10. Tag - Freitag, 22. August 2025 Bantry - Dungavan
Heute Morgen stand gleich eine Planänderung an, denn Ute hatte gestern entdeckt, dass Bantry House & Garden kostenlos zu besichtigen war. Diese Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht entgehen – normalerweise kostet der Eintritt 14 € pro Person.
Da wir es nicht weit hatten, standen wir schon kurz nach 9:00 Uhr auf dem Parkplatz. Ein wenig komisch war es allerdings schon, denn das kleine Häuschen, in dem man normalerweise den Eintritt entrichtet, war geschlossen.
Bantry House and Gardens
Bantry House liegt oberhalb der Bantry Bay und zählt zu den eindrucksvollsten Herrenhäusern im Südwesten Irlands. Das Anwesen stammt aus dem 18. Jahrhundert und war lange Sitz der Familie White, die später zu Earls of Bantry erhoben wurde. Berühmt ist das Haus auch für seine Verbindung zu Napoleon: 1796 sollte hier eine französische Invasionsflotte landen, scheiterte jedoch am Sturm.
Das Innere beeindruckt mit großzügigen Salons, einer monumentalen Treppenanlage und zahlreichen Erinnerungsstücken aus der Familiengeschichte. Die weitläufigen Gärten mit Terrassen, alten Bäumen und exotischen Pflanzen bieten herrliche Ausblicke über die Bucht.
Am Inneren des Hauses waren wir weniger interessiert, doch der Garten wirkte schon auf den ersten Blick äußerst spannend. Da wir noch ganz allein unterwegs waren, hatte unser Spaziergang über das Gelände zudem einen kleinen Hauch des Verbotenen. 😄
Vor der Weiterfahrt schauten wir noch kurz im Tearoom vorbei. Da wir normalerweise morgens direkt weitergefahren wären, verzichteten wir auf eine Pause – auch wenn die Räumlichkeiten durchaus sehr einladend wirkten.
Da wir etwas Tempo machen mussten, lag unser nächster Halt erst in Kinsale – wobei „Halt“ eigentlich zu viel gesagt ist, denn wir fuhren im Grunde nur hindurch. Geplant war ein kleiner Spaziergang durch das hübsche Städtchen, doch fehlende Parkplätze, dichte Touristenströme und wenig einladendes Wetter ließen uns kurzerhand umdisponieren. Stattdessen beschlossen wir, direkt weiter zum historischen Charles Fort zu fahren.
Charles Fort
Charles Fort ist eine imposante, sternförmige Festungsanlage aus dem späten 17. Jahrhundert und liegt strategisch über dem Hafen von Kinsale. Benannt nach König Charles II., diente das Fort dem Schutz eines der wichtigsten Naturhäfen Irlands.
Die Anlage spielte eine bedeutende Rolle in mehreren Konflikten, unter anderem während des Wilhelmitischen Krieges. Heute sind die mächtigen Bastionen, Kasematten und Wehrgänge gut erhalten und bieten weite Ausblicke über Hafen und Atlantik.
Ich mache es kurz: Ja, die Anlage ist groß, gut erhalten und für Interessierte an militärischer Architektur sicher spannend. Uns hat sie ehrlich gesagt nicht vom Hocker gehauen. Vielleicht lag es am Wetter – bei blauem Himmel und Sonnenschein wären wir vermutlich mit deutlich mehr Begeisterung durch die Anlage gestreift. So fehlte uns einfach der zündende Funke.











Vielleicht lag es genau daran, dass wir uns von einem kleinen Hinweisschild zu einer Burg verleiten ließen, einfach einmal zu parken.
Da das Tor weit offenstand, fühlten wir uns eingeladen – und übersahen dabei dezent den Hinweis „Private Property“. Der Weg zur Burg war jedenfalls herrlich wildromantisch. 😄
Einen Namen für diese Ruine habe ich im Internet nicht entdecken können.
Viel zu sehen gab es allerdings nicht, also machten wir uns recht bald wieder auf den Rückweg.
Jetzt galt es, unseren letzten Stopp für heute zu finden. Die Location hatte ich im Internet entdeckt, und wir waren gespannt, ob wir sie tatsächlich aufspüren würden. Umso größer war unsere Verblüffung, als uns plötzlich ein gut ausgebauter Parkplatz und sogar Hinweisschilder erwarteten.
Ballysaggartmore Towers
Wer jetzt glaubt, dies wären die Eingangstore zu einer Burg, der irrt.
Die Ballysaggartmore Towers
liegen versteckt in einem bewaldeten Tal nahe Lismore in County Waterford und zählen zu den ungewöhnlichsten Bauwerken Irlands. Errichtet wurden sie in den 1830er-Jahren von Arthur Kiely-Ussher, einem Mitglied der berüchtigten Ussher-Familie, die in der Region als besonders harte Grundherren galt.
Bei den Türmen handelt es sich nicht um eine Burg oder Verteidigungsanlage, sondern um reine Zierbauten (Follies). Sie sollten Besucher beeindrucken – und vermutlich auch einschüchtern. Der Weg durch das Tor, vorbei an der kleineren Witch’s Tower hin zur großen, dramatisch inszenierten Hauptpforte, wirkt bis heute fast märchenhaft oder leicht unheimlich.
Eine lokale Überlieferung deutet darauf hin, dass die großen Eingangslodgen als Auftakt zu einem extravaganten Herrenhaus gebaut wurden, das Keily-Ussher bauen wollte, aber nie tat, da ihm letztendlich die Mittel für ihren Bau ausgingen, Allerdings existiert kein zeitgenössischer Bericht aus dem Zeitraum.
Heute stehen die Türme frei zugänglich inmitten der Natur. Wir erreichten sie nach einem kurzen Spaziergang durch ein kleines Wäldchen. Moos, Bäume und das gedämpfte Licht des Waldes verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre – geheimnisvoll, etwas düster und vollkommen unerwartet. Genau so ein Platz, über den man stolpert und sich fragt: Wie kommt so etwas hierher?




Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß und konnten uns dabei noch ein wenig die Füße vertreten – nach der langen Fahrstrecke heute eine willkommene Abwechslung zum vielen Sitzen im Auto.
Gegen 18:30 Uhr erreichten wir schließlich Dungarvan und unsere Ferienwohnung für die nächsten drei Nächte. Die freundliche Vermieterin versorgte uns auf Nachfrage noch mit ein paar Restauranttipps. Da wir jedoch beide ziemlich ko und hungrig waren, spazierten wir einfach um die Ecke in ein gemütliches Family-Restaurant und verputzten dort leckeren Fisch – nicht nur mit Chips. 😉🍻
Da es nach dem Essen noch hell war, nutzten wir die Gelegenheit, wenigstens kurz ans Wasser zu spazieren und ein bisschen von der Stimmung hier mitzunehmen.



























