7. Tag

Montag, 6. Mai 2024 - Punta Umbria - El Roccio - Punta Umbria

Aus der Zeit gefallen

Der heutige Tag sollte uns zu zwei ganz unterschiedlichen Orten führen. Der eine war zwar noch relativ neu, wirkte aber schon ziemlich alt. Der zweite war sogar eine echte Ghosttown. Ja, verlassene Orte gibt es auch mitten in Andalusien! Ich war im Internet eher zufällig darüber gestolpert und natürlich neugierig geworden.

Unser erster Weg heute führte uns aber nach

Mazagón

Zuerst an den Strand und anschließend gleich zum gleichnamigen Leuchtturm. 

Der Strand gefiel uns ausgesprochen gut und auch der Ort selbst schien ganz hübsch zu sein – ein totaler Gegenentwurf zu dem von uns gewählten Urlaubsort. Shit happens!

Schade nur, dass wir außer dem Leuchtturm nicht weiter fotografiert haben. Wahrscheinlich wollten wir einfach schnell weiter.

Gegen 13:00 Uhr erreichten wir dann endlich den Ort unserer Begierde. Bevor wir El Rocío allerdings enterten, blieben wir erst einmal bei den halbwilden Marismeño-Pferden hängen. Sie leben in den Feuchtgebieten rund um Doñana und werden jedes Jahr im Juni bei der traditionellen Saca de las Yeguas zusammengetrieben.

El Rocío – der ungewöhnliche Wallfahrtsort in Andalusien.

Dass die Uhren hier offensichtlich anders laufen, war spätestens in dem Moment klar, als wir von einem Reiter überholt wurden.

Santuario de Nuestra Señora del Rocío

Was ist El Rocío eigentlich?

El Rocío ist streng genommen kein gewöhnliches Dorf, sondern eine kleine Ansiedlung bei Almonte in der Provinz Huelva, direkt am Rand der Marismas von Doñana. Das Ortsbild ist entsprechend ungewöhnlich: breite, überwiegend unbefestigte Sandstraßen, weiße Häuser mit großen Veranden und überall Hinweise auf die Reit- und Wallfahrtstradition.

Im Mittelpunkt steht das Santuario de Nuestra Señora del Rocío, die Wallfahrtskirche der berühmten Virgen del Rocío.

Okay, das Ausmaß dieser Kirche wird einem eigentlich erst bewusst, wenn man einmal drinnen ist und sie anschließend von der Seite sieht. Auf den meisten Fotos und selbst in Fernsehdokus bekommt man nämlich immer nur die Frontansicht zu sehen.

Und glaubt bloß nicht, dass es hier so leer ist, wie es auf den Fotos scheint. In El Rocío war schon ganz schön was los – sowohl im Ort als auch in der Wallfahrtskirche. Wir mussten daher ganz schön schauen, bis diese Fotos endlich im Kasten waren. 😉

Santuario de Nuestra Señora del Rocío

Ein paar kurze Facts zur Kirche:

Das heutige Heiligtum ist noch gar nicht so alt. Die ursprüngliche Ermita wurde 1963 abgerissen. Für das heutige Gebäude wurde 1964 der Grundstein gelegt, 1969 wurde es geweiht. Die Architekten waren Antonio Delgado Roig und Alberto Balbontín de Orta.

Und die Kirche sieht tatsächlich eher wie ein riesiges weißes andalusisches Landhaus mit Glockengiebel aus als wie eine klassische Kirche.

Nachdem die Kirche abgehakt ist, folgt uns nun bei einem Rundgang durch den kleinen Ort. Und wundert euch nicht: Kirchen gibt es hier fast so viele wie Sand auf der Straße. Dass auf meinen Fotos kaum Autos zu sehen sind, liegt übrigens daran, dass diese fast alle auf Parkplätzen rund um den Ort abgestellt werden müssen.

Die berühmte Wallfahrt

El Rocío ist vor allem für die Romería del Rocío bekannt. Jedes Jahr zu Pfingsten machen sich Hunderttausende Pilger zu Fuß, zu Pferd oder mit geschmückten Wagen auf den Weg nach El Rocío. Höhepunkt der Wallfahrt ist die Prozession der Virgen del Rocío, bei der die Statue aus dem Heiligtum getragen wird.

Die Tradition reicht weit zurück: Erste Bruderschaften sind bereits im 18. Jahrhundert belegt. 1919 wurde die Virgen del Rocío schließlich feierlich gekrönt.cuntegn

Da es in El Rocío neben vielen Souvenirläden mit hauptsächlich kirchlichen Andenken auch einige Restaurants gibt, haben wir die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und eine kleine Mittagspause eingelegt. Und was soll ich sagen: Es war alles sehr lecker! 😋

Ich möchte El Rocío aber nicht verlassen, ohne euch noch den schönen Flanierweg zwischen dem Ort und den Feuchtwiesen zu zeigen.

Natürlich haben wir El Rocío nicht verlassen, ohne vorher noch bei den schönen Wildpferden vorbeizuschauen.

In El Rocío hatten wir nun alles abgegrast, somit wurde es Zeit für den letzten Besichtigungspunkt unserer heutigen Tour. Macht euch gefasst: Es wird nicht nur ghostig, sondern auch ein bisschen gruselig. 👻

Los Cabezudos

Los Cabezudos

Der Weg zum verlassenen Dorf war dann tatsächlich nicht ganz so einfach zu finden. Schilder, die auf Los Cabezudos hinwiesen, sind uns – soweit ich mich erinnere – jedenfalls keine begegnet. Ich hatte mir aber vorab die Route beim Gockel heruntergeladen, und die Gockeline führte uns anschließend zielsicher über mehrere Sandpisten zum Ziel. Aber selbst am Eingang waren wir noch etwas unsicher, ob wir hier tatsächlich richtig waren.

Nachdem wir auf dem Gelände standen, fiel unser erster Blick natürlich auf die Kirche auf dem Hügel. Aber frei nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“ wandten wir uns erst einmal dem Rest der Ghosttown zu.

Bevor es mit den Fotos weitergeht, gibt es aber erst einmal ein paar kurze Infos dazu, wie Los Cabezudos entstand und warum das Dorf schließlich verlassen wurde.

Im Zuge der großflächigen Aufforstung der Gegend entstand Los Cabezudos in den 1940er-Jahren. Zeitweise lebten hier fast 300 Menschen – vor allem Familien von Förstern, Ingenieuren und Arbeitern, die mit der Bewirtschaftung der Eukalyptusplantagen beschäftigt waren.

Dabei handelte es sich keineswegs nur um ein paar Häuser mitten im Wald. Das Dorf verfügte über eine Kirche, eine Schule, eine Arztpraxis, Geschäfte und sogar ein kleines Casino. Für damalige Verhältnisse gab es hier sogar ein modernes Abwassersystem.

Ab den 1960er-Jahren begann die Bevölkerung abzuwandern. Ende der 1980er-Jahre war Los Cabezudos schließlich vollständig verlassen. Heute stehen die meisten Gebäude als Ruinen da und werden zunehmend von der Natur zurückerobert.

Der krönende Abschluss unserer Tour war dann – wie schon angekündigt – die Kirche auf dem Hügel.

Schon der Weg dorthin versprach spannend zu werden – und das lag nicht nur an der geheimnisvollen Inschrift auf dieser Häuserwand. 😳 Los Cabezudos gilt heute als einer der mysteriösesten verlassenen Orte der Provinz Huelva. Es gibt zahlreiche Geschichten über angebliche paranormale Erscheinungen und ungewöhnliche Geräusche, wobei insbesondere die Ruinen der Kirche im Mittelpunkt dieser Erzählungen stehen.

Ob an den Geschichten tatsächlich etwas dran ist? Nun ja … Nachgewiesen ist jedenfalls nichts. Aber ein bisschen Gänsehaut darf bei einer Ghosttown schließlich sein.

Ok……lasst uns hinein gehen. 

Na ja, Geister kamen uns nun nicht entgegen, aber dieser olle Puppenkopf hatte schon was … 👻

Vermutlich treiben sich hier hin und wieder Jugendliche herum, um sich ein bisschen zu gruseln. Und was eignet sich dafür besser als ein abgerissener Puppenkopf? 😳

Neben der Kirche befindet sich noch das ehemalige Wohnhaus des Chefingenieurs, der für die Leitung und Koordination der forstwirtschaftlichen Arbeiten und der Eukalyptus-Aufforstung zuständig war. In dieser Residenz übernachtete bei Besuchen im nahegelegenen Wallfahrtsort El Rocío unter anderem Königin Sofía von Spanien zusammen mit den Infantinnen.

Das äußere Ambiente lässt schon vermuten, dass hier großzügiger gebaut wurde. Auch im Inneren sieht man noch etwas vom vergangenen Glanz. Schade, dass die Gebäude nicht etwas besser geschützt wurden. Hier hätte man neben spukenden Geistern auch noch etwas Zeitgeist finden können. 👻

Auf dem Weg zurück zum Hotel streiften wir noch das Gebiet von

El Abalario

Hierbei handelt es sich um eine große Dünen- und Buschlandschaft im Nordwesten des Doñana-Nationalparks. Da wir am nächsten Tag sowieso den Nationalpark besuchen wollten, beließen wir es allerdings bei dieser kleinen Stippvisite.

Hatte ich euch eigentlich schon unser diesjähriges Gefährt vorgestellt?

Falls nicht, hier ist er, der Kleine: ein Toyota Yaris. Klein, wendig und sparsam im Verbrauch. Wir sind ihn wirklich gerne gefahren. 😊