Die Route - Nach Tagen aufgeteilt
2. Tag
Mittwoch, 1. Mai 2024 - Sevilla
An Tagen wie diesem…
… scheint es, als hätte der Tag mehr als 24 Stunden.
Dabei hatten wir ihn ziemlich trödelig begonnen, denn das Wetter lud zunächst nicht gerade dazu ein, nach draußen zu gehen. Als wir uns kurz nach 9:00 Uhr schließlich auf den Weg machten, zeigte sich so langsam die Sonne.
Unser Ziel für den heutigen Morgen war entweder die Kathedrale oder der Königspalast von Sevilla. Auf dem Weg dorthin ließen wir uns Zeit und genossen die wunderschöne Architektur der Stadt.
Als wir an der Kathedrale ankamen, war schnell klar: Dafür waren wir erst einmal zu spät. Die Menschenschlange schlängelte sich bereits um das halbe Gebäude. Darauf hatten wir nun wirklich keine Lust.
Also beschlossen wir, es gar nicht erst zu versuchen und uns lieber dem nächsten Ziel zuzuwenden.
Kurz darauf erreichten wir den Königspalast. Auch hier hatte sich bereits eine Schlange gebildet, aber sie war zum Glück deutlich kürzer als die vor der Kathedrale. Außerdem hatten wir bereits ein Zeitticket für 10:00 Uhr.
Da uns bis dahin noch etwas Zeit blieb, beschlossen wir, die Wartezeit bei unserem ersten Cortado dieser Reise zu überbrücken. Was sollte man auch sonst mit dieser kostbaren Zeit anfangen? 😉
Real Alcázar de Sevilla
Mit unserem Zeitticket kamen wir schließlich in den Real Alcázar de Sevilla. Schon beim Betreten des Palastes war klar: Hier hätten wir deutlich mehr Zeit verbringen können. Hinter den mächtigen Mauern verbirgt sich eine faszinierende Mischung aus verschiedenen Epochen und Baustilen – von maurischen Einflüssen bis zu späteren Erweiterungen.
Leider bekommt man weder einen Lageplan noch ist die Anlage besonders gut ausgeschildert. So braucht es erst einmal ein wenig Zeit, um sich zu orientieren und herauszufinden, wo man eigentlich gerade gelandet ist. 😉
Wir entschieden uns, als Erstes die obere Etage des Palastes zu besichtigen. Nachdem wir ein reich mit Kacheln verziertes Treppenhaus hinter uns gelassen hatten, betraten wir einen Ausstellungsraum. Hier gab es einige besonders schöne Ornamente der maurischen Kachelkunst zu bestaunen.
Durch einen der weitläufigen Gärten, vorbei an Palmen, Orangenbäumen, Brunnen und Wasserbecken, gelangten wir schließlich zu den ersten Innenräumen.
Wie schon vor Jahren in der Alhambra verschlug es mir auch hier beim Anblick der kunstvoll verzierten Innenräume mit ihren Kacheln, filigranen Bögen und aufwendigen Decken fast den Atem. Bei Gabi, die diese Pracht zum ersten Mal live erblickte, war es nicht anders.
























Glaubt man der UNESCO, spielte der Alcázar auch eine wichtige Rolle bei den großen Entdeckungsfahrten. In der Sala de los Almirantes hatte die Casa de Contratación ihren Sitz. Von hier aus wurden der Handel mit der Neuen Welt organisiert und bedeutende Expeditionen vorbereitet. Unter anderem entstanden hier die Pläne für die erste Weltumsegelung von Ferdinand Magellan und Sebastián Elcano.
Real Alcázar de Sevilla – ein paar Fakten
Der Real Alcázar de Sevilla gehört zu den ältesten noch heute genutzten Königspalästen Europas. Seine Ursprünge reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Nach der christlichen Eroberung Sevillas 1248 wurde die Anlage zur königlichen Residenz und über die Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgebaut.
Besonders beeindruckend ist die Verbindung verschiedener Baustile. Der Mudéjar-Stil des 14. Jahrhunderts prägt den Palast ebenso wie gotische, Renaissance- und spätere Elemente. Berühmt sind vor allem die kunstvoll gestalteten Innenräume mit ihren Kacheln, Bögen und aufwendigen Decken sowie die weitläufigen Gärten mit Orangenbäumen, Palmen, Brunnen und Wasserbecken.
Seit 1987 gehört der Alcázar gemeinsam mit der Kathedrale und dem Archivo de Indias zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute dient er noch immer als königliche Residenz bei Aufenthalten der spanischen Königsfamilie in Sevilla.
Eintritt & Besuch
Eintritt 2024: 13,50 €
Cuarto Real Alto: zusätzlich 5,50 €
Besuch: mit festem Zeitfenster
Tipp: Tickets möglichst vorab online reservieren, da sich vor Ort schnell lange Warteschlangen bilden.
Lasst uns etwas lustwandeln …
Nach den prachtvollen Innenräumen zog es uns hinaus in die weitläufigen Gärten des Alcázar. Hier konnten wir ein wenig verschnaufen und zwischen Palmen, Orangenbäumen, Brunnen und Wasserbecken umherstreifen. Nach dem Trubel in den Palasträumen war dieser Spaziergang durch das üppige Grün eine willkommene Abwechslung.
Und natürlich gab es auch hier jede Menge schöne Fotomotive zu entdecken. Schließlich kommt man an so einem Ort ja nicht einfach nur zum Lustwandeln. 😉
Diesen kleinen Schreihals hörten wir schon Minuten, bevor wir ihn erblickten. Typisch Mann – wie der sich aufplustert! 😄
Weiter geht’s!
So langsam wollten wir dann doch zum Ende kommen. Denn eines hatten wir hier wirklich vermisst: eine Möglichkeit, irgendwo einzukehren. In der gesamten Anlage gab es tatsächlich kein Café und kein Restaurant. Und da es inzwischen schon weit nach 13:00 Uhr war, machte sich bei uns langsam der Hunger bemerkbar.
Also schauten wir, dass wir nun so langsam zu unserem letzten Besichtigungspunkt im Palast kamen.
Vorher aber noch ein paar Impressionen von Innenhöfen, Brunnen und anderen schönen Ecken, die uns auf dem Weg dorthin begegneten.
Baños de Doña María de Padilla
Unser letzter Besichtigungspunkt im Alcázar waren die Baños de Doña María de Padilla. Die unterirdischen, von mächtigen Gewölben überspannten Zisternen liegen unter dem Patio del Crucero und wurden vermutlich im 12. Jahrhundert unter den Almohaden angelegt.
Ihren Namen verdanken sie Doña María de Padilla, der Geliebten von König Pedro I. Der Überlieferung nach soll sie die kühlen Gewölbe als Rückzugsort genutzt haben.
Eingang zu den Baños – gar nicht so einfach zu finden.
Besonders faszinierend ist die Atmosphäre hier unten: Die schlichten Säulen und die langen, geschwungenen Gewölbe wirken im Gegensatz zu den prachtvollen Palasträumen geradezu geheimnisvoll. Nach dem Trubel und der Hitze draußen war die Kühle der Gewölbe zudem eine ziemlich angenehme Abwechslung.
Zum Mittagessen kehrten wir in eines der Lokale zwischen dem Königspalast und der Kathedrale ein. Da der Andrang an der Kathedrale inzwischen gegen „Null“ tendierte, verzichteten wir auf die vorherige Buchung eines Tickets und genossen stattdessen erst einmal ganz in Ruhe unser leckeres Essen.
Vamos al
Catedral de Sevilla
Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zur Catedral de Sevilla. Und siehe da: Die Menschenschlange vom Vormittag war inzwischen fast vollständig verschwunden. Unser Timing war also diesmal deutlich besser. 😉
Die Kathedrale von Sevilla gehört zu den größten gotischen Kirchen der Welt und wurde ab dem frühen 15. Jahrhundert auf den Resten der ehemaligen Hauptmoschee errichtet. Aus dem früheren Minarett entstand die berühmte Giralda, die heute das Wahrzeichen Sevillas ist.
La Giralda
Unser erster Weg führte uns allerdings auf den Turm der Kathedrale. Über Rampen gelangt man erstaunlich bequem auf das 104 Meter hohe ehemalige Minarett. Von hier oben bietet sich ein fantastischer Blick über Sevilla.
Schade nur, dass der Himmel an diesem Tag meistens bewölkt war und die Aussicht dadurch etwas getrübt wurde.















Catedral de Sevilla – Eintritt & Öffnungszeiten
Eintritt 2024: 12 € online / 13 € Kasse
Enthalten: Kathedrale, Giralda & Iglesia del Salvador
Öffnungszeiten April–Oktober: Mo–Sa 10:45–19:00 Uhr, So 14:30–19:00 Uhr
Besichtigungsdauer: ca. 75 Minuten
Tipp: Online-Ticket vorab buchen
Im Inneren erwarteten uns gewaltige Dimensionen, beeindruckende Gewölbe, zahlreiche Kapellen und eine schier unglaubliche Fülle an Kunst und Geschichte. Besonders spannend fand ich den Übergang zwischen der maurischen Vergangenheit und der christlichen Kathedrale.
Natürlich durfte auch ein Blick auf das Grab von Christoph Kolumbus nicht fehlen.
Fun Fact zum Grab von Christoph Kolumbus
Christoph Kolumbus hat nach seinem Tod selbst noch eine ziemlich lange Reise hinter sich gebracht. 😄 Seine sterblichen Überreste wurden mehrfach umgebettet: von Spanien nach Santo Domingo, später nach Havanna und schließlich nach Sevilla, wo sie seit 1899 ruhen.
Besonders kurios: Das Grabmal wird von vier Herolden getragen, die die ehemaligen Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra symbolisieren. Der Sarg ist dabei eher symbolisch – die eigentliche Urne mit den sterblichen Überresten befindet sich darin.
Und noch ein interessanter Punkt: 2006 bestätigte eine DNA-Untersuchung, dass die in Sevilla befindlichen Gebeine tatsächlich zu Christoph Kolumbus gehören. Damit wurde zumindest die spanische Seite des jahrhundertelangen Streits um seine Ruhestätte geklärt.
Ein Highlight unseres Besuchs war der Patio de los Naranjos.
Der ehemalige Orangenhof der Moschee gehört zu den ältesten erhaltenen Bereichen der Kathedrale. Zwischen den Orangenbäumen, den Wasserbecken und den schattigen Arkaden herrschte eine entspannte Atmosphäre. Nach dem Trubel in der Kathedrale war dieser Innenhof eine angenehme und fast schon ruhige Abwechslung – und das, obwohl auch hier ganz schön was los war.
Hätte es hier ein Café gegeben, wären wir gerne noch ein bisschen länger geblieben, denn der Blick hinauf zur Giralda und auf die Fassade der Kathedrale war einfach wunderschön.
Nach einer kurzen Verschnaufpause in diesem schönen Innenhof zogen wir dann auch schon weiter in Richtung Guadalquivir. Auf dem längsten Fluss Andalusiens wollten wir noch eine kleine Flussschifffahrt unternehmen.
Auf dem Weg dorthin kamen wir vorbei an der Stierkampfarena
Plaza de Toros de la Real Maestranza de Caballería de Sevilla
Witziges Detail am Rande: Der in Bronze gegossene Stierkämpfer Curro Romero sieht meinem Onkel Sergio verblüffend ähnlich. Ich musste jedenfalls zweimal hinschauen. 😂
Am Wasser angekommen, stießen wir natürlich erst einmal auf eines der Wahrzeichen Sevillas, den
Torre del Oro
Der markante Wehrturm der Almohaden stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehört heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. In seinem Inneren befindet sich inzwischen ein Schifffahrtsmuseum, das die maritime Geschichte Sevillas und seine Verbindung zum Guadalquivir zeigt.
Nein, bei diesem schmucken Teil handelt es sich nicht um das Schiff, mit dem wir unsere Flussfahrt unternahmen, sondern um den historischen Nachbau der
Nao Victoria
Das Originalschiff war Teil der Magellan-Expedition und absolvierte zwischen 1519 und 1522 die erste erfolgreiche Weltumsegelung der Geschichte.
Gleich nebenan lag unser Schiff vor Anker. Da wir etwas spät dran waren, gibt es davon leider kein Foto – ein ähnliches seht ihr in der Fotoshow. Dafür gibt es jede Menge Bilder von unserer Flussfahrt auf dem Guadalquivir.
Die historische Brücke, unter der wir gleich zweimal hindurchfuhren, hat übrigens kein Geringerer als Gustave Eiffel entworfen.
Mit diesen Eindrücken endete unsere heutige Tour durch Sevilla. Durch die Bootstour waren wir inzwischen ganz schön durchgefroren und wollten nur noch zurück in unsere hoffentlich warme Ferienwohnung.
Falls wir an diesem Abend überhaupt noch etwas gegessen haben, dann höchstens etwas auf die Hand. Wir wollten einfach nur noch ins Warme! 🥶










































































