Die Route - Nach Tagen aufgeteilt
3. Tag
Dienstag, 29. April 2026 - Syrakus
Stadtflucht
Heute wollte ich einmal raus aus der Stadt. Nicht allzu weit außerhalb von Syrakus sollen Flamingos leben, die ich unbedingt vor die Linse bekommen wollte.
Schon kurz vor neun erreichte ich den Abzweig zu dem Gebiet – allerdings war der Weg wegen Bauarbeiten gesperrt. Also blieb nur eine Alternative: ein Stück weiterfahren und nach einer anderen Zufahrt suchen. Tatsächlich entdeckte ich wenig später einen weiteren Abzweig. Zwar gab es keine Beschilderung, aber ein paar geparkte Autos ließen hoffen, dass ich richtig war.
Ich stellte mein Auto ab und wurde direkt von einem Mann angesprochen, der mir freundlich den Weg zu den Flamingos erklärte. Laut ihm sollte der Fußweg etwa 10 bis 20 Minuten dauern. Am Ende war es vermutlich etwas mehr, doch die ruhige, schöne Landschaft machte den kleinen Umweg schnell wieder wett.
Riserva di Vendicari
Schließlich erreichte ich den Eingang zur Riserva di Vendicari. Nachdem ich den kleinen Eintritt (3,50 €) bezahlt hatte, ging es auf den Naturpfaden in das Schutzgebiet.
Immer wieder kreuzten kleine Echsen meinen Weg. Sobald ich ihnen zu nahe kam, huschten sie blitzschnell ins Gebüsch.
Es war noch früh am Morgen, kurz nach neun, und dementsprechend herrschte eine wunderbare Ruhe. Nur vereinzelt begegnete ich anderen Besuchern. Der Weg schlängelte sich durch Schilfflächen und vorbei an flachen Lagunen – perfekte Bedingungen, um die Natur zu genießen und mit etwas Glück die ersten Flamingos zu entdecken.
Dann entdeckte ich endlich die ersten Flamingos. Leider waren sie noch recht weit entfernt. Ich hoffte, auf dem weiteren Weg einen besseren Platz zu finden, um sie beobachten und fotografieren zu können.
Keine 50 Meter weiter entdeckte ich eine Beobachtungshütte. Von hier aus war ich den hübschen Vögeln zwar deutlich näher, doch ausgerechnet jetzt hatten sie beschlossen, ein Nickerchen einzulegen. Fast alle steckten ihre Köpfe unter die Flügel – das war wirklich Pech!
So schnell wollte ich mich allerdings nicht geschlagen geben. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Weg, der mich näher an den kleinen See heranführen würde. Als ich einen Abzweig mit einer geöffneten Schranke entdeckte, deutete ich das kurzerhand als Einladung und bog einfach mal ab. Nach etwa 50 Metern verließ ich den Weg und kämpfte mich ein Stück durchs Gebüsch. Die Mühe hat sich gelohnt – was ich von dort aus zu sehen bekam, habe ich in einer kleinen Fotoshow festgehalten.










Lange wollte ich die Flamingos natürlich nicht stören. Es war einfach ein großartiger Moment! Ich hätte nie gedacht, dass ich ihnen einmal so nah kommen würde. Mit einem seligen Grinsen im Gesicht machte ich mich schließlich auf den Rückweg.
Kurz bevor ich die Schranke erreichte, traf ich auf einige Arbeiter. Offensichtlich waren sie nicht gerade begeistert, dass ich ausgerechnet von dort zurückkam. Also setzte ich mein freundlichstes Lächeln auf, grüßte mit einem fröhlichen „Buongiorno“ – und prompt mussten auch sie schmunzeln. Genau solche kleinen, unerwarteten Begegnungen sind es, die einen Urlaub so besonders machen und einem noch lange in Erinnerung bleiben.
Ich muss wohl nichtbetonen, dass die Schranke hinter mir wieder geschlossen wurde. 😉
Der weitere Weg führte durch eine von Wildblumen geprägte Landschaft. Zwischen dem Gestrüpp huschten immer wieder kleine Echsen davon, bevor sich der Blick schließlich auf einen steinigen Strandabschnitt öffnete.
Mein Weg führte mich anschließend zur alten
Tonnara di Vendicari
einer ehemaligen Thunfischfabrik direkt am Meer. Von der einstigen Anlage sind heute noch die steinernen Mauern, die hohen Pfeiler und weitere Gebäude erhalten. Zwischen dem 18. Jahrhundert und der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde hier Thunfisch verarbeitet, bevor die Fabrik endgültig aufgegeben wurde.
Doch die Tonnara ist nicht das einzige Zeugnis vergangener Zeiten. Gleich daneben erhebt sich der
Torre Sveva
ein mittelalterlicher Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, der einst zum Schutz der Küste und zur Beobachtung möglicher Angriffe diente. Diesen erblickte ich als erstes, als ich um die Ecke schlenderte. Auch die alten Gebäude der Fischer und die Überreste der Salinen erzählen von einer Zeit, in der das Leben hier stark vom Meer geprägt war.
Heute wirkt das gesamte Gelände fast wie aus der Zeit gefallen. Zwischen den alten Mauern, dem rauen Küstenabschnitt und der wilden Natur der Riserva di Vendicari entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Während früher hier Menschen arbeiteten, haben inzwischen die Vögel und die Natur diesen beeindruckenden Ort zurückerobert.
Da ich hier nicht zum Baden bleiben wollte, machte ich mich langsam auf den Rückweg. Schließlich hatte ich für heute noch einiges vor. Unterwegs staunte ich allerdings nicht schlecht, als mir eine riesige Schülergruppe entgegenkam. Schnell zückte ich noch einmal die Kamera und hielt den Moment fest.
Da wurde mir erst bewusst, was für ein Glück ich mit meinem frühen Besuch gehabt hatte. Oder, um es mit einem bekannten Sprichwort zu sagen: Der frühe Vogel fängt den Wurm. lach
Es war schon faszinierend, dass der Vulkan selbst vom Rollfeld aus noch so gut zu erkennen war.
Der Flugkapitän hatte beim Abflug also nicht zu viel versprochen – wir waren bestens in der Zeit. Meine Vorfreude stieg von Minute zu Minute. Jetzt musste ich nur noch die Autovermietung finden, die sich laut Buchungsunterlagen direkt im Flughafenterminal befinden sollte.
Wie sich herausstellte, stimmte das jedoch nicht. Um zur Station zu gelangen, musste ich das Terminal verlassen und knapp einen Kilometer zu Fuß zurücklegen. Der Weg führte an Baustellen vorbei, über allerlei Absätze, die für meinen Rollkoffer alles andere als ideal waren, und durch Engstellen ohne Bürgersteig. Zu allem Überfluss trug die Autovermietung vor Ort nicht einmal den Namen, der auf meinem Voucher angegeben war. Nur durch mehrmaliges Nachfragen fand ich schließlich die richtige Adresse.
Doch damit war die Geduldsprobe noch nicht vorbei. Bis überhaupt ein Mitarbeiter am Schalter erschien, verging eine gefühlte Ewigkeit.
Nachdem ich sämtliche Versuche abgewehrt hatte, mir zusätzliche Versicherungen zu verkaufen, ging es endlich zum Auto. Dort fotografierte ein Mitarbeiter den Wagen einmal rundherum, drückte mir den Schlüssel in die Hand – und verschwand.
Es dauerte noch einen Moment, bis ich Sitz und Spiegel eingestellt hatte. Gegen 10:30 Uhr rollte ich schließlich vom Parkplatz. Endlich konnte mein Sizilien-Abenteuer beginnen.
Die Fahrt zu meiner ersten Unterkunft, einer kleinen Ferienwohnung unweit der Altstadt von Syrakus, verlief erstaunlich ereignislos. So entspannt hatte ich mir den sizilianischen Straßenverkehr ehrlich gesagt nicht vorgestellt.
An meinem Ziel angekommen, wartete gleich die nächste positive Überraschung auf mich: Direkt vor dem Haus war ein Parkplatz frei. Nun musste ich nur noch die Adresse ausfindig machen, an der der Schlüssel für die Wohnung hinterlegt war.
Das erwies sich allerdings als schwieriger als gedacht. Die angegebene Hausnummer war nirgends zu entdecken. Also fragte ich kurzerhand in einer Bar nach. Dort wurde mir sofort geholfen. Die Inhaberin kannte meine Vermieterin sogar persönlich und rief sie kurzerhand an, um zu klären, wo sich der Wohnungsschlüssel befand.
Nachdem das Rätsel gelöst war, bezahlte ich meinen Espresso und machte mich wieder auf den Weg. Der Schlüssel wartete in einer Fahrradwerkstatt auf mich. Der Mitarbeiter dort begnügte sich jedoch nicht damit, ihn mir auszuhändigen, sondern brachte mich persönlich bis zur Wohnung.
Was für ein netter Service! Schon nach den ersten Stunden war ich von Sizilien und der Herzlichkeit seiner Bewohner begeistert. Wenn der Rest der Reise ähnlich verlief, konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Viel zu neugierig auf all das, was mich auf dieser Reise erwarten würde, machte ich mich, kaum dass die Koffer in der Wohnung standen, sofort auf den Weg in das historische Zentrum von Syrakus nach
Ortigia
Doch da hatte ich die Rechnung ohne meinen Magen gemacht. Es war bereits nach 13 Uhr, und seit dem Aufstehen um 4:30 Uhr hatte ich kaum etwas gegessen. Bevor es weiterging, musste also erst einmal eine Stärkung her.
Die Leckerei im Vordergrund nennt sich Arancino und gehört zu den bekanntesten Spezialitäten Siziliens. Die frittierten Reisbällchen werden mit den unterschiedlichsten Zutaten gefüllt. Meine Wahl fiel auf Käse und Aubergine – eine hervorragende Entscheidung.
Zusammen mit einem alkoholfreien Bier war das genau das Richtige. 🍺😋
Mit gefülltem Magen und neuer Energie machte ich mich schließlich daran, die Altstadt von Syrakus zu erkunden.
Bereits die ersten Eindrücke begeisterten mich, obwohl ich Ortigia noch gar nicht betreten hatte. Als ich kurz vor dem Foro Siracusano dann auch noch ein Tuk-Tuk entdeckte, musste ich schmunzeln. Irgendwie passte das perfekt zu diesem gelungenen Start.
Bislang stimmte einfach alles: Das Essen war lecker, die Temperaturen angenehm, die Atmosphäre entspannt und es gab schon nach wenigen Stunden mehr zu entdecken, als ich erwartet hatte. Bessere Voraussetzungen für einen gelungenen Urlaub konnte ich mir kaum wünschen.
Foro Siracusano
Die Überreste des antiken Forums von Syrakus. Heute wirkt die Anlage eher wie ein winziger archäologischer Park mit einigen Ausgrabungen und Grünflächen als wie ein klassisches Forum in Rom.
Es machte großen Spaß, durch die alten, schmalen Gassen von Ortigia zu schlendern. Hinter jeder Ecke gab es etwas Neues zu entdecken, und die besondere Atmosphäre der Altstadt zog mich immer mehr in ihren Bann.
Irgendwann erreichte ich den Domplatz. Schon damals wusste man offenbar, bedeutenden Kirchen den passenden Rahmen zu geben. Der Platz strahlte eine besondere Eleganz aus, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Alles wirkte harmonisch, großzügig und irgendwie nobel.
Dabei hatte ich den Dom noch gar nicht betreten.
Kathedrale Santa Maria delle Colonne
So, genug von außen gestaunt – werfen wir nun einen Blick ins Innere.
Bevor es soweit ist, muss allerdings noch ein kleiner Obolus von 2 Euro entrichtet werden. Im Vergleich zu den Kathedralen in Spanien, für die oft 5 Euro verlangt werden, ist das ausgesprochen günstig.
Der Dom von Syrakus ist ein architektonisches Unikat. Er wurde auf den Resten eines antiken Athenetempels errichtet und vereint bis heute antike, byzantinische, normannische und barocke Baustile unter einem Dach.
Die zweite Kirche auf dem Domplatz war leider heute geschlossen.
Santa Lucia alla Badia
Wirklich enttäuscht war ich über die geschlossene Kirche nicht. Immerhin hatte ich heute bereits eine Kirche von innen gesehen – mein Tagesziel war also erreicht. lach
Stattdessen schlenderte ich noch etwas um den Dom herum und erkundete die Umgebung. Das macht mir ohnehin meist mehr Spaß als der Besuch weiterer Gotteshäuser.
Ortigia ist eine kleine Insel, die über zwei Brücken mit Syrakus verbunden ist. Deshalb ist das Meer hier nie weit entfernt. Zeit also, die engen Gassen hinter mir zu lassen und den Blick über das tiefblaue Wasser und die kleinen Strände schweifen zu lassen.
Bei diesem herrlichen Wetter war dort natürlich schon einiges los. Trotzdem strahlte alles eine wunderbar entspannte Urlaubsatmosphäre aus.
Ehe ich mich versah, stand ich vor dem
Castello Maniace
Leider war die Festung zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, sodass ich sie nur von außen bewundern konnte. Auch in den folgenden Tagen ergab sich keine Gelegenheit mehr für einen Besuch. So musste ich mich mit den Außenansichten begnügen.
Für mein Gefühl hatte ich jetzt genug Kultur getankt. Es wurde eindeutig Zeit für ein Eis.
Eine Gelateria war schnell gefunden, und wie bestellt wurde auch noch ein Tisch frei. Meinem ersten Eis auf Sizilien stand also nichts mehr im Wege.
Beweisfotos gibt es allerdings keine. Irgendwie war das Eis schneller aufgegessen, als ich daran gedacht habe, die Kamera zu zücken. 🍨😄
Das frühe Aufstehen heute steckte mir so langsam in den Knochen. Alt würde ich heute nicht mehr werden. Und noch stand ja ein ganz schöner Rückweg für mich auf dem Programm. Für diesen wurde es so langsam Zeit. Ich beschloss diesmal direkt am Wasser entlang zu laufen. Eine Gute Entscheidung, denn hier gab es wirklich sehr schöne Ausblicke und tolle Gummibäume zu sehen.




















































