Die Route - Nach Tagen aufgeteilt
9. Tag
Mittwoch, 8. Mai 2024 - Punta Umria - Rota
Eine super gute Entscheidung!
Diese Überschrift hätte eigentlich schon gestern Abend mit Bindestrich stehen können, denn die Entscheidung dazu war bereits gefallen. Aber was war passiert?
Es ist ja kein Geheimnis, dass uns Punta Umbría nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Auch der Besuch im Nationalpark war nicht gerade der Bringer. Irgendwie fühlte es sich komisch an, die nächsten beiden Tage in einer relativ großen Stadt zu verbringen. Also schauten wir kurzerhand auf dem Tablet, wo wir stattdessen noch einen Zwischenstopp einlegen könnten, und entschieden uns, eine Nacht in Cádiz zu stornieren und dafür eine Übernachtung in Rota zu buchen.
Irgendwie war uns einfach nach gemütlich und nicht nach städtisch und trubelig.
Wir haben es gemütlich angehen lassen und erreichten daher unseren ersten Besichtigungspunkt auch erst um die Mittagszeit.
Der Faro de Chipiona ist mit rund 69 Metern der höchste Leuchtturm Spaniens und einer der höchsten der Welt. Er wurde 1863–1867 erbaut und weist den Schiffen bis heute den Weg in die Mündung des Guadalquivir. Im Inneren führt eine Wendeltreppe hinauf zur Laterne. Schon von außen ist der imposante Turm kaum zu übersehen. Leider war er für Besucher nicht geöffnet. Schade! Da wären wir glatt hochgekraxelt. 😉
Faro de Chipiona
Schon rein optisch hatte sich der Umweg zu diesem beeindruckenden Leuchtturm gelohnt. Und auf seiner Rückseite erwartete uns dann auch noch eine Überraschung.
Ich hatte zwar schon im WWW ein Foto dieser Krabbe entdeckt, aber in Wirklichkeit war sie noch viel imposanter. Aber bildet euch selbst eine Meinung. 😉
Die riesige Krabbe wurde vom Künstler Alfredo Zarazaga aus recycelten Eisen- und Metallteilen geschaffen.
Da wir nun schon mal hier waren und einen so guten Parkplatz ergattern konnten, beschlossen wir, uns hier ein Plätzchen zum Mittagessen zu suchen. Der Spaziergang zur Strandpromenade war dann auch recht kurzweilig, und was wir dabei sahen, gefiel uns ausgesprochen gut. Das war schon eher ein Ort nach unserem Geschmack.
Doch leider quälten uns an dieser sehr ansprechenden Uferpromenade zum einen lästige kleine Fliegen, und zum anderen fanden wir kein einziges Restaurant, sondern nur Bars oder Pommesbuden, in denen kein gescheites Essen angeboten wurde. So blieb es dann bei einem Cortado, bevor wir zu unserem heutigen Übernachtungsort weiterzogen:
Rota
Erfreulicherweise fanden wir auch hier gleich einen Parkplatz ganz in der Nähe unserer kleinen Pension, die ich erst gestern noch so spontan gebucht hatte. Schon im Internet hatten wir das Gefühl, dass wir hier genau richtig waren. Der Blick in unser Zimmer bestätigte diesen Eindruck dann auch.
Genauso wie der Spaziergang auf dem Weg zu einem kleinen Nachmittagssnack – denn wir hatten ja außer dem Frühstück noch nichts gegessen.
Der kleine Snack war natürlich ein K.-o.-Kriterium fürs Abendessen, denn inzwischen war es schon fast 15:00 Uhr. Da blieb uns nichts anderes übrig, als das Essen und die tolle Aussicht zu genießen. 😋
Rota hat uns vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen und das lag nicht nur am schönen Wetter. Zum Baden war es uns zu windig, außerdem waren wir viel zu neugierig auf diese kleine Stadt. Kaum hatten wir die kleine Strandbar verlassen erblickten wir eine erste Besonderheit.
Solche Terrakottatöpfe hatten wir noch nie gesehen. Ich ärgere mich fast ein bisschen, dass ich nur zwei fotografiert habe. Es hingen dort mindestens 4 solcher interessanten Töpfe an der Hauswand.
Dieser Einladung konnten wir natürlich nicht widerstehen. Zu verführerisch präsentierten sich der helle Sand und das glitzernde Wasser. Das wollten wir uns doch aus der Nähe anschauen.
Während wir über den warmen Sand den breiten Strand entlangspazierten, zog ein Kitesurfer mit jeder Menge Speed über das Wasser. 🌊💨
Wir blieben am Strand bis zu seinem Ende bei den Wellenbrechern. Hier hatten sich die Möwen versammelt und blickten hinüber nach Cádiz. Ob sie wohl schon überlegten, morgen früh mit den Fischern dorthin zu ziehen, um den einen oder anderen Fisch zu ergattern? Egal! Wir genossen einfach dieses schöne Schauspiel.







Bevor wir den Strand verließen und in die Stadt eintraten begneten wir noch einer wahren Schönheit.
Escultura a la Libertad
Bei der Skulptur handelt es sich nicht einfach um eine Frau in einem Boot, die sich von ihren Ketten befreit, sondern um ein Denkmal, das an die Opfer des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur erinnern soll und somit für Freiheit und Demokratie steht. Aber das haben wir ehrlich gesagt erst im Nachhinein erfahren.
Noch bevor wir durch eines der historischen Stadttore den Altstadtkern von Rota betraten, schauten wir bei einem recht ungewöhnlichen Leuchtturm vorbei. Dieser war im Gegensatz zum Leuchtturm von Chipiona sehr modern und schlicht. Kein Wunder, denn er wurde ja auch erst 1980 erbaut. Er besteht aus einer weißen, zylindrischen Betonsäule mit einem roten Streifen und ist etwa 27–28 Meter hoch. Seine Lichtquelle reicht rund 13 bis 16 Seemeilen weit.
Das zerschmetterte Holzboot zu seinen „Füßen“ soll an die Zeit erinnern, als Rota noch ein reines Fischerdorf war. Es symbolisiert die harte und oft gefährliche Arbeit der Seeleute auf dem Atlantik und erinnert an die traditionellen Boote, mit denen die Einwohner von Rota über Generationen ihren Lebensunterhalt verdienten.
Wir staunten nicht schlecht, als wir hinter dem neuen Leuchtturm auch noch den alten Leuchtturm von Rota erblickten, der dort über dem alten Stadttor bzw. der „Puerta del Mar“ thronte. Dadurch wirkt er eher wie ein kleiner historischer Turm als wie ein klassischer Leuchtturm. Auffällig ist vor allem die kleine Laterne mit der dunklen Kuppel, die auf einem vorspringenden Aufbau über dem Tor sitzt. Der eigentliche Turm ist in die Mauer integriert.
In Betrieb war er übrigens von 1910 bis 1980.
Ist er nicht süß, der Kleine? ❤️
Rota hatte wirklich so einiges zu bieten. Fangen wir mal mit den historischen Plätzen an, wie zum Beispiel der Plaza Bartolomé Pérez. Hier entdeckten wir gleich zwei interessante Gebäude: (linkes Foto) die Iglesia de Nuestra Señora de la O und rechts das historische Castillo de Luna.
Da wir nur einen Tag in der Stadt waren, versuchten wir erst gar nicht, eines der beiden Gebäude zu besichtigen, zumal wir ja noch ganz am Anfang unserer Erkundungstour waren.
Und natürlich gab es auch einige interessante Plätze, wie zum Beispiel die
Plaza de la Merced
Hier entdeckten wir den schönen Torre de la Merced. Der historische Glockenturm des ehemaligen Mercedarier-Klosters ist wirklich eine Augenweide. Dahinter verbirgt sich die Markthalle. Wie schon vermutet, war diese geschlossen, denn inzwischen war es bereits Nachmittag.
Der Rest des Platzes liegt – bis auf die Blumenwand – etwas verloren da. Vielleicht täuscht unser Eindruck auch und an Markttagen ist hier richtig was los. Wir können da nur spekulieren.
Ebenfalls interessant war, dass die Vorderansicht des Platzes durch den Torre ja schon recht pompös wirkt. Schaut man jedoch hinter den Torre zurück, sieht der Platz plötzlich eher etwas abgerockt aus. Ein ziemlich interessanter Kontrast.
Während wir über den Platz liefen und uns die Vorderfront der Markthalle so anschauten, fielen mir zwei kleine Figuren auf dem Dach ins Auge. Eine solche kleine Figur hatte ich schon einige Ecken vorher an einer Häuserkante entdeckt. Was für ein witziges Gimmick, dachte ich mir. Aber anscheinend steckt da mehr dahinter.
Wie sich herausstellte, waren die kleinen Figuren, die uns immer wieder an Häuserkanten und auf Dächern auffielen, tatsächlich kein Zufall. In Rota gibt es kleine Kunstinterventionen, die an ungewöhn-lichen Stellen im historischen Zentrum versteckt sind. Die Idee dahinter ist ganz simpel: Sie sollen die Besucher dazu bringen, genauer hinzuschauen und die Stadt auf spielerische Weise zu entdecken.
Na, da hatten wir ja schon mal zwei gefunden! 😉 Genau genommen sogar vier, denn die Blumentöpfe gehören ebenfalls zu diesem Projekt.
Das ist doch noch ein weiterer Grund, irgendwann noch einmal nach Rota zu kommen.
Ich bin ja normalerweise keine große Freundin der sogenannten „Weißen Dörfer“, und Rota war als Stadt ja sowieso eher ein „Weißes Städtchen“. Aber ehrlich: Diese schön gepflegten weißen Gassen hatten schon was.
Keine Ahnung, was dazu führte, dass wir in diese eine Kirche, die von außen recht unscheinbar aussah, hinein gingen. Vielleicht lag es an der Frau, die uns so freundlich anlächelte oder an den winkenden Händen vor dem Kircheneingang. Auf jeden Fall sind wir hinein und siehe da, ihr Innere war in der Tat sehr interessant und das lag nicht nur an dem Jesus auf dem Esel.
Capilla de San Roque
Die kleine Capilla de San Roque gehört zu den historischen Sakralbauten der Altstadt. Sie ist dem heiligen Rochus gewidmet, der als Schutzpatron gegen Seuchen und die Pest verehrt wird. Ein kleines, aber hübsches Stück Rotaer Geschichte. Die Kapelle erinnert damit auch an die Bedeutung, die der Heiligenverehrung und dem Schutz vor Krankheiten früher zukam.
Für mich wird sie allerdings immer als die Kapelle in Erinnerung bleiben, in der mich die schwarze Jesus-Figur aufforderte: „Komm näher!“ Für ein paar Sekunden war das tatsächlich etwas spuki. 👻 Ich merkte natürlich recht schnell, dass dahinter die KI meines Porträtprogramms im Handy steckte. 😄
Genug geschwätzt, jetzt gibt’s was für’s Auge: 👀
Wenn ich mich recht erinnere, sind wir anschließend noch eine ganze Weile durch das Städtchen spaziert und haben auch noch ein kleines Eis auf die Hand gegessen. Bemerkenswert waren neben den vielen weißen Gässchen eigentlich nur noch dieses tierische Wandgemälde.
Nach all den Erlebnissen und Leckereien des Tages reichte uns zum Abendessen neben einem Bierchen eine kleine Nascherei in Form von Berenjenas con Miel (frittierte Auberginen mit Honig) auf lecker salzigen Chips. ¡Qué rico! 😋

























