11. Tag

Donnerstag, 7. Mai 2026 - Catania

Catania lieben oder hassen

Über Catania gehen die Meinungen ja weit auseinander. Im Internet findet man viele positive, aber mindestens genauso viele negative Berichte. Ich wollte mich davon jedoch nicht beeinflussen lassen und bin deshalb – wie immer – ganz offen an die Stadt herangegangen.

Schon gestern hatten mich die entspannte Fahrweise der Sizilianer und die besondere Abendstimmung begeistert. Umso gespannter war ich, was mich heute erwarten würde.

Der Blick von meinem Balkon war jedenfalls schon einmal sehr vielversprechend.

Mein erster Weg am Morgen führte mich zum Fischmarkt. Natürlich war mir klar, dass ich für dieses Spektakel eigentlich schon etwas zu spät dran war – das erste Foto zeigt das ganz gut.

Trotzdem herrschte noch reges Treiben, auch wenn viele inzwischen eher zum Plaudern und Beobachten gekommen waren als zum Einkaufen.

Besonders ins Auge fiel mir eine Gruppe älterer Herren, die von ihrem erhöhten Logenplatz aus das bunte Treiben beobachteten. Ob es tatsächlich ehemalige Fischer waren, weiß ich natürlich nicht. In meiner Fantasie saßen dort jedenfalls ein paar alte Hasen, die ganz genau schauten, was die „Jugend“ heute so trieb.

Nach diesen Eindrücken brauchte ich erst einmal einen weiteren Cappu. Diesen genoss ich auf der Piazza del Duomo und konnte dabei herrlich beobachten, wie langsam die Touristenströme den Platz bevölkerten, während die Lieferfahrer noch versuchten, ihre Waren unterzubringen. Auch im Rathaus war schon richtig was los. Dort wurde offenbar gerade eine Besuchergruppe herumgeführt.

Ich hingegen überlegte bei meinem Cappu gemütlich meine nächsten Schritte und ließ das Treiben um mich herum einfach auf mich wirken.

Weil das Gute so nah lag, entschied ich mich als Nächstes für die Grotta della Cisterna, auch Terme Achilliane genannt. Ich musste dafür lediglich einmal über den Domplatz laufen. Der Eintritt war bereits in meinem Kombiticket enthalten, das ich am Vorabend im Dom gekauft hatte. Regulär kostet der Besuch 5 €. Offenbar war das für die meisten Besucher zu viel des Guten. So kam es, dass ich ganz allein in diesem unterirdischen Teil des antiken Catania unterwegs war.

Terme Achilliane

Wann genau die Therme entstand, darüber sind sich die Experten nicht ganz einig. Die einen datieren ihre Entstehung ins 3. Jahrhundert, die anderen ins 5. Jahrhundert n. Chr. Einst gehörten die Terme Achilliane zu einem wesentlich größeren römischen Thermenkomplex, von dem heute allerdings nur noch ein kleiner Teil besichtigt werden kann.

Über einen schmalen, unterirdischen Gang gelangt man in die große zentrale Halle, deren Gewölbe von vier mächtigen Pfeilern getragen wird. Auch Reste von Wasserbecken sowie des antiken Kanalisations- und Filtersystems sind noch zu erkennen. Das benötigte Wasser lieferte unter anderem der unterirdisch fließende Amenano.

Besonders spannend: Die Gewölbe waren ursprünglich mit aufwendigen Stuckarbeiten geschmückt. Darauf waren unter anderem kleine Figuren, Tiere und Weinranken mit Trauben dargestellt. Teile dieser antiken Dekoration befinden sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg.

Lasst euch von den vielen Fotos nicht täuschen: Die Therme ist tatsächlich recht klein. Ich fand sie trotzdem sehenswert – vor allem, weil ich sie ganz für mich allein hatte. Besonders interessant fand ich, dass schon damals Vulkangestein als Baumaterial verwendet wurde.

Genug Infos aus der Tiefe der Stadt. Mein nächster Besichtigungspunkt sollte mich nun in luftige Höhen führen. In meinem Reiseführer hatte ich gelesen, dass man vom Dach beziehungsweise der Aussichtsplattform der Badia di Sant’Agata einen fantastischen Blick über Catania haben soll.

Da auch diese Kirche in meinem Kombiticket enthalten war, machte ich mich auf den kurzen Weg dorthin. Viel Zeit musste ich dafür nicht einplanen, denn die Kirche liegt gerade einmal ca. 50 Meter von den Terme Achilliane entfernt.

Badia di Sant’Agata

Die Badia di Sant’Agata wurde nach dem Erdbeben von 1693 im Stil des sizilianischen Spätbarocks neu errichtet. Die geschwungene Fassade und die große Kuppel stammen vom berühmten Architekten Giovanni Battista Vaccarini.

Wie schon erwähnt, war für mich war aber weniger die Kirche selbst der Grund für den Besuch, sondern die Aussichtsplattform auf dem Dach. Von hier oben soll man einen fantastischen Blick über Catania haben. Ob sich der Aufstieg tatsächlich gelohnt hat, erfahrt ihr gleich. 😉

Vorher schauen wir uns aber noch das kunstvolle Portal, das Innere der Kirche und die Kuppel einmal aus der Nähe an.

Okay, das geht bestimmt schöner. Aber da ich viel zu gespannt auf die Aussicht war, gibt es von der Kirche selbst diesmal nur ein paar wenige Knipsies.

Schon beim ersten Ausblick war ich geflasht! Wahnsinn, wie majestätisch der Ätna über der Stadt thront.

Blick von der Aussichtsplattform der Badia die Sant'Agata

Diesen tollen Rundblick von der Aussichtsplattform sollte man sich bei einem Besuch in Catania auf keinen Fall entgehen lassen.

Noch ganz getragen von diesen wahnsinnig schönen Ausblicken stolperte ich regelrecht in eine kleine, aber feine Kunstausstellung im Palazzo della Cultura über die Pop-Art.

NEW YORK OTTANTA

Ein kleiner Streifzug durch die ’80er. 

Was für ein unerwartetes Erlebnis! Ich bin wirklich froh, dass ich diese interessante Ausstellung entdeckt habe. Aber nach so viel Kunst hatte ich jetzt richtig Lust, mich wieder ins bunte Stadtleben zu stürzen.

Ehe ich mich versah stand ich vorm Theater.

Teatro Massimo Bellini

Schon von außen ist das Teatro Massimo Bellini ein echter Hingucker. Das prächtige Opernhaus wurde nach dem berühmten, in Catania geborenen Komponisten Vincenzo Bellini benannt und 1890 mit seiner Oper Norma eröffnet. Die Fassade ist im Stil des französischen Eklektizismus gestaltet und entsprechend üppig dekoriert.

Ich hätte das Theater ja gerne von innen besichtigt, aber leider war dies nicht möglich. Also blieb mir nur der Blick von außen. Dafür genoss ich es umso mehr, dass ich den schönen Platz mit seinem Brunnen um die Mittagszeit fast für mich alleine hatte. Die Stadt wirkte wie ausgestorben. Solche Momente hat man in größeren, von Touristen besuchten Städten selten – daher muss man sie einfach genießen.

Hatte ich schon erwähnt, dass Catania etwas von einer Pralinenpackung hat? Irgendwie weiß man nie, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. So auch diesmal. Kaum war ich einmal um die Ecke gebogen, stand ich auch schon mitten im Graffiti-Wunderland. Wer mich kennt, weiß, dass Street Art und Graffiti mein Steckenpferd sind. Natürlich musste ich mich erst einmal ausgiebig austoben. Da müsst ihr jetzt durch 😉

Wer hätte das gedacht? Irgendwie scheint Catania fotogener zu sein als Taormina. Ehrlich, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich muss allerdings gestehen, dass ich Catania weitaus spannender fand. Taormina ist schön und geleckt, aber Catania hat Ecken und Kanten – und genau das macht die Stadt für mich so interessant.

Nur noch einmal zur Erinnerung: Durch Anklicken werden die Fotos fast alle größer! 😉

Was jetzt folgt, sind einfach ein paar Schnappschüsse quer durch die Stadt. Diese gemütliche Bar habe ich irgendwo in der Altstadt von Catania entdeckt. Netterweise durfte ich fotografieren, obwohl ich nichts konsumiert habe. 😉

Leider gab es hier nichts zu essen, sonst wäre ich vermutlich geblieben. Also zog ich weiter.

Bevor ich mich auf die Suche nach einem Mittagessen machte, lockte mich allerdings noch eine Kirche, die direkt auf meinem Weg lag.

 

Basilica della Collegiata

Die Basilica della Collegiata ist mir schon von außen aufgefallen. Sie wurde nach dem verheerenden Erdbeben von 1693 im sizilianischen Spätbarock neu errichtet. Besonders schön finde ich den Kontrast zwischen der hellen, reich verzierten Fassade und dem eher schlichten Umfeld. Natürlich musste ich auch einen Blick ins Innere werfen, bevor es für mich endlich weiter zum Mittagessen ging.

Kleiner Funfact: In der Basilica steht eine besonders prachtvolle Candelora (4. Foto). Diese monumentalen, von Gilden oder Bürgern gestifteten Kerzenträger wiegen oft mehrere Hundert Kilogramm und werden während der feierlichen Prozessionen im Februar unter dem Jubel der Gläubigen tanzend durch die Straßen von Catania getragen.

Das Besondere an dieser Candelora: Gegen einen kleinen Geldeinwurf kann man sie sogar in Bewegung setzen – allerdings bewegen sich natürlich nur die Figuren auf dem Aufbau. 😄

Noch etwas

Jugendstil to go

Ja, nur ein Handyknipsi, aber durchaus einen Blick wert.

An den Futterbuden „to go“ herrschte, da es gerade einmal 13:00 Uhr war, noch großer Andrang. Die Schlangen waren lang und alle Plätze besetzt. Wahrscheinlich war hier mal wieder so ein Internethype am Werk. Also schaute ich mich rund um den Fischmarkt nach einem Restaurant um, in dem ich noch ein Plätzchen ergattern konnte.

Irgendwie schien heute die Zeit still zu stehen. Ich onnte es kaum glauben als ich auf die Uhr schaute, dass es gerade einmal 14:00 Uhr durch war. Der halbe Tag lag quasi noch vor mir. 

Die leckeren Tagliatelle mit Meeresgetier gaben mir genug Energie um weiter auf Erkundungstour zu gehen. Hier erst einmal ein paar Impressionen:

So manchem Motiv muss man einfach etwas mehr Raum einräumen – und das nicht etwa, weil es besonders künstlerisch wertvoll ist, sondern weil es einen berührt. So wie das folgende Foto …

 

Abgebildet ist hier ein historischer Votivschrein mit Christus mit der Dornenkrone, der unter dem Torbogen der historischen Porta Uzeda zu finden ist. Er erinnert unter anderem an die Opfer der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und ist ihrem Gedenken gewidmet.

… und dann gibt es noch die Fotos, die einen einfach zum Schmunzeln bringen. So wie diese beiden – die lasse ich einfach mal ohne Kommentar stehen. 😉

Und natürlich darf bei meinem Streifzug durch Catania auch ein kleiner Kaffeestopp nicht fehlen. Im Caffè Toraldo gönnte ich mir eine Pause und beobachtete bei einem Espresso ein wenig das Treiben um mich herum.

INFO: Da das Caffè recht groß ist, kann man hier ganz gut auch mal die Toilette benutzen. 🤭

Als nächstes schlenderte ich in Richtung der 

Via dei Crociferi

Laut meinem Reiseführer gehört die Via dei Crociferi zu den schönsten Straßen Catanias. Auf kaum einem anderen kurzen Stück liegen so viele prachtvolle Barockkirchen und historische Gebäude dicht an dicht. Unterwegs kommt man unter anderem an der Chiesa di San Benedetto und der Chiesa di San Francesco Borgia vorbei.

Und tatsächlich: Die Straße ist schon ein ziemlich beeindruckendes Barock-Ensemble. Falls ihr euch wundert, dass es keinerlei Fotos vom Inneren der prächtigen Kirchen gibt: Sie waren allesamt geschlossen. Und wisst ihr was? Ich war darüber nicht einmal traurig. So schön der Barock auch ist – ich hatte so langsam FERTIG! 😉

Mein nächster und wohl auch letzter Weg an diesem Tage sollte mich in den Giardino Bellini bringen. 

Obststand in Catania
Spiegelung

Im Nachhinein betrachtet, war hier wohl eher der Weg das Ziel. Der eigentliche Garten und auch die Villa Bellini haben mich jetzt nicht unbedingt vom Hocker gehauen. Dafür gab es auf dem Hin- und Rückweg umso mehr zu entdecken.

Neben einer Ausgrabungsstätte stieß ich plötzlich auf eine Straße mit lauter Geschäften, die Karnevalsutensilien verkauften. Damit hatte ich hier nun wirklich überhaupt nicht gerechnet. Und als wäre das noch nicht genug, entdeckte ich wenig später weitere Straßen mit bunten Regenschirmen und einige interessante Graffitis.

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages landete ich in dem Alternativ-Viertel kurz vor meiner Ferienwohnung. Eigentlich wollte ich ja in ein Restaurant, das mir meine Vermieterin empfohlen hatte gehen, aber ich war einfach nicht hungrig genug und beließ es daher bei einer kleinen Portion Brushetta und einem leckeren Cocktail bei angenehmer Bluesmusik. Salute!