7. Tag

Sonntag, 3. Mai 2026 - Capo Rossello - Enna - Taormina

Zurück in den Nordosten

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Tag begann genauso schön, wie der letzte aufgehört hatte. Er sollte ihm in nichts nachstehen – und war trotzdem ganz anders als alle bisherigen Tage.

Ich liebe es einfach, mich auf Reisen auch einmal treiben zu lassen. Natürlich gibt es ein paar feste Programmpunkte, aber längst nicht jeder Tag ist bis ins kleinste Detail durchgeplant. Oft sind es gerade die spontanen Entscheidungen und ungeplanten Entdeckungen, die eine Reise für mich so besonders machen.

Genau so ein Tag wartete heute auf mich. Also kommt mit und lasst euch überraschen! 😊

Der Tag begann mit einer Tasse Kaffee in der Sonne, einem kleinen Katzenbesuch und einem kurzen Halt an der Scala dei Turchi. Anschließend hieß es: Abschied von der Küste und hinein ins grüne Herz Siziliens. Die Fahrt gen Enna verlief ganz entspannt und ohne besondere Vorkommnisse. Eine Möglichkeit zum Anhalten bot sich allerdings erst kurz unterhalb der Stadt.

Enna

Ich muss gestehen, dass ich von Enna vorher so gut wie nichts wusste. Irgendwie steht die Stadt bei vielen Sizilienreisenden eher im Schatten der bekannten Küstenorte. Dabei thront sie spektakulär auf einem Berg hoch über dem sizilianischen Hinterland und bietet traumhafte Ausblicke in alle Richtungen. Allein die Fahrt hinauf lohnt sich schon.

Ich hatte Enna als Zwischenstopp eingeplant, da ich keine Lust hatte, die lange Strecke nach Taormina nonstop zu fahren. Außerdem klang „höchstgelegene Provinzhauptstadt Siziliens“ doch irgendwie spannend.

Ich entschied mich, am Castello di Lombardia nach einem Parkplatz zu suchen. Eine gute Entscheidung! Vor 10:00 Uhr bekam ich hier noch problemlos einen Parkplatz. Und der Blick von dort oben war einfach nur GENIAL!

Was mich sofort begeisterte, war die unglaubliche Weite. Hier oben fühlt man sich tatsächlich ein wenig wie auf dem Dach Siziliens. Der Blick schweift über grüne Hügel, Felder und kleine Dörfer, die wie eine Miniaturlandschaft in der Ferne wirken. Kaum zu glauben, dass ich mich immer noch auf derselben Insel befand, auf der ich wenige Tage zuvor an traumhaften Sandstränden entlangspaziert war.

Vom Parkplatz au hatte man einen unglaublichen Blick auf das mittelalterliche Städchen Calascibetta

Der Blick auf den Ätna war auch nicht zu verachten.

Der Blick zurück machte neugierig auf das was noch kommen würde. Hier schaute man auf Enna.

Mein Weg führte mich zunächst entlang des Castello di Lombardia bis zum Aussichtspunkt auf die Rocca di Cerere. Ein kurzer Blick genügte, um festzustellen: Hier musste ich später unbedingt noch einmal vorbeischauen. Also hob ich mir dieses Highlight erst einmal für den Schluss auf.

Für den Moment war ich allerdings viel zu neugierig auf das, was noch vor mir lag.

Was mir in Enna sofort auffiel: Hier ticken die Uhren irgendwie etwas langsamer. Obwohl die Stadt hoch oben auf einem Berg thront und mit fantastischen Ausblicken punktet, war erstaunlich wenig los. Keine Reisegruppen, keine Schlangen vor Sehenswürdigkeiten und kein touristisches Gedränge. Genau mein Ding!

Enna überrascht aber nicht nur mit ihren fantastischen Ausblicken. Auch die Altstadt hat ihren ganz eigenen Charme. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in den bekannten Touristenhochburgen Siziliens. Statt Souvenirgeschäften im Minutentakt erwarten einen schmale Gassen, kleine Plätze und ein ganz entspanntes sizilianisches Alltagsleben. Genau das hat mir an Enna so gut gefallen.

Duomo di Enna

Cattedrale di Maria Santissima della Visitazione

Selbst der Dom wirkt von außen eher unspektakulär. Im Vergleich zu den prachtvollen Barockkirchen, die ich in den vergangenen Tagen besucht hatte, hält er sich fast schon vornehm zurück. Umso überraschter war ich beim Betreten des Inneren. Besonders die kunstvoll bemalte Kassettendecke und die reich verzierten Seitenkapellen machen den Dom zu einem echten Schmuckstück.

Wieder einmal zeigte sich: In Sizilien sollte man Kirchen niemals nur nach ihrer Fassade beurteilen. Ein kurzer Blick ins Innere lohnt sich fast immer.

Nachfolgend gibt es erst einmal einen Blick auf die Außenfassade, bevor wir uns dem beeindruckenden Innenraum dieses im 14. Jahrhundert erbauten Sakralbaus widmen.

Zeit, sich den Innenraum dieses Domes anzuschauen.

Unglaublich oder? Wer hätte so eine Pracht hinter dieser schlichten Fassade auch nur erahnt.

Gleich gegenüber des Doms steht hinter der beeindruckenden Statue von Giuseppe Mazzini eine nicht minder impossante Kirche.

Chiesa di San Michele Arcangelo

Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: Natürlich musste ich auch hier einen Blick hineinwerfen. In Sizilien habe ich längst gelernt, dass sich hinter den unscheinbarsten Kirchentüren oftmals kleine Schätze verbergen. Die Chiesa di San Michele Arcangelo bildete dabei keine Ausnahme. 😊

Okay, jetzt war es aber erst einmal aus mit Kirchen, schließlich wollte ich ja noch etwas durch die schönen schmalen Gassen streunern.

Enna ist übrigens die höchstgelegene Provinzhauptstadt Siziliens und liegt auf knapp 1.000 Metern Höhe. Das merkt man übrigens auch am Klima. Während es an der Küste im Sommer oftmals drückend heiß wird, weht hier oben häufig ein angenehmes Lüftchen. Kein Wunder also, dass die Stadt schon seit Jahrhunderten als beliebter Rückzugsort gilt.

Zum Abschluss meines Besuchs in Enna zog es mich noch hinauf zur

Rocca di Cerere

Nach all den schönen Eindrücken der Stadt wollte ich mir den berühmten Ausblick natürlich nicht entgehen lassen. 

Der Name Rocca di Cerere geht übrigens auf die römische Göttin Ceres (bei den Griechen Demeter) zurück. 

Ich muss gestehen, dass mich an diesem Ort weniger die Mythologie als vielmehr der fantastische Ausblick begeistert hat. Hier oben wird einem erst so richtig bewusst, warum Enna als Balkon beziehungsweise Belvedere Siziliens bezeichnet wird. Der Blick über die sanften grünen Hügel des Inselinneren ist einfach grandios. Genug der Worte! Lasst einfach den Blick über die Landschaft schweifen und genießt mit mir diesen wunderschönen Aussichtspunkt.

Jetzt musste ich mich aber langsam sputen. Schließlich wartete Taormina auf mich.

Lt. der Googeline sollte ich für die 160 km nach Taormina längstens zwei Stunden benötigen. Allerdings hatte sie die Rechnung ohne die schönen roten Felder gemacht, die mich bereits nach einer guten halben Stunde auf Abwege brachten.

Während ich so gemütlich über die Autobahn trödelte, entdeckte ich plötzlich diese roten Felder. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen! Zum Glück kam kurz darauf bereits eine Ausfahrt. Klar, dass ich sofort den Blinker setzte und die Autobahn verließ.

Es dauerte allerdings noch eine gefühlte kleine Ewigkeit – in Wirklichkeit waren es vermutlich nur ein paar Minuten –, bis ich endlich eine geeignete Stelle zum Anhalten fand. Kurz darauf befand ich mich mitten im Farbrausch.

Aber was erzähle ich euch? Schaut einfach selbst!

Bei der roten Pflanze handelt es sich übrigens um die Spanische Esparsette bzw. den Kronen-Süßklee (Hedysarum coronarium). Die im Mittelmeerraum weit verbreitete Futter- und Weidepflanze wird gerne von Bienen besucht und sorgt im Frühjahr für diese herrlich leuchtend roten Farbtupfer in der Landschaft.

Taormina

Kaum zu glauben, aber gegen 17:00 Uhr hatte ich es tatsächlich geschafft und stand sozusagen vor den Toren Taorminas. Weiß der Geier, wo die Zeit schon wieder geblieben war! Egal – jetzt war ich endlich da. Nun galt es nur noch, meine Unterkunft beziehungsweise den für die nächsten drei Tage angemieteten Parkplatz zu finden.

An dieser Stelle möchte ich allen, die mit dem PKW nach Taormina anreisen, einen kleinen Tipp mit auf den Weg geben: Bucht unbedingt eine Unterkunft mit Parkplatz oder zumindest mit der Möglichkeit, einen Stellplatz anzumieten. Parkplätze in der Altstadt sind nämlich so gut wie nicht vorhanden. Fast überall ist das Parken ausschließlich den Anwohnern vorbehalten und die öffentlichen Parkhäuser sind so teuer, dass einem schon vor dem Einparken die Tränen in die Augen schießen. 😉

Bei diesem Ausblick war ich natürlich gespannt, wie sich die Fahrt durch die Altstadt von Taormina gestalten würde. Eines war nämlich klar: Um zu meinem B&B zu gelangen, musste ich mitten hindurch.

Rückblickend kann ich sagen, dass sie sogar richtig Spaß gemacht hat. Die Sizilianer sind nämlich ausgesprochen rücksichtsvolle Autofahrer. Dadurch kommt es selbst in den engen Gassen nur selten zu brenzligen Situationen.

Der Blick aus meinem B & B für die nächsten drei Nächte konnte sich jedenfalls schon einmal sehen lassen. 👍

Nachdem das Auto geparkt war und ich mein Zimmer in Beschlag gelegt hatte machte ich mich auf das Städtchen zu erkunden. Von meinem B&B aus brauchte ich etwa gemütliche 10 Minuten bis ins getümmel der Altstadt von Taormina. So ruhig wie an dieser Ecke ist es sonst nirgens in Taormina und auch dieser Schnappschuss war eher ein zufällig verkehrs- und touristenloser Moment. Das n

Gleich hinter dem Tor traf ich auf diese quitsch bunte Gelateria. Leider war ich momentan zu hungrig für für ein Eis, bzw. wollte mir nicht den Appetit verderben und als ich am Abend auf dem Rückweg war, hatte sie leider schon geschlossen. Schade!

Dieses Getümmel, das in der schattigen Fußgängerzone zunächst gar nicht so auffällt, ist schon eher typisch für Taormina. Hier ist eigentlich immer etwas los. Ein Blick auf die Speisekarten der zahlreichen Restaurants verriet zudem schnell, dass der Tourismus auch hier seinen Preis hat.

Eines war jedenfalls sofort klar: Taormina ist nicht nur deutlich touristischer als viele andere Orte Siziliens, sondern auch spürbar teurer.

Leider entdeckte ich auf meinem ersten hungrigen Spaziergang auch kein Restaurant mit ansprechender Außengastronomie zu vernünftigen Preisen. Da zog ich einen gemütlichen Platz im Innenraum vor und genoss bei einer leckeren Pasta einfach den Blick nach draußen.

Sodele, frisch gestärkt spaziert es sich doch gleich viel besser durchs Getümmel. Zeit, sich ins Epizentrum des Tourismus von Taormina zu stürzen!

Dieses ist ohne Zweifel die Piazza IX Aprile – der wohl bekannteste Treffpunkt der Stadt. Hier sitzen Alt und Jung, Touristen und Einheimische friedlich nebeneinander, genießen ein Eis oder einen Aperitif und lassen den Blick über das Meer und den Ätna schweifen. Spätestens zum Sonnenuntergang wird die Piazza dann zum Wohnzimmer Taorminas.

Ein wirklich lohnenswerter Ausblick – und das egal, in welche Richtung man schaut. Auf der Piazza, die auch gerne als Belvedere di Taormina bezeichnet wird, gibt es aber noch eine nicht ganz unwichtige Institution: die öffentliche Toilette.

Und die hat ein wirklich nettes Gimmick! Bereits oben an der Treppe kann man auf einer Anzeige sehen, wie viele Toiletten gerade besetzt sind. Davon kann man in Deutschland nur träumen! Ganz davon abgesehen, dass sie auch noch blitzsauber ist.

So, genug der Worte! Lasst zum Abschluss einfach noch ein paar Blickschnipsel auf euch wirken.