12. Tag

Samstag, 11. Mai 2024 - Estepona - Guadix

Eine böse Überraschung

Als wir heute gegen Mittag in Guadix ankamen, erlebten wir erst einmal eine böse Überraschung. Wie immer hatten wir über das Internet eine Unterkunft für die nächsten beiden Tage gebucht. In diesem Fall handelte es sich um eine für Guadix typische Höhlenwohnung.

Da ich mit einer Höhlenwohnung ja schon so meine Erfahrungen gemacht hatte, recherchierte ich diesmal besonders genau im Internet. Vor allem die Adresse wollte ich mir ganz genau anschauen. Ich wollte schließlich wissen, wo die Höhle liegt und ob sie auch einen kleinen Vorhof hat. Der Grund dafür: Im Frühjahr kann es in den Höhlen durchaus empfindlich kalt werden.

Als wir ankamen, wunderte ich mich schon, dass ein Auto direkt vor unserer vermeintlichen Einfahrt stand. Nun ja, vielleicht war das ja nur ein Platzhalter. Den Schlüssel sollten wir im nahegelegenen Souvenirgeschäft bekommen. Dort wurden wir freundlich begrüßt und bevor wir den Schlüssel in die Hand bekamen, sollten wir noch schnell die Anmeldung und Bezahlung erledigen. Blöderweise habe ich das tatsächlich gemacht, ohne mir die Wohnung vorher anzusehen.

Wie sich kurz darauf herausstellte, handelte es sich nämlich gar nicht um den Höhleneingang, den ich anhand der Adresse erwartet hatte, sondern um den Hintereingang. Die jetzige Besitzerin wohnte dort noch mit ihrer Familie und vermietete uns sozusagen ihre Hinterzimmer. Und bei diesen handelte es sich tatsächlich lediglich um zwei dunkle Löcher.

Dort wollten wir nicht einmal zwei Nächte bleiben. Wir erklärten, dass wir diese Behausung mit einer ganz anderen Adresse als der von uns gebuchten nicht beziehen würden, und verlangten unser Geld zurück. Um es kurz zu machen: Das Geld haben wir nicht wiedergesehen. Zum Glück war die Höhle nicht teuer. Wir suchten uns schließlich in der Neustadt von Guadix eine andere Wohnung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich hätte mir vor Ärger in den A… beißen können, aber das half ja nun auch nichts. Also schluckten wir den Ärger erst einmal herunter und ich zeigte Gabi die kuriose Schönheit dieses Teils von Guadix.

Guadix – eine Stadt mit Wohnungen unter der Erde

Guadix ist vor allem für seine Höhlenwohnungen bekannt. Mehr als 2.000 davon gibt es noch heute. Sie wurden direkt in die weichen Lehmhügel gegraben und sind von außen oft nur an den weißen Fassaden und kleinen Schornsteinen zu erkennen. Drinnen sorgen die dicken Lehmwände für ein angenehmes, ganzjährig recht konstantes Klima.

Heute werden viele der Höhlen als normale Wohnungen, Ferienwohnungen oder Hotels genutzt.

Ok, das war jetzt selbst für mich ganz schön viel Text. Jetzt gibt’s was fürs Auge! 👀📸

Im Anschluss an diese Fotosession wurde es langsam Zeit, nach einer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte zu suchen. Andere Höhlenwohnungen in diesem Gebiet waren nicht zu bekommen, daher suchten wir uns eine Wohnung in der Neustadt. Da wir diese erst gegen 18:00 Uhr beziehen konnten, beschlossen wir, das schöne Wetter zu nutzen und noch nach Gorafe zum megalithischen Friedhof zu fahren.

Das war eine tolle Entscheidung. Wetter und Wolkenbildung waren einfach traumhaft, und die Nachmittagssonne tauchte die Landschaft in ein wunderschönes Licht. Was für eine Landschaft! Da uns die Gockeline sozusagen von hinten zum Megalithischen Friedhof führte, hatten wir während der Fahrt immer wieder einen tollen Blick auf die eindrucksvolle, noch immer schneebedeckte Sierra Nevada.

Blick auf die Sierra Nevada

Da wir nun offensichtlich sozusagen durch die Hintertür bzw. erst einmal an Gorafe vorbei zum Megalithischen Friedhof kamen, bekamen wir auch diesen atemberaubenden Blick auf die bunte Gesteinswelt des Beckens von Guadix zu sehen. Ich bin ja immer wieder erstaunt, dass ich mich selbst nach vielen Jahren noch an so manches, eigentlich recht unscheinbare, Plätzchen erinnern kann. So auch hier. Ist das nicht ein toller Blick? Wow, an solchen Ausblicken können wir uns einfach nicht sattsehen.

Ach ja, was ich überhaupt nicht glauben konnte: Inzwischen gab es hier sogar eine Infotafel! Obwohl nicht einmal ein ausgewiesener Parkplatz zum Anhalten einlud, konnte man – wenn man wie wir diese kleine Parkbucht entdeckt hatte – direkt vor diesem markanten Berg eine Infotafel finden. Wie klasse! Jetzt hatte der Berg, der uns so geflasht hatte, sogar einen Namen und auch die Geologie bekam eine Erklärung:

Mirador del Mencal

Der Cerro Mencal ist ein markanter, alleinstehender Berg – ein sogenannter Inselberg, der sich deutlich aus der Landschaft des Geoparks von Granada erhebt. Von hier bietet sich ein weiter Blick über die Hoya de Guadix, die farbenprächtigen Badlands und das umliegende Hochland.

Die heutige Landschaft entstand aus mächtigen Sedimentschichten, die sich über Millionen Jahre in der ehemaligen Beckenlandschaft von Guadix-Baza ablagerten. Als sich das geschlossene Becken vor rund einer halben Million Jahren zur Flusslandschaft öffnete, begann die Erosion und formte die charakteristischen Schluchten, Rinnen und Badlands.

Blick vom Mirador del Mencal

Den kleinen Ort

Gorafe

streiften wir fürs Erste nur. Wir wollten nun wirklich langsam mal an unser Ziel kommen.

Schließlich war es endlich soweit: Wir standen auf dem Parkplatz zum

Parque Megalítico de Gorafe

Der Parque Megalítico de Gorafe ist eine der größten Ansammlungen prähistorischer Dolmen in Europa. Mehr als 240 dieser etwa 5.000 Jahre alten Grabanlagen wurden hier entlang des Río Gor entdeckt. Die unterschiedlichen Formen und Größen der Dolmen zeigen, dass die Menschen schon in der Jungsteinzeit ganz unterschiedliche Grabstätten errichteten. Einige davon können heute auf ausgeschilderten Wegen besichtigt werden.

Während sich Gabi schon langsam auf den Weg machte, wechselte ich am Auto noch schnell meine Klamotten, denn mir war es inzwischen viel zu warm in den langen Hosen.

Bevor ich Gabi zu den alten Gräbern folgte, warf ich noch einen Blick auf die grandiose Landschaft, die mich schon vor Jahren so fasziniert hatte.

Ich will eure Geduld nicht weiter Strapazieren. Hier folgt jetzt eine Auswahl der Gräber. 

Vom Aussichtspunkt aus konnten wir auch den Parkplatz recht gut erkennen, von dem aus wir zu den anderen, tiefer gelegenen und besser erhaltenen megalithischen Gräbern gelangen würden. Wir drehten daher kurz hinter diesen Gräbern um und fuhren hinunter zum anderen Parkplatz.

Vom Parkplatz aus führte ein schmaler, sandiger Weg hinauf zu den recht gut erhaltenen Dolmen. Faszinierend, was Menschen vor rund 5.000 Jahren bereits erschaffen haben!

Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Dolmen: Es gibt rechteckige, quadratische, trapezförmige und polygonale Formen. Bei Ausgrabungen wurden unter anderem menschliche Überreste, Keramik, Feuersteinwerkzeuge, Pfeilspitzen, Schmuck und weitere Grabbeigaben gefunden.

Wir hätten hier noch ewig weiter herumwandern können, denn von den rund 250 Gräbern hatten wir vielleicht gerade mal 20 gesehen. Kurz überlegten wir noch, ob wir die Straßenseite wechseln und uns weitere Gräber anschauen sollten. Aber irgendwie war dann doch die Luft raus. Und seien wir ehrlich: So unterschiedlich sind die Dolmen nun auch wieder nicht. 😄

Also fuhren wir lieber noch einmal nach Gorafe hinein, relaxten bei einem kühlen Getränk und machten uns anschließend auf den Rückweg nach Guadix.

Jetzt könnte man ja meinen: Ende gut, alles gut?! Aber da war ja noch etwas, nämlich die Schlüssel- und Wohnungsübergabe unserer Ferienwohnung. Und die war leider alles andere als easy.

Die Dame, die uns in Vertretung für ihre Freundin den Schlüssel übergab und die Wohnung zeigte, meinte nämlich, für die Benutzung des Bettes im zweiten Schlafzimmer noch extra Geld verlangen zu können. Da haben wir erst einmal kurz gestaunt und ihr dann ziemlich schnell klargemacht, dass wir eine ganze Wohnung mit zwei Schlafzimmern und nicht nur eine halbe Wohnung gebucht und bereits bezahlt hatten.

Letztendlich gab sie nach Rücksprache mit ihrer Freundin nach und rückte auch das Bettzeug für das zweite Schlafzimmer heraus.

Nee, also das hätte heute wirklich nicht mehr sein müssen!

Später stellten wir dann auch noch fest, dass gerade einmal eine Kaffeekapsel vorhanden war und es weder Pfeffer, Salz, Zucker noch Essig und Öl gab.

Girls, mal ehrlich: So ein paar Basics gehören bei einer Ferienwohnung doch einfach dazu!

Zum Glück lassen wir uns die Laune ja nicht so schnell verderben. Nachdem wir eine kleine Pizzeria gefunden hatten, in der wir bei einer Pizza und einem Gläschen Wein den Tag Revue passieren lassen konnten, lachten wir schon wieder über diesen seltsamen Tag, der letztendlich doch noch sehr schön geworden war.

Zum Abschluss suchten wir noch einen Supermarkt, in dem wir Kaffee, Zucker & Co. besorgen konnten, und gönnten uns auf dem Sofa noch ein Bierchen. Auf den Balkon kamen wir leider nicht, da Möbelstücke den Zugang versperrten – und für Umbauarbeiten hatten wir heute wirklich keine Lust mehr.

„Buenas noches“ 🌙