Die Route - Nach Tagen aufgeteilt
13. Tag
Sonntag, 12. Mai 2024 - Guadix
Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung
Schon 2018, bei meinem ersten Besuch in Andalusien, hatte ich versucht, den Zugang zu dieser Wanderung zu finden, die wir heute unternehmen wollten. Entsprechend groß war meine Vorfreude am Morgen.
Diesmal hatte ich mir die Route in Komoot heruntergeladen. Dort gab es gleich mehrere Varianten und wir entschieden uns für die längste, denn heute hatten wir ja alle Zeit der Welt.
So gegen 9:00 Uhr machten wir uns auf den Weg. Durch die Rushhour und einen Tankstopp dauerte es dann doch fast eine Stunde, bis wir am Parkplatz gegenüber dem ehemaligen Hotel Reina Isabel ankamen. Der Hotelparkplatz war inzwischen gesperrt und auch das Hotel schien geschlossen zu sein.
Auch diesmal war der Einstieg nicht ganz einfach zu finden, da wir zunächst den ehemaligen Hotelparkplatz umkreisen mussten. Hinter der nahegelegenen Kirche entdeckten wir schließlich einen Weg – und tatsächlich brachte er uns auf die richtige Spur.
erstellt mit komoot
Natürlich war von Anfang an klar, dass uns dieser Weg nicht direkt zu den antiken Wasserläufen führen würde. Wir waren daher gespannt, was uns unterwegs so alles erwarten würde.
Gemütlich ging es immer weiter den Hügel hinauf, vorbei an wilden, struppigen Wiesen und einigen wahrscheinlich wilden Mandelbäumchen, die der Wind wohl vor Jahren hierher geweht hatte. Selbst ein paar Bienenstöcke lagen hier versteckt. Zu unseren Füßen lag ein Olivenhain, während wir in der Ferne auf die rauen, bunt gefärbten Berge der Gorafe-Wüste blickten.
Kurz gesagt: Uns gefiel ausgesprochen gut, was wir hier zu sehen bekamen.
Die Temperaturen waren heute mit ca. 25 °C ideal zum Wandern. Noch wehte ein recht sanfter Wind, der sich im Laufe des Tages allerdings etwas verstärkte. Die Fernsicht war auf jeden Fall unglaublich!
Inzwischen waren wir wohl auf dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung angekommen. Der Rundumblick war sehr abwechslungsreich und auch wenn wir noch einmal kurz hoch gelaufen sind, von nun an ging es beständig bergab.
Aber lasst uns erst einmal den Ausblick genießen! Auf der einen Seite schauten wir in die schöne, bunte Gorafe-Wüste, zu deren Füßen wir zerfallene Höfe entdeckten. Zur anderen Seite sah es fast so aus, als könnte man bis zur Tabernas schauen, während etwas weiter die weißen Gipfel der Sierra Nevada zu sehen waren. Und zu unseren Füßen entdeckten wir nicht nur Blumen.
Ach ja, ganz vergessen: Zwischendrin hatten wir sogar unseren Ausgangspunkt wieder im Blick. 😊














Als wir etwa am Schnittpunkt unserer Tour angekommen waren, die uns wiederum auf ein Plateau führte, blickten wir plötzlich auf dieses Schild.
Unser Spanisch war zwar nicht gut genug, um wirklich zu verstehen, was auf dem Schild stand, aber diese Kaskade kannte ich noch von meinem letzten Besuch. Das Schild wies wohl darauf hin, dass wir dort vorbeikommen würden. Na, schauen wir mal! 😄
Wie bereits erwähnt, standen wir erst einmal auf einem recht großen Plateau. Wege gab es hier in Massen. Wir entschieden uns, dem ausgetretensten Pfad zu folgen. Dieser führte uns an den Rand des Plateaus und von dort aus blickten wir dann zum ersten Mal auf die Schlucht, in die ich mich schon im Internet verliebt hatte. ❤️
Ha! Genau das war es! Dort wollten wir hin! Jetzt stellte sich nur die Frage: Wie kamen wir dorthin? Denn unser Weg führte auf dem Plateau zwar im Kreis, aber nicht nach unten. Wir mussten also wieder zurück. Vorher schauten wir uns aber die Schlucht noch einmal genau an.
Acequia del Toril
Die Acequia del Toril ist etwas ganz Besonderes: Aus einer ursprünglich einfachen Bewässerungsrinne entstand im Laufe von Jahrtausenden durch die Ablagerung von Kalk eine bis zu 15 Meter hohe natürliche Travertinmauer. Oben auf dieser ungewöhnlichen „Mauer“ fließt noch heute warmes, mineralreiches Wasser, während Farne und andere Pflanzen die feuchten Wände begrünen. Ein ziemlich verrücktes Zusammenspiel von Natur und Mensch!
Was für ein Gezacker!
Nachdem wir das Plateau verlassen hatten, irrten wir erst noch eine Weile umher. Von der Logik her konnte der Weg eigentlich nur am Parkplatz beginnen. Das hatte ich bei meinem letzten Besuch hier schon vermutet.
Und kaum zu glauben: Nach einigen Irrwegen entdeckten wir doch tatsächlich hinter einem Gestrüpp dieses Schild.
Das Schild war eindeutig: „Camino Particular“ und „Prohibido el Paso“ – auf Deutsch „Privatweg“ und „Durchgang verboten“.
Toll, jetzt waren wir also so weit gekommen, nur um zu lesen, dass hier eigentlich Schluss ist. Nee, ganz ehrlich! Da haben wir einfach das gemacht, was vor uns offenbar schon andere gemacht hatten, und sind trotzdem durchgelaufen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dies wirklich ein Privatweg ist.
Bereits am Anfang des Weges waren wir hin und weg. Das blöde Schild hatten wir längst vergessen, dafür waren wir von der schönen Landschaft total eingenommen. Links die hochgewachsene, bewachsene Mauer des Aquädukts und rechts eine schöne Wildblumenwiese. Leider pfiff der Wind so kräftig, dass man keine der zarten Blümchen näher ins Visier nehmen konnte.
Rechts in den Felswänden entdeckten wir eine in den Fels gebaute Höhlenunterkunft. Ob es sich dabei sogar um ein historisches Höhlenhaus (Casa Cueva) handelt, waren wir uns nicht sicher. Auf jeden Fall war es mit Trockenmauerwerk und einer hölzernen Deckenkonstruktion versehen.
Kennt ihr das, wenn etwas genau so ist, wie ihr es euch vorgestellt habt? Seit wir an dieser im Laufe von Jahrtausenden entstandenen Travertinmauer entlang liefen, überkam mich immer wieder der Gedanke, dass ich es mir so und nicht anders vorgestellt hatte. Spaziert einfach mit und genießt die Ausblicke.



















Hinter der nächsten Kurve verengte sich der Weg und es schien so, als würden wir nun zwischen zwei Travertin-Wänden hindurchlaufen. Der Weg endete schließlich und wir mussten nach oben. … und dort floss das Wasser in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Wow, wir waren wirklich beeindruckt.
Rückblickend hätte man das mal filmen müssen, damit man auch sieht, mit welchem Tempo das Wasser durch diese schmale Rinne floss. Was für ein Spektakel!
Hinter dem Aquädukt bot sich uns wiederum ein ganz anderes Bild. Zum einen staunten wir nicht schlecht, als wir die im Kreis angepflanzten Mittelmeer-Zypressen sahen. Wieso, weshalb, warum? Dieses Rätsel werden wir wohl nicht lösen.
Daneben gleich eine prächtige Agave in direkter Nachbarschaft eines megalithischen Grabes.
Grob gesehen waren wir jetzt auf dem Rückweg zum Auto. Dabei kamen wir an einer offensichtlich geschlossenen Badeanstalt vorbei. Wie ich inzwischen im Internet nachlesen konnte, gehört diese zum Hotel und war wohl noch nicht eröffnet, da wir ja noch in der Vorsaison waren.
Außerdem kamen wir am kleinen Wasserfall vorbei, unter dem sich mikrobielle Matten gebildet hatten. Um diesen zu fotografieren, mussten wir allerdings einiges an Geduld aufbringen, da eine Dame (im Bild) ihn für gefühlt 100 Handyfotos in Beschlag nahm. 😉
Kurz darauf waren wir dann wieder am Parkplatz, wo sich das letzte ruinöse Gebäude befand.
Bevor es weitergeht, wollte ich noch zeigen, wie unsere tatsächliche Wanderung an diesem Tag aussah. Links seht ihr ein Foto der geplanten Tour, rechts die Tour, die wir letztendlich gelaufen sind. Beide Routen wurden mit der Software „Komoot“ erstellt.
Nach dem Mittagessen ging es also noch einmal in die Badlands – diesmal zu den
Los Coloraos
Hier zeigt sich die Gorafe-Wüste noch einmal von einer ganz anderen Seite. Rote, ockerfarbene und fast weiße Erdschichten, tief eingeschnittene Schluchten und bizarre Erosionsformen machen die Landschaft zu einem ziemlich verrückten Naturkunstwerk.Nach dem Mittagessen ging es also noch einmal in die Badlands – diesmal zu den Los Coloraos.
Hier zeigt sich die Gorafe-Wüste noch einmal von einer ganz anderen Seite. Rote, ockerfarbene und fast weiße Erdschichten, tief eingeschnittene Schluchten und bizarre Erosionsformen machen die Landschaft zu einem ziemlich verrückten Naturkunstwerk.
Bereits 2018 hatte ich mich sehr darüber gefreut, dass ich trotz der wenigen Infos zu diesem Gebiet einen Schleichweg zu diesen hübschen Badlands entdeckt hatte. Und Gabi, die Badlands genauso mag wie ich, war natürlich genauso entzückt darüber.
Da der Tag noch so jung war, wollte ich außerdem versuchen, den Aussichtspunkt zum Negratin-Stausee zu finden. Wenn es rund laufen würde, vielleicht sogar noch ein schönes Plätzchen zum Baden im See. Denn heute war wirklich Kaiserwetter und das wollten wir unbedingt ausnutzen.
Negratín-Stausee
Der 1984 fertiggestellte Negratín-Stausee ist rund 20 Kilometer lang und liegt mitten im Geopark von Granada. Besonders beeindruckend ist die Landschaft rund um den türkisblauen See: Rote und ockerfarbene Badlands, bizarre Erosionsformen und sogenannte Feenkamine bilden einen tollen Kontrast zum Wasser.
Ein Blick auf die Gockeline hat gereicht und uns davon überzeugt, dass es sinnvoller wäre, erst zu baden und dann nach dem Aussichtspunkt zu suchen. Wenn sie Recht hat, hat sie Recht. Daher gibt es erst einmal Fotos von der Strandseite des Stausees, der
Playa de Freila








Direkt an der Playa war es uns zu windig, daher haben wir uns um die Ecke herum ein gemütliches Fleckchen gesucht.
Nach gut zwei faulen Stunden sind wir dann weitergezogen, um die schönen Badlands zu erkunden. Das Licht war einfach nur fantastisch. Bisher war dieser Tag ja schon unglaublich schön und es sollte so weitergehen. Denn auch die Fahrt am späten Nachmittag bzw. frühen Abend war einfach wunderschön.
Als Erstes kamen wir an die Staumauer des Negratín-Stausees.
Presa del Negratín
Die Staumauer wurde 1984 fertiggestellt. Sie ist rund 75 Meter hoch und fast 440 Meter lang. Eine Besonderheit ist ihre ungewöhnliche Mischbauweise aus Beton und aufgeschüttetem Material. Grund dafür waren die schwierigen geologischen Verhältnisse am Standort.
Inzwischen befanden wir uns wieder auf dem Weg zum Aussichtspunkt auf den Negratín-Stausee. Bevor wir dort ankamen, stoppten wir zur Orientierung erst einmal auf einem großen Parkplatz in der Nähe der Staumauer. Komisch, dieser war mir bisher gar nicht aufgefallen.
Ich muss gestehen, mich verblüfft es ja selbst immer wieder, dass ich auch nach Jahren diese versteckten Stellen wiederfinde. Genauso verhält es sich mit dem letzten Punkt, den wir heute ansteuern wollten.
Als ich das erste Mal an diesem Kirschhain stand, waren die Bäume am Blühen. Jetzt, Mitte Mai, waren die Blüten saftigen Früchten gewichen. Wir konnten aber widerstehen und haben keinen Mundraub begangen. 😄
Hier geht’s lang
Hab ich zuviel versprochen? Ich glaube nicht.
Mit einem Grinsen im Gesicht kamen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Guadix an.
Da wir heute erst spät zu Mittag gegessen hatten, wollten wir abends nur in eine kleine Tapas-Bar gehen, die uns schon gestern Abend aufgefallen war. Auch heute war die kleine Bar wieder gut besucht.
Die Speisekarte zu entziffern, die sich auf einer großen Weinflasche befand, war gar nicht so einfach. Noch schwieriger war es herauszufinden, um was für Speisen es sich dabei handelte. Auf dem runden Untergrund konnte man leider nichts abfotografieren, also mussten wir alles in den Übersetzer eingeben. Die Antworten waren allerdings nicht besonders eindeutig.
Auf gut Glück bestellten wir eine gemischte Platte. Uiiii, das war ja so gar nicht nach unserem Geschmack! Viel zu wenig Käse, dafür sehr viel fette spanische Wurst. Na, Prost Mahlzeit! Der Tinto de Verano war allerdings sehr lecker.
Anschließend sind wir noch etwas durch das nächtliche Guadix gebummelt. Ich wollte Gabi ja noch zeigen, wo ich bei meinem ersten Besuch immer so gut gegessen hatte. Die Restaurants am Rathausplatz waren inzwischen allerdings auch billigen Pommesbuden gewichen, aus denen es nach altem Öl und Knoblauch stank. Schade!




























































