4. Tag

Donnerstag, 30. April 2026 - Syrakus - Ragusa

Ein Trödelliesentag

Gestern habe ich offenbar alles richtig gemacht. 😄 Statt gleich Richtung Ragusa in die Berge zu fahren, hielt ich mich zunächst an die Küste. Und wo landete ich nach einem kleinen Dreherle? Direkt auf dem Friedhof! 😂

Das war mal wieder typisch ich – an barocken Engeln komme ich einfach nicht vorbei. 😄

Um kurz nach 10:00 Uhr erreichte ich schließlich meinen ersten geplanten Halt des Tages. Die etwas verwirrende Parksituation hatte mich zwar kurz irritiert, doch letztendlich war auch dieses kleine Problem schnell gelöst. Jetzt konnte ich endlich den Ort erkunden, auf den ich mich schon gefreut hatte:

Marzamemi

Bei meiner Ankunft gab das Wetter ja nicht sehr viel her, aber das änderte sich im Laufe des Vormittags.

Schon nach den ersten Schritten war klar: Marzamemi ist kein Ort mit großen Sehenswürdigkeiten, sondern einer zum Bummeln, Baden und Genießen. Hat man erst einmal die historische Tonnara hinter sich gelassen, gelangt man zur malerischen Piazza Regina Margherita. Rund um den Platz laden kleine Restaurants und Cafés zum Verweilen ein, während im nahen Hafen bunte Fischerboote sanft auf den Wellen schaukeln.

Anfangs schlenderte ich noch etwas ziellos rund um die Piazza. Als sich die Sonne dann endlich richtig zeigte, ging mein Fotografinnenherz auf. Plötzlich wirkte alles viel lebendiger und stimmungsvoller. Schaut selbst!

Die schlichten Natursteinhäuser rund um die Piazza entstanden im Zusammenhang mit der historischen Tonnara. Hier lebten und arbeiteten über viele Generationen die Fischer und ihre Familien. Heute erinnern die restaurierten Gebäude an diese Zeit und bilden zusammen mit der Piazza das Herz von Marzamemi.

Bei der großen Auswahl an Restaurants fiel mir die Entscheidung wirklich schwer. Am Ende zog es mich in ein kleines Restaurant mit Blick auf den Fischereihafen. Die Wahl hätte kaum besser sein können: Der gegrillte Thunfisch mit marinierten roten Zwiebeln war nicht nur wunderschön angerichtet, sondern auch unglaublich lecker. Mit diesem Ausblick auf die kleine Bucht schmeckte das Essen gleich doppelt so gut. Für mich war das Entspannung pur. 😋

So langsam wurde es Zeit, weiterzufahren. Nach dieser entspannten Mittagspause verließ ich das Gelände rund um die ehemalige Thunfischfabrik und schlenderte zurück in Richtung Parkplatz. Inzwischen schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, die Geschäfte hatten geöffnet und der kleine Ort wirkte gleich viel lebendiger und freundlicher als noch am Vormittag.

Vielleicht war es die entspannte Atmosphäre, die mich dazu brachte, noch einmal um die Ecke zu laufen. Was ich dort entdeckte, versetzte mich wirklich in Erstaunen: Auch hier lebten Flamingos! Wie klasse war das denn? Natürlich zückte ich sofort meine Kamera und machte mich auf die Suche nach dem besten Standort rund um den kleinen See.

Noch ganz beseelt von diesen Eindrücken spazierte ich weiter zum Strand. Inzwischen war die Sonne endgültig herausgekommen und tauchte den kleinen Küstenort in ein wunderschönes Licht. Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, wäre ich hier nur zu gerne noch ein wenig geblieben.

Szenenwechsel! Inzwischen hatte ich wieder die Küstenstraße erreicht und trödelte gemütlich vor mich hin, als mir plötzlich ein ungewöhnliches Gebäude ins Auge stach. Klar, dass ich daran nicht einfach vorbeifahren konnte. Das musste unbedingt näher unter die Lupe – beziehungsweise vor die Kamera – genommen werden. Wie gut, dass sich direkt hinter der Kurve ein perfektes Dreherle anbot. Breites Grinsen im Gesicht – manchmal meint es der Reisegott einfach gut mit mir. 😁

Mit seinen Türmen und Zinnen hätte ich das Gebäude eher in einem Märchen als an der sizilianischen Küste vermutet. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Castello Tafuri keine mittelalterliche Burg, sondern eine zwischen 1933 und 1935 erbaute Sommerresidenz im romantischen Burgstil. Heute beherbergt das direkt am Meer gelegene Gebäude ein kleines Hotel. Für mich war es vor allem eines: eine völlig unerwartete Entdeckung am Wegesrand und natürlich ein wunderbares Fotomotiv.

Von hier aus war es nicht mehr weit bis zum

Faro di Cozzo Spadaro

Der strahlend weiße Leuchtturm bildet einen schönen Kontrast zum tiefblauen Meer und der kargen Küstenlandschaft. Seit mehr als 140 Jahren weist er den Schiffen den Weg durch die Straße von Sizilien und zählt noch heute zu den aktiven Leuchttürmen der italienischen Küstenwache.

Getreu dem Motto: „Wer A sagt, muss auch B sagen“, entschloss ich mich, noch bis zum südlichsten Zipfel der Insel weiterzufahren. Am Ende der Stichstraße zum Strand mit der Skulptur erwartete mich allerdings ein gebührenpflichtiger Parkplatz. Ups, darauf hatte ich nun wirklich keine Lust – schließlich wollte ich nur ein paar Fotos machen.

Nun ja, als ich dort ankam, war weit und breit niemand zu sehen. Also stellte ich mein Auto kurzerhand ab und spazierte nur mit meinem Handy hinunter zum Strand.

So wirklich vom Hocker gehauen hat mich dieser Ort allerdings nicht. Außerdem war die Skulptur gerade ziemlich umlagert. Deshalb gibt es diesmal nur ein kleines Knipsi aus der Ferne. 😁

Mein Fazit: Ganz nett (nice to see), aber sicherlich kein Ort, für den ich einen größeren Umweg in Kauf nehmen würde.

Kurz darauf fand ich mich mitten im Frühlingsblüten-Wunderland wieder. Die Googeline hatte mich über eine enge Straße geleitet. Ehrlich gesagt begeistern mich solche Wege meist nur mäßig. Diesmal war das allerdings ganz anders. Es war einfach wunderschön hier! Auf der einen Seite leuchtete eine bunte Blumenwiese, auf der anderen warteten fotogene Strohballen darauf, von mir entdeckt zu werden.

Natürlich musste ich hier kurz anhalten. Die vorbeifahrenden Autos mussten zwar schon ein wenig rangieren, um an mir vorbeizukommen, aber die Sizilianer sind herrlich tiefenentspannt. Statt genervter Blicke erntete ich nur freundliches Lächeln. Genau solche kleinen, ungeplanten Momente machen für mich den Zauber einer Reise aus.

Bitte entschuldigt das Gewusel auf den Fotos. Es war einfach unglaublich windig und die Blüten tanzten ununterbrochen vor meiner Linse herum. Mir ist schon klar, dass die Bilder dadurch etwas wuschig geworden sind, aber diesen wunderschönen Frühlingseindruck wollte ich unbedingt festhalten – wenn nicht perfekt auf den Fotos, dann ganz sicher in meinem Herzen. 😊

Der nächste ungeplante, aber dafür umso schönere Quicky wartete bereits auf mich. Nur ein kurzer Zwischenstopp, der mich völlig unerwartet begeistern sollte – und zwar in

Scicli

Leider lief mir so langsam die Zeit davon und ich musste mich sputen. Deshalb gibt es diesmal nur wenige Eindrücke dieser entzückenden kleinen Barockstadt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies nicht mein letzter Besuch in Scicli gewesen ist. 😊

Praktischerweise befand sich direkt unterhalb meines Fotopunktes ein kostenfreier Parkplatz. Besser hätte es kaum sein können. Von hier aus machte ich mich auf den Weg, Scicli zumindest ein kleines bisschen kennenzulernen.

Die kleine Stadt schmiegte sich nicht nur an den Berg, sondern baute sogar in den Berg Höhlenwohnungen. Damit hatte ich auf Sizilien nicht gerechnet. Höhlenwohnungen kannte ich bisher lediglich aus den USA und Spanien. 

Hinter der nächsten Kurve stand ich plötzlich direkt vor der Kirche, deren Kuppel mich schon von Weitem zum Anhalten verführt hatte.

Chiesa di San Bartolomeo

Von außen schon sehr beeindruckend, konnte ich natürlich nicht anders, als hineinzugehen. Im Inneren erwartete mich – wie schon von außen – herrliche barocke Pracht. Kein Wunder, dass die Chiesa di San Bartolomeo zu den bedeutendsten Barockkirchen Sciclis zählt. Sie wurde nach dem Erdbeben von 1693 wiederaufgebaut und begeistert mit ihrem prächtigen Innenraum, kunstvollen Stuckarbeiten und einem beeindruckenden Hochaltar.

Hinter der Kirche wurde die Schlucht, in der ich mich befand, etwas breiter. Die hübschen Seitengassen und Treppen, die hinauf in die Oberstadt führten, konnte ich diesmal leider nur von unten bewundern. Die Zeit war einfach zu knapp.

Also schlenderte ich weiter, um wenigstens noch ein wenig mehr von Scicli in mich aufzusaugen. Mein kleiner Spaziergang endete schließlich auf der Piazza vor der Chiesa Madre di Sant’Ignazio di Loyola.

Schade, aber inzwischen war es schon fast 17:00 Uhr und ich musste ja noch weiter. Der Check-in in meinem B&B war nur bis 18:00 Uhr möglich und bis Ragusa lag noch ein gutes Stück Weg vor mir. Also machte ich mich schweren Herzens auf den Rückweg.

Bis dahin könnt ihr mich auf meinem restlichen Spaziergang durch Scicli begleiten.

Die Anfahrt auf Ragusa war der absolute HAMMER! Die tief stehende Sonne tauchte die Stadt in ein warmes, goldenes Licht und ließ die Häuser am Felsen regelrecht leuchten. Am liebsten hätte ich alle paar Meter angehalten, um diesen Anblick festzuhalten. Leider war daran überhaupt nicht zu denken. Die Straße war einfach viel zu schmal und bot nicht die kleinste Möglichkeit für einen Fotostopp.

Ich kam schließlich keine Minute zu spät an meinem B&B an. Nanni begegnete meiner leichten Hektik mit sizilianischer Gelassenheit und meinte nur: „Va tutto bene, sei in tempo.“ (Alles ist gut, du bist rechtzeitig.) Einen Parkplatz hatte er mir sogar mit seinem eigenen Auto freigehalten. Was für ein Service!

Und dann der erste Blick von meinem Balkon … In diesem Moment wusste ich: Ich hatte heute wirklich alles richtig gemacht! 😊

Wie ihr euch sicher denken könnt, hielt ich mich nicht lange in meinem Zimmer auf. Nanni versorgte mich noch mit einigen Tipps für ein Abendessen mit Aussicht und schon zog es mich wieder hinaus. Nach diesem ereignisreichen Tag musste es allerdings keine große Wanderung mehr sein. Sein erster Tipp klang daher perfekt: eine Aussichtsterrasse mit Blick auf Ragusa. Folgt mir! 😊

Zum Abschluss gibt es nur noch ein paar Impressionen vom nächtlichen Ragusa.

Buonanotte