11. Tag

Freitag, 10. Mai 2024 - Cadiz - Rota

Eine windige Angelegenheit

Wie heißt es so schön: Morgenstund hat Gold im Mund.

Heute Morgen hatten wir eigentlich nur ein Ziel: So schnell wie möglich nach Estepona zu kommen. Letztendlich waren wir dann aber doch wieder trödeliger unterwegs als gedacht, denn es war schon 12:00 Uhr, bis wir endlich in Estepona ankamen.

Blick von unserem Hotelbalkon in Cadiz
Blick von unserem Hotelbalkon in Cadiz

Nachdem endlich ein kostengünstiger Parkplatz gefunden war und wir unser Zimmer bezogen hatten, machten wir uns erst einmal auf den Weg, ein schönes Restaurant zum Mittagessen zu finden. Die Auswahl war hier recht groß, und so entschieden wir uns für eines der Strandrestaurants.

Heute wollten wir uns mal wieder eine Paella gönnen. Und wie ihr gleich sehen könnt, war diese genau so, wie man sich eine Paella vorstellt. Einfach nur lecker! 😋

Paella

Während wir gemütlich und windgeschützt saßen und unsere Paella und einen erfrischenden Tinto de Verano genossen, wurde es um uns herum immer windiger. So richtig aufgefallen ist uns das allerdings erst, als wir das Restaurant verließen. Schaut euch nur mal die Palmen auf den Fotos an. Dieser Wind war wirklich unglaublich! 🌴💨

Schade, denn eigentlich wollten wir hier noch eine Strandrunde einlegen. Aber daraus wurde jetzt nichts. Stattdessen spazierten wir erst einmal über die Strandpromenade.

Dem Winde zum Trotz – oder trotz des Windes – war es hier richtig schön. Der Paseo Marítimo de Estepona mit seinen außergewöhnlichen, pilzartigen Schattenspendern ist wirklich eine Augenweide, die durch die abwechslungsreiche maritime Bepflanzung noch zusätzlich unterstrichen wird.

Wir hatten genug vom Wind und entschieden uns daher, ein wenig durch die Gassen zu spazieren, die über und über mit Blumenkübeln dekoriert sind. Das war so schön, dass wir gar nicht wussten, wohin wir zuerst schauen sollten.

Estepona – der Garten der Costa del Sol

Estepona ist vor allem für seine hübsche, weiß getünchte Altstadt bekannt. Unzählige Blumenkübel schmücken die engen Gassen und Fassaden und haben der Stadt den Beinamen „Jardín de la Costa del Sol“ – Garten der Costa del Sol eingebracht. Dazu kommen kleine Plätze, hübsche Ecken und jede Menge Kunst: Großflächige Wandbilder, Skulpturen und Gedichte machen die Altstadt zu einer Art Freiluftgalerie. ¡Vamos!

Ihr seht es auf den Fotos: Mit der Zeit zog sich der Himmel immer weiter zu.

Wir versuchten erst einmal, bei einem Cortado das Wetter auszusitzen. Aber wie ihr euch denken könnt, blieben die dunklen Wolken am Himmel. So wurde es rund um die schöne

Iglesia Nuestra Señora de los Remedios

wenigstens vom Himmel her richtig dramatisch.

Letztendlich ließen wir uns von den dicken Wolken nicht abhalten und spazierten noch eine Weile durch die engen Gassen. Dabei entdeckten wir nicht nur hübsche Hibiskusbäumchen, sondern auch einige interessante Geschäfte.

 

 

 

Diese Hauswand war mein persönliches Highlight in den Gassen von Estepona. ❤️

Vor dem Abendessen wollten wir noch einmal runter ans Wasser und den dortigen Leuchtturm aufsuchen. Dieser stand am Ende – oder, je nachdem, wie man es sieht, am Anfang – des Strandes. Der Himmel hatte sich inzwischen noch weiter zugezogen, und immer noch blies ein heftiger Wind.

Faro de Punta Doncella

Der Faro de Punta Doncella erwies sich als absolute Augenweide. 😍 Der heutige Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1922 und ersetzte einen bereits seit 1863 bestehenden Vorgänger. Besonders hübsch fand ich die achteckige, aus behauenem Stein errichtete Turmspitze.

Interessant ist auch seine Funktion: Zusammen mit dem Faro de Punta Almina in Ceuta hilft er den Schiffen bei der Orientierung auf ihrem Weg durch die Straße von Gibraltar. Sein Licht ist immerhin rund 18 Seemeilen weit zu sehen. Heute funktioniert der Leuchtturm natürlich vollautomatisch – die Zeiten des Leuchtturmwärters sind längst vorbei.

Wieso der Leuchtturm so von Möwen umschwärmt war, konnten wir leider nicht herausbekommen. Aber das war schon ein herrliches und vor allem lautes Spektakel.

Faro de Punta Doncella, Estepona

Obwohl der Himmel recht bedrohlich daherkam, war es angenehm warm. Und da es rund um den Leuchtturm so schön bunt war und die Wolken geradezu dramatisch aussahen, blieben wir noch eine ganze Weile bei der schön bemalten Rückwand der Fischerhütten und Lagerhallen des Fischereihafens hängen.

Und damit es vor lauter Farben nicht total schwummelig wird, bevor wir zum Abendessen gehen, zeige ich euch noch kurz die Rückseite der Bepflanzung rund um den hübschen Leuchtturm. 

Leider ist dieser nicht für Besucher zugänglich, da es sich nach wie vor um ein aktives und automatisiertes Schifffahrtszeichen der Hafenbehörde von Málaga handelt. Aber selbst wenn wir hineingekonnt hätten, wären wir kurz vor 20:00 Uhr ohnehin viel zu spät dran gewesen. 

Keine Ahnung, ob es am Wind, den Wolken oder einfach daran lag, dass die Fischer ihre Netze vor den Fischerhütten auslegten – die Möwen spielten auch hier einigermaßen verrückt.

So langsam wollten wir mal schauen, dass wir ein Plätzchen zum Abendessen finden. Da es am Strand inzwischen viel zu windig war, spazierten wir noch etwas durch die schmalen Gassen, bis wir einen schönen Platz mit vielen Restaurants fanden. Viel gegessen haben wir heute nicht mehr, aber dafür hat sich der Weg zu diesem Platz allein schon wegen des Himmelsspektakels gelohnt. Schaut und staunt!

Ehrlich, wir waren total geflasht von dem Farbenspiel das sich über uns abspielte und bis zur Dunkelheit anhielt.

Wie wir später erfuhren, konnten wir an diesem Abend ein außergewöhnliches Naturschauspiel am europäischen Himmel beobachten: Extrem starke und farbenprächtige Polarlichter (Aurora Borealis) waren in weiten Teilen Europas zu sehen.

Das Besondere an dieser Nacht war die enorme Intensität und die ungewöhnlich weit nach Süden reichende Ausdehnung. Während Nordlichter normalerweise vor allem in Skandinavien zu sehen sind, leuchtete der Himmel in Violett-, Rot- und Grüntönen – und das bis nach Mitteldeutschland, Österreich, in die Schweiz, nach Norditalien und sogar bis nach Spanien. Vielerorts waren die Lichter und die strahlenförmige Korona sogar mit bloßem Auge deutlich zu erkennen. Auslöser war ein außergewöhnlich starker Sonnensturm.

Noch ganz beseelt von diesem beeindruckenden Schauspiel machten wir uns auf den Weg zurück zu unserer Pension. Was für ein Abschluss dieses Tages!

Estepona, ES