10. Tag

Mittwoch, 6. Mai 2026 - Taormina - Aetna - Catania

Hoch hinauf!

Juhu, heute war es endlich so weit: Ich würde dem Gipfel des Ätna ein gutes Stück näher kommen. Darauf hatte ich mich schon seit dem ersten Moment gefreut, als ich ihn beim Anflug auf Sizilien aus dem Flugzeugfenster entdeckt hatte.

Mein Ziel war der Parkplatz an der Gondelstation. Von dort aus wollte ich allerdings nicht weiter hinauf, sondern mir ganz in Ruhe die kleineren Krater direkt am Parkplatz anschauen.

Besonders gespannt war ich auf die Fahrt dorthin, denn ich hoffte, entlang der Strecke immer wieder schöne Ausblicke auf den Ätna zu erhaschen.

 

Vorher hieß es allerdings erst einmal: Koffer packen und frühstücken. Dabei gab mir heute der Hausherr die Ehre. Wahrscheinlich hoffte er auf die eine oder andere Leckerei, aber da hatte er bei mir leider Pech. Diesen Blick kenne ich schließlich nur zu gut von meinen beiden Monstern zu Hause.

Manchmal dauert eben alles etwas länger als gedacht. So war es schließlich schon fast 10 Uhr, als ich das B&B verließ. Durch eine kleine Unaufmerksamkeit schaffte es die Gockeline dann auch noch, mich in die Pampa zu schicken. Eigentlich war von Anfang an klar, dass diese Richtung kaum zu meinem heutigen Ziel führen konnte. Zum Glück fand ich irgendwo im Nirgendwo eine Möglichkeit zu wenden. Das hatte unnötig Zeit, Energie und ein paar Nerven gekostet.

Kein Wunder also, dass sich etwa eine Stunde später ein dringendes Bedürfnis meldete. Dabei entdeckte ich eine kleine Bäckerei. Wie praktisch! So konnte ich nicht nur das eine erledigen, sondern mir auch gleich noch eine Kleinigkeit für die Mittagspause besorgen. Ganz nebenbei gab es noch ein paar Impressionen aus einer ganz normalen sizilianischen Kleinstadt.

Kurz darauf zeigte sich der Ätna zum ersten Mal. Natürlich musste ich sofort anhalten. Ganz verzückt zückte ich mein Handy und genoss den Anblick dieses gewaltigen Vulkans von seiner Nordflanke aus.

Erster Blick auf den Aetna

Um kurz vor 12 Uhr erreichte ich das

Rifugio Ragabo

Eigentlich wollte ich hier nur eine kurze Kaffeepause einlegen und vielleicht noch ein wenig durch den Wald spazieren, um mir die Beine zu vertreten. Als ich aus dem Auto stieg, fielen mir jedoch einige Wandergruppen auf, die mit Sicherheitshelmen auf dem Kopf im Wald verschwanden.

Neugierig wie ich nun einmal bin, folgte ich ihnen. Nach allem, was ich zuvor gelesen und gehört hatte, sollten sich dort nämlich mehrere Lavahöhlen befinden.

Der Weg führte mich durch einen wunderschönen Mischwald. Zwischen den hohen Bäumen hatte ich die Lavahöhlen längst wieder aus den Augen verloren. Umso überraschter war ich, als plötzlich riesige Lavabrocken vor mir auftauchten.

Neugierig kletterte ich ein wenig auf den erstarrten Lavamassen herum. Von dort oben boten sich immer wieder schöne Ausblicke. Ein Hinweisschild erklärte schließlich, dass die Lava vermutlich bei einem Ausbruch im 12. Jahrhundert entstanden war.

Erst auf dem Rückweg erinnerten mich Stimmen wieder an die Lavahöhlen. Kurz darauf entdeckte ich auch eine Gruppe mit Schutzhelmen, die durch den Wald lief. Ehe ich mich versah, stand ich am oberen Ausgang einer dieser Höhlen.

Da ich auf meinen Reisen bereits einige Lavahöhlen besichtigt hatte, genügte mir diesmal ein Blick von oben.

Nach einem Cappuccino im Rifugio setzte ich meine Fahrt Richtung Ätna fort.

Der nächste kurze Stopp ließ nicht lange auf sich warten: die Rote Bank.

Dieser Aussichtspunkt besticht vor allem durch seinen ersten fantastischen Blick auf den Ätna. Ich könnte mir gut vorstellen, dass in der Vergangenheit so mancher Autofahrer wegen dieses Ausblicks spontan auf die Bremse getreten ist. Vielleicht hat man sich auch genau deshalb entschlossen, hier einen kleinen Aussichtspunkt einzurichten. Mich hätte es jedenfalls nicht gewundert.

Doch auch die Aussicht in die andere Richtung war beeindruckend.

Auf der weiteren Fahrt änderte sich die Landschaft beinahe im Minutentakt. Eben noch stand ich an der Roten Bank auf einem Aussichtspunkt, nur wenige Minuten später führte die Straße durch einen kleinen Kiefernwald. Langsam führte mich die Straße einmal um den Vulkan herum – jede Kurve brachte eine neue Landschaft hervor.

Weitere 20 Minuten später fuhr ich plötzlich in eine dichte Nebelwand. Faszinierend! Während die Nebelschwaden lautlos über die Landschaft zogen, suchte ich nach einer Möglichkeit anzuhalten, um diese besondere Stimmung mit allen Sinnen – und natürlich auch mit meiner Kamera – einzufangen.

Kaum war ich aus dem Nebel raus, blickte ich auf eine ganz andere Seite des Ätnas. Ich war so perpleck, dass ich nach einem kurzen Blick in den Rückspiegel, erst einmal mitten auf der Straße anhielt um zu fotografieren. 

Ich bin noch immer hin und weg, wenn ich mir diese Fotos anschaue. Dieser erste Blick war wirklich unglaublich.

Ach ja, noch ein kleiner Hinweis: Ihr müsst für diesen Ausblick nicht auf der Straße anhalten. Nur wenige Meter weiter gibt es einen ganz normalen Halteplatz, von dem aus auch das nächste Foto entstanden ist. Rückblickend war das ohnehin der bessere Standort.

Eine knappe halbe Stunde später erreichte ich das Plateau der Gondelstation. Den Aufstieg zum Ätna hatte ich von vornherein ausgeschlossen. Ab etwa 2.300 Metern Höhe bekomme ich leider Probleme mit der Höhenkrankheit. Deshalb hatte ich mir vorgenommen, stattdessen die Silvestri-Krater zu erkunden – ein Tipp, den ich vor meiner Reise im Internet gefunden hatte.

Silvestri-Krater

Die Silvestri-Krater entstanden beim Ausbruch des Ätna im Jahr 1892 und sind nach dem Geologen und Vulkanologen Orazio Silvestri benannt. Sie liegen auf rund 1.900 Metern Höhe direkt unterhalb der Gondelstation am Rifugio Sapienza.

Für den Zugang zu den Kratern wurden bei meinem Besuch 5 € Eintritt verlangt. Mein Auto hatte ich kostenlos direkt neben einem der beiden Restaurants geparkt. Von dort aus waren es nur noch wenige Schritte bis zum Kassenhäuschen und dem Eingang zu den Kratern.

Wie man auf meinen Fotos gut erkennen kann, war an den Silvestri-Kratern noch relativ wenig los. Es herrschte eine angenehm entspannte Atmosphäre. Die tiefschwarze Vulkanlandschaft mit ihren rot schimmernden Kratern war beeindruckend, und auch die Aussicht konnte sich sehen lassen. Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier oben sicher kilometerweit.

Nach einer guten Dreiviertelstunde war ich bereits wieder am Kassenhäuschen. Inzwischen hatten sich dort allerdings zwei Reisebusse eingefunden. Da war ich wohl mal wieder genau zur richtigen Zeit unterwegs gewesen, denn von einem Moment auf den anderen wurde es deutlich voller.

Ich gönnte mir stattdessen einen Kaffee auf der Terrasse und beobachtete mit Staunen, wie ein ganzer Corso kleiner roter Sportwagen auf den Parkplatz rollte. Dieses Spektakel wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Blick auf das gegenüber liegende SB-Restaurant

Durch die Autorallye war heute irgendwie alles anders als sonst. Die Parkplätze an der Gondelstation waren größtenteils von den Rallyefahrzeugen belegt. Alle anderen – mich eingeschlossen – parkten einfach dort, wo noch ein Plätzchen frei war.

Ferrari-Rallye

Um mir das Spektakel aus der Nähe anzuschauen, stellte ich meinen kleinen Huckel kurzerhand auf dem gegenüberliegenden Busparkplatz ab. Die roten Flitzer standen inzwischen fein säuberlich in Reih und Glied. Ich glaube, heute nahm das niemand so genau. In der Hauptsaison dürfte das allerdings ganz anders aussehen.

Da die Ausfahrt am Parkplatz wegen der Ferrari-Rallye gesperrt war, lotste mich die Gockeline auf demselben Weg zurück, auf dem ich gekommen war. Das war zwar etwas schade, schließlich kannte ich diesen Streckenabschnitt bereits, aber eine andere Möglichkeit gab es nicht.

Nach etwa einer Stunde erreichte ich Catania – und gleichzeitig auch die Rushhour. Der Verkehr war wirklich heftig. Wieder einmal staunte ich darüber, wie rücksichtsvoll die Sizilianer selbst im dichten Stadtverkehr miteinander umgehen. Es wurde kaum gehupt, niemand drängelte, und Fahrzeuge aus den Seitenstraßen wurden ganz selbstverständlich eingefädelt.

Gefühlt ging es anschließend durch unzählige Kreisverkehre, bis ich schließlich meine Ferienwohnung am Rande der Altstadt erreichte. Dort wartete bereits ein netter Helfer der Vermieterin auf mich. Er half mir nicht nur bei der Parkplatzsuche, sondern trug auch meinen Koffer in den ersten Stock. Ein wirklich toller Service!

Nachdem ich mein Gepäck verstaut und mich etwas frisch gemacht hatte, ging ich erst einmal auf die Straße, um meine Vorräte aufzufüllen. Inzwischen fehlte es wirklich an allem. So wanderten Wasser, frische Erdbeeren vom Obststand und noch einige andere Kleinigkeiten in mein Feriendomizil.

Nachdem die Verpflegung gesichert war, machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Altstadt von Catania.

Folgt mir auf meinen ersten Weg durch

Catania

Wie ihr unschwer erkennen könnt, war das Ziel meiner Begierde erst einmal eine der bekanntesten Pizzerien Catanias. Auf einen Besuch bei L’Antica Pizzeria da Michele Catania hatte ich mich schon seit Wochen gefreut. Und was soll ich sagen? Die Pizza war genauso lecker, wie sie aussah.

Außerdem gefiel mir Catania – allen Unkenrufen zum Trotz – auf Anhieb richtig gut. Die Stadt wirkte auf mich viel authentischer und weniger geschniegelt als beispielsweise Taormina. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass sich alles nur um den Tourismus dreht.

Als ich die Pizzeria wieder verließ, begann es bereits zu dämmern. Nach und nach gingen die ersten Lichter an und verliehen der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.

Regelrecht magisch angezogen wurde ich von den Lichtern rund um die Kathedrale von Catania.

Cattedrale di Sant’Agata

Da es bereits nach 20 Uhr war, ging ich eigentlich davon aus, dass die Kathedrale bald schließen würde. Da hatte ich allerdings die Rechnung ohne die fleißigen Sizilianer gemacht. Der Security-Mitarbeiter am Eingang erklärte mir, dass die Kathedrale sogar noch bis 22 Uhr geöffnet sei. Der Besuch war allerdings kostenpflichtig.

Kurzerhand ging ich zur Kasse und erkundigte mich nach dem Eintrittspreis. Dort stellte sich heraus, dass es ein Kombiticket gab, mit dem ich nicht nur die Kathedrale, sondern auch noch rund sieben weitere Kirchen sowie eine Zisterne besichtigen konnte. Na, wer kann da schon Nein sagen? Ich jedenfalls nicht! Außerdem sah die Kathedrale im Abendlicht einfach wunderschön aus.

Bevor wir die Kathedrale betreten, genießen wir erst einmal die Piazza del Duomo im Abendlicht.

Jetzt wird es aber langsam Zeit für das Innere der Kathedrale. 

Die Cattedrale di Sant’Agata ist das religiöse Herz Catanias und der Schutzpatronin der Stadt, der heiligen Agatha, geweiht. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 wurde sie im prachtvollen sizilianischen Barockstil wieder aufgebaut. Die imposante Fassade stammt von dem Architekten Giovanni Battista Vaccarini.

Im Inneren befinden sich unter anderem das Grab des berühmten Komponisten Vincenzo Bellini, die Kapelle mit den Reliquien der heiligen Agatha sowie der gläserne Schrein mit dem einbalsamierten Leichnam von Kardinal Giuseppe Benedetto Dusmet. Der ehemalige Erzbischof von Catania (1818–1894) wurde wegen seines selbstlosen Einsatzes für die Armen und während einer Choleraepidemie sehr verehrt und später seliggesprochen.

Der gläserne Schrein mit dem einbalsamierten Kardinal Giuseppe Benedetto Dusmet gehört für mich zu den ungewöhnlichsten und zugleich etwas gruseligsten Sehenswürdigkeiten der Kathedrale, weshalb ich ihn hier auch extra präsentieren möchte.

Jetzt folgt nur noch der Rückweg zu meiner Ferienwohnung. Der Weg führte mich durch eine sehr von Studenten belebte Straße. Die Atmosphäre hier gefiel mir sehr gut. Für heute hatte ich allerdings genug. 

Catania bei Nacht
Catania bei Nacht
freie Bücherecke in Catania

Einen wirklich allerletzten Eindruck von heute Abend möchte ich euch nicht vorenthalten.

Castello Ursino

Bei Nacht wurde es wunderschön angestrahlt.

Kaiser Friedrich II. ließ es im 13. Jahrhundert als Festung direkt am Meer errichten. Nach dem gewaltigen Ätna-Ausbruch von 1669 veränderten die Lavamassen die Landschaft so stark, dass die Burg heute rund einen Kilometer vom Meer entfernt liegt. Heute beherbergt sie das Stadtmuseum von Catania.

Leider war das Castello wegen Renovierungs-arbeiten derzeit für Besichtigungen geschlossen.