5. Tag - Sonntag, 17. August 2025 Dingle - Sleahead Drive - Portmagee

Theoretisch gesehen lag unser heutiges Ziel gerade einmal 126 km entfernt. Wir hätten also gut und gerne schon in ca. 2:30 Std. an unserem Ziel ankommen können. 🙂 Letztendlich haben wir für diese Tour fast 9 Stunden gebraucht, denn es gab so viel zu sehen und zu erleben auf dieser Strecke. 

Nach einem sehr leckeren Frühstück in unserem B&B machten wir uns gegen 9:00 Uhr auf den Weg in Richtung Slea Head Drive. Bereits während der Fahrt erinnerten wir uns an einen außergewöhnlichen Turm, den wir am Vortag im Internet entdeckt hatten. Da er praktischerweise auf unserer Route lag und der Abstecher nur kurz war, beschlossen wir spontan, dort noch vorbeizufahren.

Schon der Weg dorthin war ein echtes Highlight. Die meiste Zeit fuhren wir durch einen regelrechten grünen Tunnel – ein Grün, wie es nur Irland hervorbringen kann.

Eask Tower

Vor dem Aufstieg zum Eask Tower befand sich ein kleiner Parkplatz mit einer Toll-Box. Der Aufstieg sollte – wenn ich mich recht erinnere – 1 € kosten. Wären die vergangenen Tage trocken gewesen, hätten wir den Weg nach oben vielleicht in Angriff genommen. Da es jedoch am Vortag nahezu durchgehend geregnet hatte, konnten wir uns nicht dazu durchringen, den vermutlich sehr matschigen Pfad hinaufzusteigen.

Also beließen wir es bei einem Foto aus der Ferne und einem schönen Blick hinüber nach Dingle. Schade! Einen Turm mit einer Zeigehand aus dem 19. Jahrhundert hätte ich mir nur zu gern aus der Nähe angesehen – und die Aussicht von dort oben wäre sicherlich ebenfalls nicht zu verachten gewesen.

Sleahead Drive

Weiß der Teufel, wo die Zeit wieder einmal geblieben war – der kleine Abstecher hatte gut eine 3/4 Stunde verschlungen. So kam es, dass wir erst gegen 9:45 Uhr am Slea Head Drive ankamen. Dort wurden wir auch gleich von zwei vierbeinigen Bewohnern begrüßt.

Der Wetterbericht versprach zwar keine Sonne, doch stattdessen bot sich uns ein beeindruckendes Schauspiel aus Licht und Wolken am Himmel.

Beehive Huts

Die Beehive Huts (irisch Clocháin) sind bienenkorbförmige Steinhütten, die ohne Mörtel ausschließlich aus übereinandergeschichteten Steinen errichtet wurden. Diese Bauweise machte sie besonders wetterfest und langlebig. Die teilweise noch erhaltenen Hütten entstanden bereits in der Eisenzeit sowie in der frühchristlichen Epoche und vereinzelt sogar noch in der Neuzeit. Die größte Konzentration findet sich entlang der Küste der Dingle-Halbinsel; die meisten der heute erhaltenen Anlagen stammen jedoch vermutlich aus dem frühen Mittelalter.

Die Hütten dienten vor allem als Wohn- und Arbeitsstätten für Mönche oder Bauern. Durch ihre schlichte Konstruktion und die harmonische Einbettung in die Landschaft vermitteln sie bis heute einen eindrucksvollen Eindruck vom einfachen Leben vergangener Zeiten.

Kurze Zeit hinter den Bienenkorbhäusern erreichten wir das weiße Kreuz entlang der Route

Eines war an diesem Tag auf jeden Fall sicher: Auch wenn blauer Himmel und Schäfchenwolken schöner gewesen wären, waren die Ausblicke unter dem verhangenen Himmel keineswegs zu verachten. Und bei schönem Wetter kann schließlich jeder fotografieren – wir nahmen es mit Humor.

Am Wild Atlantic Way Discovery Point fanden wir einen Parkplatz in der kleinen Haltebucht.

Blöderweise fuhren wir wegen eines Reisebusses an der nächsten Haltebucht vorbei – shit happens. Dadurch verpassten wir leider den Ausblick auf diese Straße.

Das folgende Foto wurde freundlicherweise von Christian Birkholz auf Pixabay zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Wenige Minuten später erreichten wir den Parkplatz am 2022 neu renovierten

Blasket Centre

 

Das Center selbst nutzten wir lediglich für eine kurze Toilettenpause. Für eine Besichtigung fehlte uns leider die Zeit. Wir ließen es daher links liegen und spazierten direkt zur Aussichtsterrasse. Von dort sollte sich ein schöner Blick auf den Atlantik, den Slea Head Drive und die Blasket Islands bieten. Schon der Weg zur Aussichtsplattform gefiel uns sehr.

Impressionen von der Aussichtsplattform am Blasket Centre:

Unser nächster Halt hatten wir am

The Ceann Sibéal Viewing Point

Diese markante Landzunge entlang des Slea Head Drive bietet eine sensationelle Aussicht auf den Atlantik und bei klarer Sicht bis hin zu den Blasket Islands. Da wir diese Aussicht bereits am Blasket Centre genossen hatten, sparten wir uns den Aufstieg zum Glogher Head und genossen einfach nur den Blick auf den Glogher Beach. Bei schönem Wetter wären wir sicher mal runter zum Strand gefahren. Heute sparten wir uns diesen Weg, nicht nur wegen der dicken Wolken am Himmel.

Auf unserem weiteren Weg wurde es dann etwas ruinös.

Bei dieser schönen Ruine am Wegesrand konnten wir nicht anders. Wir mussten sie näher unter die Lupe nehmen, zumal sie von der Seite fast bewohnt aussah.

In Ballyferriter hielten wir kurz an der kleinen, neugotischen, aus den 1860er Jahren stammenden 

St. Vincent's Church

Da uns die Zeit davonlief, machten wir uns zügig auf den Weg zu unserem letzten Besichtigungspunkt am Slea Head Drive.

Gallarus Oratory

war erfreulicherweise nur wenig besucht.

Das frühchristliche Steingebäude wird je nach Quelle in das 6. bis 9. Jahrhundert datiert und zählt zu den am besten erhaltenen Oratorien (Gebetshäuser) Irlands. Es wurde vollständig ohne Mörtel aus sorgfältig behauenen Steinplatten errichtet. Durch die leicht nach innen geneigten Wände und die überlappende Bauweise der Steine ist das Bauwerk bis heute weitgehend wasserdicht. Durch seine Kraggewölbebautechnik erscheint es wie ein umgekehrtes Boot. Es ist eins von drei in Irland noch heute bestehenden Bethäusern Irlands.

Seit meinem letzten Besuch im Jahr 2002 wurde die Anlage ganz schön aufgepeppt. Besonders haben uns die tollen Fuchsienhecken, die den Weg zum Oratory säumten gefallen.

Der Weg zurück zum Parkplatz führte uns wieder an einer schönen Fuchsienhecke vorbei. Schade, dass es solche Hecken bei uns nicht gibt. 

Schließlich wurde es Zeit, den Sleahead Drive hinter uns zu lassen. Ein weiteres Ziel wartete noch auf uns und dies war noch gut 50 km entfernt. Bei unserer Internetrecherche war uns ein schöner Park aufgefallen, den wir uns heute unbedingt noch ansehen wollten.

Ehe wir uns versahen, kamen wir an einem unglaublich langen und breiten Strand an. Schade, dass das Wetter nicht zum längeren Verweilen einlug. So beließen wir es bei einem kurzen Fotostopp.

The Inch Beach

Dann endlich…

Kells Bay House and Gardens

Just in time 🙂 Oder wie die Hessin sagt: „Auf dem letzten Drücker“ erreichten wir gegen 16:00 Uhr den kleinen Park. Nachdem wir unseren Obolus von knackigen 9,50 € pro Nase entrichtet hatten, machten wir uns auf den Weg in den Garten.

Laut Webseite erwartete uns ein Juwel entlang des Wild Atlantic Way. Versprochen wurden subtropische Gärten und Wanderungen zu Wasserfällen. Entsprechend gespannt waren wir.

Von der hochgerühmten Restauration waren wir allerdings etwas enttäuscht, denn es gab lediglich ein Selbstbedienungscafé. Das hatten wir uns deutlich netter vorgestellt. Nun hofften wir, dass wenigstens der Garten hielt, was er versprach.

Unser Fazit: Groß ist der Garten nicht, aber er hat seine schönen Momente. Familien mit kleinen Kindern werden ihren Spaß haben, schon alleine wegen der vielen geschnitzten Dinos, die überall zu entdecken sind.

Gegen 18:00 Uhr erreichten wir schließlich unser Ferienhaus in Portmagee. Für heute hatten wir genug gesehen – der kulturelle Akku war leer, der kulinarische dafür umso voller Erwartung.

Doch Portmagee hatte andere Pläne. Die beiden Restaurants im Ort waren gnadenlos überfüllt und offenbar fest entschlossen, uns heute nichts Warmes mehr zu servieren. Also taten wir, was erfahrene Reisende tun: Wir kapitulierten stilvoll.

Mit Fish & Chips von der Pommesbude bewaffnet zogen wir uns in unser Ferienhaus zurück, wo wir das Mahl in aller Ruhe verputzten und mit einem Bierchen herunterspülten. Ende gut, alles frittiert.