrig war – eigentlich kaum ein Foto wert.

 

Ballyhack Castle

Also wandten wir uns lieber dem kleinen Hafen zu, in dem die Boote wegen der Ebbe einmal mehr auf dem Trockenen lagen. Wenigstens hatte ein Pub geöffnet, und dorthin verzogen wir uns angesichts des zunehmend ungemütlichen Wetters. Gerade begann es zu tröpfeln – höchste Zeit, ins Warme zu flüchten.

Drinnen gönnten wir uns eine Portion Scones mit Clotted Cream – einfach köstlich!

Während wir am Fenster saßen und hinaus in das trübe, graue Wetter blickten, hellte sich der Himmel über uns ganz unbemerkt auf. Fast klammheimlich schoben sich die Wolken zur Seite, als wollte uns das Wetter versöhnen.

Unsere Irrfahrt nahm weiter ihren Lauf. Anstatt nun endlich konsequent Richtung Westen zu fahren, bewegten wir uns beharrlich immer weiter gen Osten.

Schließlich landeten wir vor einer Abbey, die zumindest aus der Ferne recht vielversprechend aussah. Vielleicht war es also doch keine völlige Fehlentscheidung – oder zumindest eine mit Potenzial.

Dunbrody Abbey

Dort angekommen ließ uns die nette Dame im Besucherzentrum nicht lange überlegen und überredete uns, zunächst den Irrgarten zu erkunden. Da die Sonne sich gerade wieder hinter dicken Wolken versteckt hatte, nahmen wir das Angebot dankend an.

Fotos vom Irrgarten gibt es allerdings nur in der Übersicht – mittendrin verliert man nicht nur leicht die Orientierung, sondern auch den fotografischen Überblick. Dank meines ausgeprägten Orientierungssinns fanden wir schließlich wieder hinaus. Mehr noch: Vom Aussichtspunkt aus konnten wir sogar eine deutsche Familie mit zwei Kindern sicher aus dem Labyrinth lotsen.

Ohne unsere Hilfe wären sie vermutlich noch eine ganze Weile zwischen den Hecken umhergeirrt.

Lasst uns schnell zur Abby rüber gehen. Den Schlüssel hatten wir uns vorher im Besuchszentrum besorgt. 

Dunbrody Abbey

wurde im späten 12. Jahrhundert im Zuge der anglo-normannischen Eroberung Irlands gegründet. Nachdem 1169 normannische Ritter unter Dermot MacMurrough nach Irland kamen und 1171 Heinrich II. die Herrschaft übernahm, entstanden zahlreiche Klostergründungen. 1182 entsandte die St. Mary’s Abbey in Dublin Zisterziensermönche nach Dunbrody, wo ein neues Kloster nahe einer wichtigen Seeroute entstand.

Im 13. Jahrhundert erlebte die Abtei eine Blütezeit. Die eindrucksvolle frühgotische Kirche, die zwischen 1210 und 1240 erbaut wurde, zeugt noch heute vom damaligen Wohlstand.

Mit der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII. wurde Dunbrody 1536 geschlossen, geplündert und später in eine private Residenz umgewandelt. Ein schwerer Einsturz an Heiligabend 1852 zerstörte große Teile der Anlage. Seitdem liegt die Abtei als beeindruckende Ruine in der Landschaft.

Unseren Spaziergang durch die Abbey könnt ihr in der Fotoshow verfolgen.

Danach machten wir noch Halt an einer Kirche, die uns bereits auf der Hinfahrt aufgefallen war.

St. James' Catholic Church

Viel gibt es über diese Kirche nicht zu berichten. Erbaut wurde sie im 19. Jahrhundert. Neugierig wurden wir wohl, weil sie so inmitten dieses leinen Ortes steht und am Eingang so eine große beeinduckende Statue steht. Die Statue zeigt Thomas Canon Doyle II. Er war ein bekannter irischer römisch-katholischer Gemeindepfarrer (Parish Priest, P.P.) in Ramsgrange, County Wexford.

Jetzt wurde es allerdings langsam Zeit, endlich eines der geplanten Ziele des Tages anzusteuern. Also spurten wir uns und fuhren ohne weitere Umwege direkt zum

Wrack der Port Lairge

Wie sollte es auch anders sein – das Wrack lag natürlich wieder einmal wegen der Ebbe auf Grund. Anscheinend hatten wir in diesem Urlaub fast immer Ebbe an den Küsten erwischt. Diesmal jedoch wohl zu unserem Glück, denn bei Niedrigwasser kommt der verrostete Kahn erst richtig zur Geltung.

Heute dient das Wrack vor allem als Brutplatz für Vögel.

Dank der Ebbe konnten wir besonders gut einige Austernfischer, Möwen, Tauben und größere Brachvögel beobachten, die zwischen den rostigen Überresten des Schiffes auf dem Boden nach Nahrung suchten.

Hier folgen noch ein paar Impressionen aus dem Keeperhouse und Museum.

Zu unserem letzten Besichtigungspunkt an diesem Tag gelangten wir durch einen der malerischen irischen Tunnel.

The Shell Cottage

Dieses Kleinod hatte Ute im Internet entdeckt. Wir dachten uns, wenn sich jemand diese Arbeit macht und es fast auf dem Weg liegt, dann können wir auch vorbei fahren. 

Das Shell Cottage in County Wexford liegt im kleinen Küstendorf Cullenstown (Baile Chuilinn) und bietet einen malerischen Blick auf den Cullenstown Strand.

Das Reetdachhaus aus dem 19. Jahrhundert ist berühmt für seine kunstvolle Verzierung mit zehntausenden Muscheln. Über mehrere Jahrzehnte sammelte der lokale Seemann Kevin L. Ffrench Muscheln von den nahegelegenen Stränden und schuf daraus filigrane Muster und maritime Motive. Überall an der Außenseite des Hauses lassen sich Szenen von Schiffen, Leuchttürmen und abstrakte Designs entdecken – ein lebendiges Zeugnis der Küstergeschichte und liebevollen Handwerkskunst.

Das Cottage strahlt eine märchenhafte, fast skurrile Atmosphäre aus und bildet einen herrlichen Abschluss eines Tages voller Entdeckungen an der Südostküste Irlands.

Gegen 19:00 Uhr erreichten wir unsere Unterkunft über einem etwas speckigen Pub in Wexford. Unser Zimmer war aber völlig in Ordnung: die Betten bequem und sauber, das Bad recht neu, und sogar ein Wasserkocher mit ausreichend Kaffeepulver stand bereit – was braucht man mehr?

Nachdem wir alles abgecheckt und unser Gepäck verstaut hatten, machten wir uns auf einen Spaziergang in die Stadt, um etwas zum Abendessen zu finden. Wegen des einsetzenden Regens wirkte Wexford fast ausgestorben. Dennoch waren alle Restaurants gut besucht, sodass es eine kleine Ewigkeit dauerte, bis wir ein Plätzchen ergattern konnten.

Den Abend ließen wir schließlich bei einem Bier in einem Pub ausklingen. Musik gab es heute leider keine – schade, aber bei einem kühlen Getränk und der typisch irischen Atmosphäre konnte man auch so gut den Tag Revue passieren lassen.