4. Tag - Samstag, 16. August 2025 Spanish Point - Connor Pass - Dingle

Heute wollten wir hoch hinaus – doch bis dahin lagen noch einige andere, teils auch überraschende Sehenswürdigkeiten auf unserem Weg.

Wenn der Wetterbericht recht behalten sollte, würde uns das Wetterglück heute zunächst verlassen. Für Dingle war in den nächsten beiden Tagen eher Regen angesagt. Noch allerdings sah alles ganz gut aus.

Bei den Cliffs of Moher hatten wir am Vortag von zwei Tourguides den Tipp für andere, ebenfalls sehr schöne Cliffs bekommen. Diese wollten wir uns heute Vormittag unbedingt ansehen – zumal sie ohnehin auf unserem Weg lagen.

Also fuhren wir zunächst Richtung Kilkee. Zügig ist dabei vielleicht etwas wohlwollend formuliert, denn unterwegs gerieten wir erst einmal in einen typisch irischen Stau, bevor wir den Ort erreichten.

In Kilkee hielten wir nur kurz an – nicht nur zur Orientierung, sondern auch für einen schnellen Fotoquicky.

Kilkee Pub

Unser nächster Halt führte uns schließlich zu den

Kilkee Cliffs

Die Guides hatten nicht zu viel versprochen. Hier – weitab der Touristenströme – gefiel es uns ausgesprochen gut, zumal auch das Wetter weiterhin mitspielte. 

Doch so sehr wir uns Sonnenschein wünschten, sahen wir in der Ferne schon Schleierwolken herannahen. Wir schauten daher, dass wir recht schnell zum Wild Altantic Way Discovery Point zu kommen, um dort noch etwas Licht zu erhaschen. Als wir einige Minuten später am Parkplatz ankamen herrschte dort schon ein kühler Wind und wir zogen die Reisverschlüsse unserer Jacken bis oben zu. Die Lichtverhältnisse waren nur noch so lala. Es wäre ja zu schön gewesen, wenn heute der Wetterbericht mal nicht gestimmt hätte. Bei diesem Wetter war der Zauber der Kliffs leider nicht sichtbar. Nach ein paar Fotos zogen wir daher weiter. 

Kleine Randnotiz für alle Interessierten:

Was haben die Kilkee Cliffs mit dem Revolutionär Che Guevara zu tun?
Anfang der 1960er-Jahre (1961 oder 1962) strandete Che nach seiner Landung in Shannon für kurze Zeit in Kilkee. Dort wurde er im Hotel von dem jungen Kunststudenten Jim Fitzpatrick erkannt. Fitzpatrick schuf später das weltberühmte, verfremdete Porträt von Che Guevara.

Da Fitzpatrick das Bild zur freien Verwendung freigab, ist es bis heute auf unzähligen Postern, Textilien und anderen Produkten weltweit zu sehen.

Um unseren weiteren Weg Richtung Dingle etwas abzukürzen, entschieden wir uns bei Killimer spontan für die Fähre. Eine Entscheidung, die sich mehr als lohnte: Die kurze Überfahrt über die Mündung des Shannon sparte uns über 100 Kilometer Fahrstrecke – und damit nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.

Die rund zwanzigminütige Überfahrt genossen wir ganz entspannt, ließen den Blick über das Wasser schweifen und nutzten die kleine Pause, um einmal kurz durchzuatmen, bevor es auf der anderen Seite weiterging.

Dank dieser Abkürzung erreichten wir Ardfert bereits zur Mittagszeit. Der Magen meldete sich inzwischen deutlich zu Wort, also stand zunächst die wichtigste Sehenswürdigkeit des Tages auf dem Programm: ein Restaurant. Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zur eigentlichen Attraktion des Ortes – der beeindruckenden Kathedrale von Ardfert mit ihren historischen Ruinen.

Ardfert Cathedral

Die heutige Kathedrale stammt überwiegend aus dem 12. Jahrhundert und war einst Bischofssitz. Trotz ihrer Lage abseits der großen Routen beeindruckt sie mit ihrer schlichten, massiven Architektur und der besonderen Atmosphäre im Inneren.

Zum Ensemble gehören außerdem noch  zwei kleinere Kapellenruinen, Temple Na Griffin und Temple Na Hoe. Im Vergleich zu den großen, stark frequentierten Sehenswürdigkeiten wirkt Ardfert angenehm ruhig – ein Ort zum kurzen Innehalten.

Unser Grund für den Stopp:
Weniger wegen spektakulärer Highlights, sondern aus reiner Nostalgie. Ein Wiedersehen nach vielen Jahren – und ein Blick darauf, was sich seitdem verändert hat.

Aus dem gleichen Grund steuerten wir dann auch noch ein weiteres Ziel in Ardfert an. 

Ardfert Friary

Ganz in der Nähe der Kathedrale liegt die Ruine des Ardfert Friary, eines Franziskanerklosters aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist davon vor allem eine stimmungsvolle Ruine mit gut erkennbaren Mauern, Spitzbögen und Fensteröffnungen geblieben.

Auch hier ging es uns weniger um große Geschichte oder spektakuläre Details, sondern um pure Nostalgie. Bei unserer ersten Irland-Autotour vor über 20 Jahren mussten Maya und ich den Friary noch regelrecht suchen – nicht zuletzt, weil wir damals nicht einmal wussten, was ein Friary eigentlich ist. Heute ist der Weg immerhin ausgeschildert. Vorfahren darf man allerdings nicht mehr, denn das letzte Stück verläuft über einen Privatweg. Also parkten wir auf einem nahegelegenen Parkplatz und legten die letzten 200 Meter ganz altmodisch zu Fuß zurück.

Der Ort wirkte immer noch ein wenig verzaubert. Fast genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Kein Gedränge, keine Reisebusse – nur alte Steine, ein bisschen Gras zwischen den Mauern und jede Menge Platz für Gedanken.

Ein kurzer Abstecher, der gut zu unserem nostalgischen Ardfert-Besuch passte – ruhig, unspektakulär und genau deshalb sehenswert.

Blick zurück zur Ardfert Cathedral.

Schon von hier war zu erkennen, dass sich etwas zusammenbraute. Also machten wir uns zügig auf den Weg – schließlich lagen noch einige Kilometer und der Connor Pass vor uns.

Auf dem Weg zum Connor Pass kamen wir an der Blennerville Mill vorbei. Eigentlich hatten wir vor, die historische Windmühle zu besichtigen, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Schon von Blennerville aus war deutlich zu sehen, wie sich über dem Connor Pass ein Unwetter zusammenbraute. Wir beließen es daher bei einem kurzen Fotostopp und setzten unsere Fahrt zügig fort.

Blennerville Windmill

Noch ein letzter kurzer Blick zurück zu dem kleinen Kätzchen, dann saßen wir auch schon wieder im Auto und fuhren Richtung Connor Pass. In Blennerville herrschte ordentlich Betrieb, sodass es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis wir endlich freie Fahrt hatten und auf der Passstraße angekommen waren. Kaum erreichten wir die Höhe, setzte auch schon der Regen ein – und unser kleines Auto wurde vom Wind kräftig hin und her geschaukelt.

Wasserfall am Connor Pass

Als wir den kleinen Wasserfall am Connor Pass erreichten, schüttete es wie aus Eimern. Unsere Kameras ließen wir daher lieber im Auto. Bei besserem Wetter hätten wir uns hier gern noch ein wenig die Beine vertreten und vielleicht sogar den Weg hinauf zum oberhalb gelegenen Peddler’s Lake in Angriff genommen. Bei diesen Wetterbedingungen und den glitschigen Felsen verzichteten wir jedoch lieber darauf.

Auf der anderen Straßenseite konnte man derweil ein beeindruckendes Wolkenspiel beobachten.

Auf der höchsten Stelle des Connor Passes erwartete uns schließlich ein Naturschauspiel der Extraklasse. In der Ferne grollte der Donner, Blitze zuckten über den Himmel – und die versammelten Zuschauer hatten sichtlich ihren Spaß. Einige applaudierten tatsächlich jedem besonders schönen Blitz, als säßen wir bei einer gut besuchten Open-Air-Vorstellung.

Da es inzwischen aufgehört hatte zu regnen und die Temperaturen angenehm mild waren, konnten wir dieses Spektakel in vollen Zügen genießen. Nur eines wollte uns partout nicht gelingen: einen dieser spektakulären Blitze mit der Kamera einzufangen. Schade – aber manches bleibt eben besser im Kopf als auf der Speicherkarte.

Blick zurück ins Tal.

Wie es aussah, hatte sich das Gewitter hier bereits verzogen – die Landschaft wirkte wieder erstaunlich ruhig, fast so, als wäre eben nicht noch ein ordentliches Naturspektakel über sie hinweggezogen. Zu unserem Glück fehlten jetzt eigentlich nur noch ein paar Sonnenstrahlen 🙂

Zeit weiterzuziehen.

Schließlich wollten wir Dingle ja noch bei Tageslicht erleben. Es dauerte dann tatsächlich fast eine weitere Stunde, bis wir an unserer Unterkunft ankamen.

Inzwischen hatte es wieder kräftig zu regnen begonnen, sodass wir – während wir auf unseren Türöffner im B&B warteten – lieber im Auto sitzen blieben. Immerhin hatten wir Glück im Unglück und uns den letzten freien Parkplatz direkt vor der Unterkunft gesichert. Die kleine Gasse und unser B&B sahen von außen schon ganz nett aus. Außerdem war die Unterkunft mitten im Zentrum von Dingle. 

Wettertechnisch gesehen hatten wir dann Glück im Unglück, denn der Regen hörte während wir unser Zimmer bezogen auf. 

Dingle

Der kleine Hafenort auf der Dingle Peninsula lebt vom Meer, vom Wind und von seinen bunten Häusern, die selbst bei Regen noch gute Laune machen.

Zwischen Pubs, Fish & Chips, Souvenirläden und Booten im Hafen herrscht eine angenehm entspannte Mischung aus Tourismus und Alltag. Wir nutzten eine kurze Regenpause und spazierten hinunter zum kleinen Hafen, wo die Fischerboote sanft am Pier schaukelten und die Szenerie wunderbar ruhig wirkte.

Vor dem Abendessen sammelten wir noch ein paar Eindrücke des kleinen Hafenstädtchens. Vom Hafen aus bot sich ein schöner, ruhiger Blick zurück auf Dingle.

Dingle

So langsam meldete sich der Hunger. Leider hatten wir das kurze Zeitfenster mit den noch leeren Restaurants verpasst, sodass wir erst durch einige Pubs ziehen mussten, bevor wir einen freien Tisch ergatterten. Die Suche lohnte sich allerdings: Zum Abendessen gab es ein richtig gutes Irish Stew. 😋

Gesättigt zogen wir durch den Ort, auf der Suche nach einem urigen Pub mit Live-Musik. Die Auswahl war groß. Schließlich blieben wir in einem hängen, in dem eine bunt gemischte Runde von Musikanten spielte. Ein wunderbar stimmungsvoller Ausklang für diesen ereignisreichen Tag.