2. Tag

Dienstag, 28. April 2026 - Syrakus

Gegenwart und Vergangenheit

Syrakus zum Zweiten!

Schon bei der Einfahrt in die Stadt war mir am Vortag dieser ungewöhnliche Turm aufgefallen. Sollte das tatsächlich eine Kirche sein? Dieser Frage wollte ich heute auf den Grund gehen.

Gleich am Morgen machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Das Gebäude – tatsächlich eine Kirche – schien nicht weit von meiner Ferienwohnung entfernt zu sein. Doch der erste Eindruck täuschte. Die Perspektive hatte die Entfernung deutlich kürzer wirken lassen, sodass der Spaziergang am Ende länger ausfiel als erwartet.

Santuario della Madonna delle Lacrime

Das auffällige Santuario della Madonna delle Lacrime wurde zwischen 1966 und 1994 erbaut. Sein markanter, 103 Meter hoher Betonturm erinnert an einen riesigen Tropfen – eine Anspielung auf die Tränen der Madonna. Anlass für den Bau war ein außergewöhnliches Ereignis im Jahr 1953: Eine kleine Marienfigur aus Gips soll in Syrakus mehrere Tage lang Tränen vergossen haben. Nachdem das Phänomen untersucht worden war, erkannte die katholische Kirche es als Wunder an. Seither pilgern jedes Jahr zahlreiche Gläubige nach Syrakus.

Ja, diese Wallfahrtskirche ist schon beeindruckend – und ganz anders als die historischen Kirchen, die man sonst in Syrakus findet

Hier ein paar Fakten: 

  • Bauzeit: 1966–1994
  • Höhe: Der markante Turm ist 103 Meter hoch und gehört zu den höchsten Kirchen Italiens.
  • Architektur: Das Gebäude besteht aus Stahlbeton und hat die Form eines riesigen Tropfens – als Symbol für die Tränen der Madonna.
  • Anlass für den Bau: Die Kirche erinnert an das sogenannte Tränenwunder von Syrakus. Im Jahr 1953 soll eine kleine Marienfigur aus Gips in einem Wohnhaus mehrere Tage lang Tränen vergossen haben.
  • Kirchliche Anerkennung: Nach Untersuchungen erkannte die katholische Kirche das Ereignis als glaubwürdig an. Seitdem ist Syrakus ein bedeutender Wallfahrtsort.
  • Im Inneren: In der Kirche wird die Marienfigur aufbewahrt, der das Wunder zugeschrieben wird. Der Innenraum ist sehr hell, schlicht und bietet Platz für mehrere tausend Gläubige.
  • Besonderheit: Das moderne Heiligtum bildet einen starken Kontrast zu den antiken und barocken Bauwerken von Syrakus und ist schon von weitem sichtbar.

Mein Plan für den restlichen Tag war eigentlich ganz entspannt: den Hop-on-Hop-off-Bus nehmen und mich fahren lassen. Leider hatte ich die Rechnung ohne die Haltestellen gemacht. Die nächste lag ausgerechnet fast wieder bei meiner Ferienwohnung. Also durfte ich erst einmal einen ordentlichen Umweg zu Fuß in Kauf nehmen.

Der Umweg hatte schließlich doch noch sein Gutes. Diese beiden hübschen Kätzchen stellten sich ganz selbstverständlich als Fotomodelle zur Verfügung.

Im Bus ergatterte ich einen luftigen Fensterplatz und ließ mich erst einmal von den Informationen aus dem Audioguide berieseln.

Am Monumento ai Caduti d’Africa

legte der Bus eine etwa fünfminütige Pause ein. Die Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Ich stieg kurz aus, um das Monument und die herrliche Küstenlandschaft zu fotografieren.

Auf der weiteren Fahrt fielen mir noch eine interessante Kirche und eine Höhlenanlage ins Auge. Die Kirche landete auf meiner Merkliste, die Höhlen hingegen betrachtete ich nur aus dem Bus. Man kann schließlich nicht alles auf einer Reise schaffen.

Kurz darauf erreichten wir mein eigentliches Tagesziel: den

Parco Archeologico della Neapolis

Der Fahrplan sah hier eine Pause von 30 Minuten vor. Da konnte ich nur schmunzeln. Für eine so bedeutende Sehenswürdigkeit reichte diese Zeit höchstens für einen Sprint – aber ganz sicher nicht für eine Besichtigung in meinem Tempo.  

Der Parco Archeologico della Neapolis zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Siziliens und gehört zum UNESCO-Welterbe. Hier befinden sich die wichtigsten Monumente des antiken Syrakus auf engem Raum. Dazu gehören das imposante Griechische Theater, das noch heute für Aufführungen genutzt wird, das Römische Amphitheater, der monumentale Altar Hierons II. sowie die ehemaligen Steinbrüche, die sogenannten Latomien. Zu ihnen gehört auch die berühmte Höhle Orecchio di Dionisio, die durch ihre außergewöhnliche Form und Akustik weltbekannt wurde.

Wer den Park in Ruhe erkunden möchte, sollte mindestens zwei bis vier Stunden einplanen. Zwischen den antiken Bauwerken, den Felsformationen und den schattigen Grünanlagen gibt es schließlich weit mehr zu entdecken, als man zunächst vermuten würde.

Praktische Informationen

🎟 Eintritt: Erwachsene zahlen derzeit 19 €. Für EU-Bürger zwischen 18 und 25 Jahren gilt ein ermäßigter Preis von 9,50 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

🎫 Tickets: Eintrittskarten gibt es direkt an der Kasse am Haupteingang oder vorab online. Gerade in der Hauptsaison empfiehlt sich der Online-Kauf, um Wartezeiten zu vermeiden.

🕒 Öffnungszeiten: Der Park ist täglich geöffnet. Im Sommer in der Regel von 8:30 bis 19:30 Uhr, wobei die Kasse etwa eine Stunde vor Schließung schließt. Außerhalb der Sommermonate gelten teilweise kürzere Öffnungszeiten.

Rund zwei Stunden war ich im Park unterwegs. Eigentlich hätte ich noch viel länger bleiben können. Doch irgendwann meldete sich mein Magen unüberhörbar zu Wort und machte deutlich, dass jetzt erst einmal Essen wichtiger war als weitere Ruinen. 😄

Gleich zu Anfang gelangt man zum

Altar Hierons II

Der Altar wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. unter König Hieron II. errichtet und diente den großen öffentlichen Opferzeremonien zu Ehren des Zeus. Mit einer Länge von rund 198 Metern gilt er als der größte bekannte Opferaltar der griechischen Antike. Der Überlieferung nach konnten dabei bis zu 450 Stiere gleichzeitig geopfert werden. Heute sind zwar nur noch die Grundmauern erhalten, doch die schiere Größe der Anlage lässt erahnen, welch gewaltige Dimensionen sie einst hatte.

Betreten darf man die Anlage übrigens nicht. Mein Foto entstand deshalb durch den Zaun. Und ich gebe ganz offen zu: Hätte ich die Informationen nicht gelesen, wäre ich im Leben nicht darauf gekommen, dass diese Mauerreste einmal der größte Opferaltar der griechischen Antike gewesen sein sollen. Manchmal braucht es eben ein bisschen Hintergrundwissen, um Ruinen richtig einordnen zu können. 😄

Ab hier verzweigen sich die Wege im Park. Ich entschied mich zunächst für den Anstieg in den oberen Bereich des archäologischen Geländes. Dort befinden sich die alten Steinbrüche und das Griechische Theater.

Zunächst kommt man an einem markanten Gebäude vorbei: der Casetta dei Mugnai. Das kleine Haus stammt vermutlich aus dem späten 16. Jahrhundert und diente einst den Müllern, die die Wassermühlen oberhalb des Griechischen Theaters betrieben.

Kurz darauf fällt der Blick auf die alten Steinbrüche. Auf den ersten Blick wirken die in den Fels gehauenen Öffnungen fast wie Wohnhöhlen – erst mit etwas Hintergrundwissen erkennt man, dass hier einst riesige Steinmengen für die antiken Bauwerke von Syrakus gewonnen wurden.

Wieder einmal faszinierte mich, wie sich unzählige kleine Pflanzen ihren Weg durch die felsige Landschaft bahnten. Obwohl hier zahlreiche Touristen und sogar mehrere Schulklassen unterwegs waren, schien die Natur die Oberhand behalten zu haben.

Aber genug geschwärmt – werfen wir nun einen Blick auf das wirklich beeindruckende Griechische Theater.

Teatro Greco

Das Griechische Theater ist das Herzstück des archäologischen Parks. Es wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. direkt in den Fels gehauen und zählt zu den größten Theateranlagen der griechischen Antike. Noch heute finden hier jedes Frühjahr Aufführungen antiker Dramen statt – eine Tradition, die bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreicht.

Wie ihr seht, waren die Vorbereitungen für die bevorstehenden Aufführungen bereits in vollem Gange. Das war zwar spannend zu sehen, hatte aber auch seine Schattenseite. Die hölzernen Aufbauten verdeckten einen Großteil des eigentlichen Theaters, sodass seine beeindruckenden Dimensionen nur noch zu erahnen waren. Das fand ich ehrlich gesagt etwas schade. Zum Glück entschädigte der herrliche Blick über die Landschaft zumindest ein wenig dafür.

Genug Theater – im wahrsten Sinne des Wortes. 😉 Nun wollte ich den unteren Teil der Anlage erkunden, den ich zuvor links liegen gelassen hatte. Meine Hoffnung war, dass die Schulklassen und Touristengruppen inzwischen den Weg nach oben eingeschlagen hatten.

Wie man auf dem Foto gut erkennen kann, kam mir gerade eine große Reisegruppe entgegen. Selten habe ich mich so über eine Reisegruppe gefreut. Denn wenn sie nach oben lief, bedeutete das für mich, dass es unten hoffentlich etwas ruhiger zuging. Man wird im Urlaub eben bescheiden. 😄

Inzwischen hatte ich die

Latomia del Paradiso

erreicht. Mein Plan schien tatsächlich aufzugehen. Anfangs hatte ich diesen paradiesischen Garten fast für mich allein.

Dass dieser Zustand nicht von Dauer sein würde, war mir allerdings schnell klar. In der Ferne waren bereits die ersten Schülergruppen zu hören. Ihr fröhliches Stimmengewirr kam unaufhaltsam näher – mein Zeitfenster der Ruhe war also begrenzt. 😄

So sehr ich die Ruhe dieser grünen Oase auch genoss – wenn ich noch etwas von der Latomia sehen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als den Schülergruppen hinterherzulaufen. Frei nach dem Motto: Wo der Lärm ist, muss auch etwas zu sehen sein. 😄

Tatsächlich führte mich die Geräuschkulisse zuerst zur

Grotta dei Cordari

Die Grotta dei Cordari verdankt ihren Namen den Seilmachern, die hier bis ins 19. Jahrhundert arbeiteten. Das gleichmäßig feuchte Klima bot ideale Bedingungen für die Herstellung von Seilen. Heute beeindruckt die riesige Höhle vor allem durch ihre gewaltigen Felswände und die besondere Atmosphäre – kaum zu glauben, dass dieser Ort einst ein Steinbruch und später eine Werkstatt war.

Ursprünglich wurde hier Kalkstein für den Bau des antiken Syrakus gewonnen. Erst viele Jahrhunderte später nutzten Seilmacher die Höhle als Arbeitsplatz, weshalb sie heute ihren Namen trägt. Das macht die Grotta dei Cordari zu einem schönen Beispiel dafür, wie sich die Nutzung solcher Orte im Laufe der Geschichte verändert hat.

Ach ja, ich hatte tatsächlich richtig gezockt. Während ich in der Grotte unterwegs war, waren die Schulklassen weitergezogen. Timing ist eben manchmal alles. 😄

Dass dieser Plan bei meinem letzten Besichtigungspunkt in diesem paradiesischen Garten nicht aufgehen würde, war mir allerdings von Anfang an klar. Die Orecchio di Dionisio war schließlich der unangefochtene Star der Anlage – und damit auch das erklärte Lieblingsziel sämtlicher Schulklassen.

Orecchio di Dionisio („Ohr des Dionysios“)

Das berühmte „Ohr des Dionysios“ ist eine rund 23 Meter hohe und etwa 65 Meter tiefe künstliche Höhle, die beim Kalksteinabbau entstand. Ihren Namen erhielt sie von dem Maler Caravaggio, der ihre Form an ein menschliches Ohr erinnerte. Berühmt ist sie vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Akustik. Der Legende nach soll der Tyrann Dionysios I. hier Gefangene belauscht haben, da selbst leise Stimmen in der Höhle erstaunlich gut verstärkt werden.

Im Orecchio di Dionisio herrscht selten Stille. Die fantastische Akustik verleitet die Lehrkräfte regelmäßig dazu, ihre Schulklassen zu kleinen Lautstärke-Experimenten zu animieren. 🙂

Damit ihr euch das vorstellen könnt, habe ich ein kurzes Video gedreht. Und lasst euch gesagt sein: Das war noch eine der leiseren Vorführungen. Ich möchte nicht wissen, was hier an einem richtig vollen Tag los ist. 😄

Während ich erneut durch den schönen grünen Tunnel Richtung Ausgang schlenderte, war ich gedanklich eigentlich schon beim Mittagessen. Vor meinem inneren Auge dampfte bereits ein Teller Spaghetti. Schließlich war ich überzeugt, den gesamten Park bereits erkundet zu haben.

Kurz vor dem Ausgang entdeckte ich dann jedoch ein Tor, hinter dem sich der Weg plötzlich fortsetzte. Na toll – gerade als ich dachte, fertig zu sein. 😄 Natürlich konnte ich meiner Neugier nicht widerstehen und folgte dem Weg. Wenige Minuten später stand ich überraschend vor dem

Anfiteatro Romano

Das Römische Amphitheater entstand im 3. Jahrhundert n. Chr. und zählt zu den größten Amphitheatern Siziliens. Anders als das ältere Griechische Theater diente es nicht Schauspielaufführungen, sondern Gladiatorenkämpfen, Tierhetzen und anderen öffentlichen Veranstaltungen. Große Teile der Arena wurden direkt aus dem Fels herausgearbeitet. Im Zentrum sind noch heute die unterirdischen Gänge zu erkennen, durch die Tiere und Kulissen in die Arena gelangten.

Überraschend war für mich vor allem, wie versteckt das Amphitheater am Rand des Parks liegt. Gerade deshalb wirkte es deutlich ruhiger als das Griechische Theater und konnte seine ganz eigene Atmosphäre entfalten. Rückblickend war dieser Teil der Anlage für mich sogar das Highlight meines Besuchs.

Geschafft! Endlich war es Zeit für das, woran ich seit einer gefühlten Ewigkeit gedacht hatte. 😄 Auf den Tisch kamen ein frischer Tomatensalat und Spaghetti con le Sarde. Und ja – es war genauso lecker, wie es aussah!

Nach der ausgiebigen Mittagspause machte ich mich auf den Weg zur nächstgelegenen Hop-on-Hop-off-Haltestelle. Mein Ziel war die hübsche kleine Kirche, an der ich am Morgen bereits vorbeigefahren war und die meine Neugier geweckt hatte.

San Giovanni alle Catacombe

Die Basilica di San Giovanni alle Catacombe ist vor allem wegen ihrer weitläufigen Katakomben bekannt, die zu den größten frühchristlichen Katakombenanlagen Italiens gehören. Besichtigt werden können sie allerdings nur im Rahmen einer Führung.

Die Kirche selbst war bei meinem Besuch leider geschlossen. Da ich ohnehin keine Lust auf eine Gruppenführung durch die Katakomben hatte, begnügte ich mich damit, das Gelände von außen zu erkunden.

Anschließend setzte ich meine Rundfahrt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus fort. Meine Tour endete schließlich an der wunderschönen

Fontana di Diana

Hier ließ ich den Tag ganz entspannt bei einem Becher Eis und einer leckeren Margarita ausklingen. Dabei beobachtete ich das bunte Treiben rund um die Fontana di Diana – ein perfekter Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.

Die Fontana di Diana ist ein monumentaler Brunnen auf der Piazza Archimede im historischen Stadtteil Ortigia von Syrakus. Sie wurde zwischen 1906 und 1907 von Giulio Moschetti gemeinsam mit seinem Sohn Mario in Stahlbeton geschaffen und verbindet Stadtgestaltung mit griechischer Mythologie.

Im Zentrum steht die Göttin Diana (Artemis) mit Bogen und Hund. Zu ihren Füßen liegt die Nymphe Arethusa, die der Sage nach in eine Quelle verwandelt wurde, um sie vor dem Flussgott Alpheus zu schützen. Tritonen, Seepferde und weitere Meereswesen ergänzen die Szene und verweisen auf die enge Verbindung der Stadt zum Meer.

Auf dem anschließenden Heimweg zückte ich noch öfter meine Kamera – das warme Licht des frühen Abends tauchte Ortigia in eine ganz besondere Stimmung. Die Gassen, Plätze und Fassaden wirkten fast verzaubert. Diese Eindrücke möchte ich euch nicht vorenthalten.