Die Route - Nach Tagen aufgeteilt
7. Tag
Dienstag, 29. März 2022 - Agaete
Autotour nach Artenara + Wanderung im Lorbeerwald + Kuchenessen in Maya
Autotour nach Artenara + Wanderung im Lorbeerwald + Kuchenessen in Maya
Heute wollten wir hoch hinaus. Das Bergdorf Artenara war unser erstes Ziel.
Wir freuten uns schon auf eine super schöne Fahrt durch die kanarische Bergwelt. Doch leider war das Wetter dafür heute nicht ganz so ideal. Immer wieder zog der Himmel zu. Trotzdem erhaschten wir ab und an schöne Ausblicke.
Noch hofften wir auf Wetterbesserung.. Doch je höher wir kamen um so näher kamen uns auch die Wolken.
Lediglich für einen kurzen Moment konnten wir noch einmal einen Blick auf Gáldar erhaschen. Schon hinter der nächsten Kurve war die Landschaft in eine dicke Wolkenschicht gehüllt.
Das war schon mehr als enttäuschend. Nur ab und an konnten wir wenigstens etwas die schöne Landschaft erahnen.
Trotzdem möchten wir euch diese Eindrücke nicht vorenthalten.
Und je höher wir kamen, um so mehr hofften wir auf Durchblick.
Kurz vor Artenara war es dann endlich so weit: Die fluffigen Nebelwolken begannen sich langsam aufzulösen. Also hielten wir erst einmal an diesem Aussichtspunkt an. Der Blick von hier war schon wirklich beeindruckend.
Allerdings war es hier oben auch ziemlich kühl, sodass wir erst einmal in unsere Fleecejacken schlüpften. Unser Auto ließen wir anschließend gleich am Ortseingang stehen.
Danach suchten wir die erste Bar auf, um uns bei einem Cortado wieder etwas aufzuwärmen.
Artenara
liegt auf einer Höhe von etwa 1.270 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit einer der höchstgelegenen Orte auf Gran Canaria.
Lt. unserem Reiseführer sollten wir von hier aus spektakuläre Ausblicke auf die umliegende Landschaft und die beeindruckenden Bergformationen der Insel erleben. Wir waren gespannt.
Vor dieser sagenhafen Aussicht trafen wir auf die
Iglesia de San Matias
Schon von außen besticht diese ehemalige Einsiedelei aus dem Jahr 1630 durch ihre klare Architektur, die auch durch den späteren modernen Anbau nichts von ihrer Schönheit verloren hat.
Nachdem die Einsiedelei in Vergessenheit geraten war und dem Verfall überlassen blieb, beschloss man 1870, an dieser Stelle eine Kirche zu errichten. Die heutige Kirche besteht aus drei Schiffen und wurde Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Türme vollendet.
Da die Kirchepforte geöffnet war, beschlossen wir sie zu besichtigen.
Erwartet hatten wir im Inneren eine einfache Bauernkirche. Da hatten wir uns aber so etwas von getäuscht.
Diese kleine Bergkirche kann sich wirklich sehen lassen.
Wie wir später erfuhren, wurde die Innendekoration in den 1960er-Jahren gestaltet. Besonders hervorzuheben sind die Wandmalereien im Presbyterium und in den Seitenkapellen. Sie stammen vom Maler José Arencibia Gil und zeigen biblische Szenen wie die Himmelfahrt Jesu, die Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel sowie den Propheten Elia, der in einem Feuerwagen in den Himmel gebracht wird. Diese Gemälde gehören zu den letzten Werken des Künstlers, der 1968 verstarb, bevor er sie vollständig vollenden konnte.
Hätten wir diese Informationen vorher gelesen, hätten wir uns sicher etwas aufmerksamer in der Kirche umgeschaut. So waren wir wohl ein wenig banausig und standen nach ein paar Fotos schon wieder draußen, um lieber die schöne Aussicht zu genießen.
Und was wir hier sahen, konnte sich wirklich sehen lassen. Der Ausblick war schlicht atemberaubend.
Allein für diese Aussicht hatte sich die Fahrt hierher schon gelohnt. Da wir auf dem Weg nach oben noch mitten in dicken Wolken und Nebelbänken unterwegs gewesen waren, hatten wir mit einem solchen Panorama überhaupt nicht mehr gerechnet. Umso größer war unsere Freude.
Gabi genoss in der Zwischenzeit die Aussicht an der Seite ihres neuen Freundes.
Auf dem Weg zum Höhlenmuseum erhaschten wir einen Blick auf den Roque Nublo. Zu diesem beeindruckenden Monolithen wollten wir in den nächsten Tagen ebenfalls noch aufsteigen.
Jetzt war aber erst einmal das Museum an der Reihe.
Museo Casas Cuevas
Im Museum angekommen, wurden wir sehr herzlich empfangen. Erstaunt erfuhren wir, dass dieses kleine Kleinod sogar kostenfrei zu besichtigen ist.
Eine nette Mitarbeiterin drückte uns ein laminiertes Infoblatt auf Deutsch in die Hand und bat uns, es beim Hinausgehen einfach wieder auf den Tisch zu legen.
Doch bevor wir uns dem Innren der Höhlen widmeten, schauten wir uns im Außenbereich um und genossen erneut die schönen Aussichten
















Das ethnografische Museum liegt in einer alten Höhlenwohnung, die wahrscheinlich bereits von den prähispanischer Bewohnern dieses Ortes benutzt worden ist. Die Höhle wurde 1962 von Santiago Aranda erworben, der sie wieder bewohnbar machte und dabei die Charakteristiken eines typischen traditionellen Wohnraums des Dorfes beibehielt. Nach ihrem Erwerb machte die Gemeindeverwaltung ein Museum für heimische Ethnografie daraus.
Der Innenraum ist mit sehr typischem Mobiliar ausgestattet. In ihren Unterkünften findet man Eisenbetten mit Überwürfen aus heimischem Handwerk, Kästen aus Zedernholz und Kienspan, Stühle und Hocker in strengen Linien sowie weitere Einzelheiten mit dem eigentümlichen ethnografischen Charakter der rustikalen Wohnungen des Ortes. Die repräsentativsten Berufe von Artenara werden hier ausgestellt.
Ein einzigartiger Raum, geschaffen, um uns an den Wert und die Schönheit des einfachen Lebens zu erinnern. Ein Ort, der nette Erinnerungen erwecken und uns zurückgeben will, der aber auch daran erinnern will, dass man ohne so viele materielle, manchmal überflüssige Dinge leben kann.
Geöffnet ist das Museum jeden Tag des Jahres von 11:30 bis 16:00h, der Zutritt ist völlig kostenlos.
Nach dieser Info sollten wir uns mal das Innere der Höhlen anschauen. Was für ein herrlicher Ort. Wir konnten uns kaum trennen.

















Noch ein letzter Blick über die Blumentöpfe……
……dachten wir,
aber da hatten wir die Rechnung ohne die anderen schönen Höhlenbahausungen gemacht.
Auf dem Weg zu unserem Auto kamen wir an einigen Höhlenhäusern vorbei. Doch die Höhlenwohnungen waren nicht das Einzige, was uns hier in Erstaunen versetzte. Besonders beeindruckte uns die kleine, in den Felsen gehauene
Eremita de la Cuevita
Etwa 500 Meter vom Ortszentrum von Artenara entfernt befindet sich die in den Felsen gehauene Einsiedelei der Virgen de la Cuevita. Diese kleine Höhlenkapelle ist der Schutzpatronin der Folkloregruppen und Radfahrer Gran Canarias gewidmet.
Die verehrte Marienfigur stammt vermutlich aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Sie zeigt die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, beide mit Königskronen dargestellt. Im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle durch weitere Ausgrabungen im Felsen vergrößert.
Bis heute ist die Ermita ein wichtiger Wallfahrtsort. Jedes Jahr im August wird die Statue in einer feierlichen Prozession zur Kirche San Matías gebracht und später wieder zurück in ihre Höhlenkapelle begleitet.
Wir waren so erstaunt, als wir diese alte Einsiedelei entdeckten, dass wir uns – obwohl die Tür offen stand – nicht einmal hineinzugehen trauten und lediglich ein Foto von der Tür aus machten.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie verblüfft wir waren, als kurz darauf eine Frau ganz selbstverständlich die Kapelle betrat, noch ein paar Blumen arrangierte, kurz betete und anschließend wieder verschwand. 😄😄😄
Wir waren immer noch so erstaunt, dass wir auch danach nicht in den Kirchenraum hineingegangen sind.
Vom kleinen Vorplatz der Einsiedelei aus hat man außerdem wieder einen fantastischen Blick auf die herrliche Bergwelt von Gran Canaria.
Eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt schon viel weiter sein, aber hier war es einfach zu schön. Das lag nicht nur an der tollen Aussicht und dem inzwischen recht freundlichen Wetter, sondern auch an der üppigen Vegetation und den liebevoll hergerichteten Höhlenhäusern.
Da wir uns inzwischen mal wieder ganz schön verdaddelt hatten, verzichteten wir heute auf ein Mittagessen und fuhren lieber weiter zu unserem nächsten Tagesziel. Schließlich wollten wir uns noch etwas die Füße vertreten – und wo könnte man das besser als in einem herrlichen Lorbeerwald? Diesmal sollte es klappen.
Wir waren nämlich bereits am Samstag auf dem Weg hierher gewesen, doch in Moya wurden wir nur im Kreis geführt. Alle Straßen, die zum Lorbeerwald führten, waren gesperrt. In der Touristeninformation in Las Palmas de Gran Canaria versicherte man uns allerdings, dass diese Sperrung nur an diesem einen Tag gegolten hätte. Wir waren also gespannt.
Doch zunächst standen wir – kurz hinter Artenara – wieder einmal vor einer dichten Nebelwand. Das waren ja heute echte Wetterkapriolen.
Keine 15 Minuten später hatte sich dieses gruselige Wetter zum Glück schon wieder verzogen. Wir folgten einer schmalen Straße über die Berghügel.
Wenn ich an dieser Stelle schon gewusst hätte, dass ich wenig später auf einer dieser schmalen Bergstraßen am Hang und mitten in einer Kurve rückwärtsfahren müsste, wäre ich vermutlich umgekehrt. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich davon noch nichts.
Natürlich haben wir auch dieses kleine Abenteuer überlebt und erreichten schließlich – mit ein paar Schweißperlen auf der Stirn –
Los Tilos de Moya
Die kleine Schlucht liegt im Naturschutzgebiet Reserva Natural Especial de Los Tilos de Moya. Dieses Gebiet wurde eingerichtet, um das letzte Stück Lorbeerwald auf Gran Canaria vor der Abholzung zu schützen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen zwar nicht – und genau das stellte sich im Nachhinein auch als ganz passend heraus. Wer dieses kleine Naturgebiet mit den großen Lorbeerwäldern auf Teneriffa oder La Gomera vergleichen möchte, könnte sonst schnell enttäuscht sein.
Wir parkten am Naturschutzzentrum und machten uns von dort aus zu Fuß auf den Weg
Nach wenigen Metern entlang der parkenden Autos überquerten wir die Straße – und schon befanden wir uns mitten im Lorbeerwald.
Es war wohl eine gute Idee, den Pfad von dieser Seite zu beginnen, denn so entfernt man sich schnell von der nahegelegenen Straße. Hier entdeckten wir dann auch recht früh diesen fleißigen Kerl.
Der weitere Weg konnte sich auch sehen lassen.
Obwohl der Weg recht kurz ist, hat er doch einiges zu bieten und damit meine ich nicht die kleine Höhle entlang des Weges sondern die prächtige Vegetation.
Nach knapp einer Stunde konnten wir schon wieder das Besucherzentrum des kleinen Nationalparks und die dort parkenden Autos erkennen. Von hier aus war es nur noch ein kurzes Stück bis zum Ende unserer Wanderung.
Gegen 16:00 Uhr waren wir wieder an unserem Auto. Inzwischen hatten wir ordentlich Hunger, denn außer ein paar Müsliriegeln gab es heute Mittag nichts zu essen.
Da Moya nicht nur für sein Kunsthandwerk, sondern auch für seine hervorragenden Bäckereien bekannt ist, beschlossen wir, umgehend eine davon aufzusuchen.
Vorher gibt es jedoch noch einen kleinen Stadtbummel zu sehen.
Moya
Ab jetzt hatten wir Zeit für das Wesentliche.
Kaffee und Kuchen waren wirklich mega lecker. Leider haben wir vergessen, den Namen der sehr gut besuchten Konditorei zu notieren – aber ich bin mir sicher, dass ich sie wiederfinden würde.
Nach dieser Stärkung wurde es dann langsam Zeit für die Rückfahrt. Vorher schauten wir uns jedoch noch kurz die mächtige Schlucht an, auf der Moya thront.
Leider wirkt sie auf dem Foto nicht halb so imposant, wie sie in Wirklichkeit ist.
Gegen 18:00 Uhr erreichten wir wieder unser Hotel in Agaete.
Da das Wetter heute endlich einmal mitspielte, enterten wir unsere Dachterrasse und genehmigten uns einen Tinto de Verano.
Es war wirklich schade, dass es an den meisten Abenden dafür einfach zu kühl gewesen war. Umso schöner, dass es wenigstens am letzten Abend noch geklappt hat.
Und die Aussicht von hier oben konnte sich wirklich sehen lassen.
Mit diesen rosa Wölkchen im Herzen verabschiedeten wir uns von Agaete. Am nächsten Tag würden wir unsere Reise in Richtung Süden fortsetzen.
















