9. Tag

Dienstag, 5. Mai 2026 - Taormina und Umgebung

Überraschungstag

Nachdem ich gestern den ganzen Tag im Trubel der Stadt unterwegs gewesen war, freute ich mich heute darauf, diesem erst einmal zu entfliehen – so hoffte ich zumindest.

Mein erstes Ziel sollte mich in eine Schlucht führen. Ich war schon sehr gespannt darauf. Laut Internet musste man allerdings aufpassen, nicht versehentlich ein überteuertes Ticket zu kaufen. Sicherheitshalber hatte ich mir deshalb eine genaue Anleitung aus dem Internet heruntergeladen (Klick).

Bevor es aber weitergeht, genießen wir noch ein wenig diesen fantastischen Sonnenaufgang in Taormina.

Pünktlich um halb neun ging es dann hinunter in den kleinen Garten zum Frühstück. Auch heute war der Frühstückstisch wieder reichlich gedeckt. Selbstgebackener Kuchen, frisches Obst, Wurst und Käse, hausgemachte Marmeladen sowie eine leckere Eierspeise warteten bereits auf mich. So kann ein Urlaubstag doch wirklich nicht besser beginnen.

Kaum hatte ich die Stadt hinter mir gelassen, musste ich auch schon wieder auf die Bremse treten. So schöne alte Eisenbahnbrücken sieht man schließlich nicht alle Tage.

Ponte di San Cataldo

Etwa eine halbe Stunde später war ich auch schon an meinem ersten Tagesziel angekommen – beziehungsweise zunächst einmal daran vorbeigefahren. Die Googeline war nämlich der Meinung, ich solle noch ein Stück weiterfahren. Dass sie damit gar nicht so falsch lag, sollte ich später tatsächlich noch feststellen.

Zunächst drehte ich aber erst einmal um und fuhr auf den Parkplatz, an dem ich wenige Minuten zuvor vorbeigekommen war.

Wie blöd war das denn? Einen Parkautomaten gab es dort nämlich nicht. Stattdessen musste man etwa 100 Meter die Straße hinauf zum Kassenhäuschen laufen, dort ein Parkticket (ich glaube, es kostete rund 2 €) kaufen und anschließend wieder zurück zum Auto marschieren, um es hinter die Windschutzscheibe zu legen. Na ja, das muss man wohl nicht verstehen.

Danach ging es die 100 Meter den Hügel wieder hinauf, denn genau gegenüber befand sich der Eingang zur

Alcantara-Schlucht

Hinter dem Kassenhäuschen ging es dann erst einmal beständig bergab. Logisch! Schließlich wollte ich ja in eine Schlucht.

Kleiner Tipp am Rande: Der öffentliche Zugang in Motta Camastra kostet gerade einmal 3 €. Dafür heißt es allerdings, ca. 250 Stufen hinunter- und später natürlich auch wieder hinaufzusteigen. Ich finde, der kleine sportliche Einsatz lohnt sich allemal, denn die Basaltschlucht ist wirklich beeindruckend.

 

Unten angekommen gibt es die Schlucht pur. Wer glaubt, hier irgendwelche touristischen Einrichtungen wie Sitzbänke oder einen Kiosk zu finden, der täuscht sich. Es gibt wirklich nur einen kleinen kiesigen Strand und dann geht es auch schon hinein ins – wie ich fand – gar nicht mal so kalte Wasser.

Die Strömung ist teilweise allerdings nicht ohne. Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich meine Teva-Sandalen dabei hatte und ganz gemütlich hindurchwaten konnte.

Da ich meine Kamera dabeihatte und diese nicht unbeaufsichtigt im Rucksack am Strand liegen lassen wollte, bin ich nur einmal auf die andere Seite und anschließend noch etwa einen Meter in die Schlucht hineingelaufen. Den Rest musste dann das Teleobjektiv übernehmen.

Aber seht selbst!

Wegen der fehlenden Infrastruktur gab es für mich keinen Grund, hier unten länger zu verweilen – zumal inzwischen auch die ersten Schulklassen ihren Weg in die Schlucht gefunden hatten. Da machte ich mich lieber aus dem Staub und fuhr meinem nächsten Programmpunkt entgegen.

 

Bevor ich die Gegend jedoch endgültig verließ, hielt ich noch einmal an der Stelle an, an der ich heute Morgen gewendet hatte. Dabei war mir nämlich eine schöne alte Kirchenruine ins Auge gefallen.

Chiesa di San Nicola

Diese kleine Steinkirche aus dunklem Lavagestein mit ihrem runden Fenster (Rosette) und den kleinen Glockenaufsätzen auf dem Dachgiebel hatte sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Das lag nicht nur an dem strahlend gelb blühenden Riesenfenchel im ehemaligen Kirchgarten, sondern auch an ihrer malerischen Lage. Eingerahmt von der ländlichen, hügeligen Landschaft thronte sie zugleich verfallen und doch irgendwie strahlend im Alcantara-Tal.

Eigentlich hatte ich nur angehalten, um mir die Kirchenruine einmal etwas genauer anzuschauen. Als ich jedoch ausstieg und die nähere Umgebung ein wenig erkundete, wurde mir plötzlich klar, warum die Gockeline mich heute Morgen unbedingt hierher lotsen wollte.

Aber schaut selbst! 😘

Nicht einmal eine Stunde später schlenderte ich bereits durch die Straßen von 

Randazzo

Ganz ehrlich? Von Randazzo hatte ich vor meiner Sizilienreise noch nie etwas gehört. Umso überraschter war ich, als ich plötzlich durch eine mittelalterlich anmutende Stadt aus dunklem Lavagestein schlenderte.

Randazzo ist so etwas wie der Gegenentwurf zu den barocken Schmuckstücken Siziliens. Hier gibt es keine prunkvollen Fassaden und keine riesigen Piazzen. Stattdessen erwarten den Besucher schmale Gassen, historische Gebäude aus Lavastein und eine angenehm entspannte Atmosphäre.

Besonders spannend fand ich die Geschichte der Stadt. Im Mittelalter lebten hier Griechen, Lateiner und Lombarden jeweils in ihren eigenen Vierteln – inklusive eigener Kirchen und teilweise sogar eigener Sprachen. Kaum zu glauben, wenn man heute ganz gemütlich durch die ruhigen Gassen spaziert.

Was mir außerdem sofort auffiel: Randazzo ist erfreulich untouristisch. Hier begegnet man deutlich mehr Einheimischen als Reisegruppen. Genau solche Orte mag ich auf Reisen besonders gerne.

Das Mittagessen gab es heute mal wieder recht spät. Ein geöffnetes Restaurant zu finden, war nämlich gar nicht so einfach. Wie schon bei den Kirchen schien auch bei den Lokalen nicht so ganz klar zu sein, ob sie nun gerade noch geschlossen oder schon wieder geschlossen waren. So richtig schlau wurde ich während meines doch recht kurzen Aufenthalts jedenfalls nicht.

Die bestellten Tagliatelle in einer Sahne-Mandel-Soße (eine sizilianische Spezialität) waren leider nicht ganz mein Ding. Man muss schließlich auch auf Reisen hin und wieder feststellen, dass einem nicht alles schmeckt. Mein persönliches Fazit: Mandeln gehören für mich lieber in den Kuchen als in die Soße, zumindest in diesem Ausmaß. Satt geworden bin ich aber trotzdem.

Die Fahrt zurück nach Taormina dauerte eine gemütliche Stunde. Dort angekommen, duschte ich mir erst einmal den Staub des Tages ab, bevor ich mich erneut ins taorminische Getümmel stürzte.

Den heutigen Abend wollte ich ganz entspannt ausklingen lassen. Da ich wegen des späten Mittagessens noch gar keinen Hunger hatte, ließ ich mich erst einmal vor einer hübschen kleinen Bar nieder, die mir bereits in den vergangenen Tagen aufgefallen war. Bei einem Cocktail mitten in der belebten Fußgängerzone beobachtete ich ganz gemütlich das bunte Treiben.

Bar Pasticceria Etna

Den heutigen Abend wollte ich ganz entspannt ausklingen lassen. Da ich wegen des späten Mittagessens noch gar keinen Hunger hatte, ließ ich mich erst einmal vor einer hübschen kleinen Bar nieder, die mir bereits in den vergangenen Tagen aufgefallen war. Bei einem Cocktail mitten in der belebten Fußgängerzone beobachtete ich ganz gemütlich das bunte Treiben.

Dieser kleine Geselle hatte von seinem Balkon über der Fußgängerzone natürlich einen der besten Logenplätze der Stadt – und genoss ihn ganz offensichtlich in vollen Zügen.

Diese Impressionen vom abendichen Taormina sprechen für sich.

Zum Abschluss meines Taormina-Aufenthaltes möchte ich noch zwei kleine Highlights besonders in Szene setzen. Zum einen den hübschen Brunnen vor dem Dom. Gerade am Abend entfaltet er meiner Meinung nach einen ganz besonderen Charme.

Die krönende und zugleich gekrönte Figur auf der Fontana di Piazza Duomo stellt die Centauressa dar – ein mythologisches Mischwesen mit dem Oberkörper einer Frau, die für die Stadt Taormina steht, und dem Leib eines Stieres als Symbol des Hausbergs Monte Tauro. In ihren Händen hält sie ein Zepter sowie eine Weltkugel mit Kreuz, die als Zeichen ihrer Macht gelten.

Und last but not least möchte ich euch noch die kleine Kirche

Santa Caterina d’Alessandria

vorstellen.

An ihr kommt man eigentlich gar nicht vorbei, wenn man die belebte Fußgängerzone von Taormina betritt. Tagsüber geht sie im touristischen Trubel fast ein wenig unter, doch am Abend entfaltet sie ihren ganz besonderen Charme und wird zu einem beliebten Treffpunkt der Einheimischen.

Kommt herein und genießt mit mir ihren Zauber.

Das war es für heute. Mit diesen beiden Impressionen verabschiede ich mich aus Taormina und entlasse euch in die sizilianische Nacht. Buona notte!